Renato Truninger: «Solino-Austritt könnte auch Nebeneffekte haben»

Am 25. März befindet die Mosnanger Bürgerversammlung über den Austritt aus dem Zweckverband Seniorenzentrum Solino in Bütschwil. Die Info-Veranstaltung dazu stiess auf wenig Interesse.

Peter Jenni
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Renato Truniger (rechts) bedankt sich beim Referenten Gregor Baumgartner. (Bild: Peter Jenni)

Renato Truniger (rechts) bedankt sich beim Referenten Gregor Baumgartner. (Bild: Peter Jenni)

Keine Erwähnung fand an der Informationsversammlung vom Donnerstag der glänzende Geschäftsabschluss mit einem Gewinn von mehr als einer halben Million Franken. Auch die beiden Anträge «Überdachung Werkstoffsammelstelle» und «Austritt aus dem Zweckverband Logopädischer Dienst» wurden nur kurz erwähnt.

Solino-Austritt als dominierendes Thema

Dafür war der «Austritt aus dem Zweckverband Regionales Seniorenzentrum Solino» beherrschendes Thema bei den lediglich rund 25 Bürgerinnen und Bürgern, die im Oberstufenzentrum anwesend waren. Während Gemeindepräsident Renato Truniger die Umsetzung der Strategie des Gemeinderates erläuterte, rückte Gastreferent Gregor Baumgartner, Leiter Abteilung Amt für Soziales, die Angebotsplanung des Kantons St.Gallen anhand des Planungsmodells Mosnang in den Fokus.

Renato Truniger betonte die zentrale Rolle der politischen Gemeinden in der Alterspolitik des Kantons. Laut Sozialhilfegesetz obliegt es der Gemeinde, «ein bedarfsgerechtes stationäres Betreuungs- und Pflegeangebot für ältere Menschen» zur Verfügung zu stellen. Zudem betonte er, «Pflegebedürftige sollen die Möglichkeit haben, in Mosnang bleiben zu können».

Freundschaft statt Partnerschaft

Die Frage nach dem Verbleib im Zweckverband sei vom Verwaltungsrat bei den Mitgliedsgemeinden im Rahmen einer angeforderten Stellungnahme zur «Strategie Solino 2025» aufgeworfen worden. Aufgrund des erneuerten und erweiterten Alters- und Pflegeheims Hofwis», mit seinen 36 bewilligten Plätzen auf der kantonalen Pflegeheimliste, habe der Gemeinderat beschlossen, der Bürgerschaft den Austritt zu beantragen.

Wegen der veränderten Ausgangslage im Pflegebetten-Planungsbericht seit 2017 sei für die Gemeinde Mosnang zudem ein Überangebot an stationären Pflegeplätzen entstanden. Auch zwinge die Eigenständigkeit die Institution, selbstständig zu werden. Wenn nötig könne in der Hofwis in einigen Jahren auch wieder selber investiert werden. Renato Truniger bekräftigte, die Gemeinde Mosnang bleibe weiterhin ein attraktiver Partner für die Zusammenarbeit in regionalen Themen. Freundschaft trete an Stelle von Partnerschaft.

«Mosnang braucht niemals 50 Pflegeplätze»

Dass der Austritt auch Nebeneffekte haben könne, verschwieg der Gemeindepräsident nicht. Zum Beispiel den Rückgang von Aufträgen beim Solino für das Mosnanger Gewerbe, wobei dies mindestens zum Teil kompensiert werden könne, oder etwa der Verlust der Aufnahmepriorität. Trotzdem können Mosnanger Bürgerinnen und Bürger den gewünschten Heimaufenthalt auch in Zukunft frei wählen. Den Einwand, «wenn man wir jetzt austreten muss sich die Gemeinde wenn möglich in 15 Jahren wieder einkaufen», konterte der Gemeindepräsident damit: «Mosnang braucht niemals 50 Pflegeplätze.»

Keine fixe Obergrenze mehr

«Der Bedarf lässt sich nicht planen, das Angebot schon.» Mit diesem Zitat übernahm Gregor Baumgartner das Wort, wobei er betonte, das Planungsmodell 2017 des Amtes für Soziales bilde eine gute Voraussetzung zur Planung des Pflegebettenbedarfs. Damit erhielten die Gemeinden keine fixen Obergrenzen mehr, «sondern eine Bandbreite sowohl mit Bedarfsunter- als auch Bedarfsobergrenzen. Zudem würden dabei auch die Entwicklung von ambulanten und weiteren intermediären Pflege- und Betreuungsangeboten für Betagte und Hochbetagte berücksichtigt. Dabei spielten Spitex, betreutes Wohnen und der Ausbaustandard von Alterswohnungen eine wichtige Rolle, damit ältere Menschen immer länger in ihrer gewohnten Umgebung bleiben könnten und der Eintritt in eine Pflegeeinrichtung entsprechend später erfolge. Dies sei denn auch der Grund, weshalb die Unter- und Obergrenze alle fünf Jahre neu definiert und nach oben angepasst würden. (pjm)