Interview
Renato Truniger zum Bauprojekt bei der alten Post in Mosnang: «Teilweise ist die Bevölkerung etwas überrumpelt»

Erneut verhindern Einsprachen, dass auf dem Areal der alten Post in Mosnang die Bagger auffahren. Trotzdem ist der Gemeindepräsident zuversichtlich, dass die Konsumgenossenschaft ihr Bauvorhaben realisieren wird.

Timon Kobelt
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Mosnangs Gemeindepräsident Renato Truniger vor der Postautohaltestelle in Mosnang: Auch im Falle der Realisierung des geplanten Neubaus der Konsumgenossenschaft wird an der Haltestelle nichts geändert. (Bild: Timon Kobelt)

Mosnangs Gemeindepräsident Renato Truniger vor der Postautohaltestelle in Mosnang: Auch im Falle der Realisierung des geplanten Neubaus der Konsumgenossenschaft wird an der Haltestelle nichts geändert. (Bild: Timon Kobelt)

Neuer Anlauf, gleiches Resultat: In Mosnang gibt es Einsprachen gegen das Bauprojekt bei der alten Post und den damit einhergehenden Teilstrassenplänen. Ende 2018 wollte der Gemeinderat die Wupplisbergstrasse verlegen und den Kaplaneiweg aufheben. Schon damals wehrten sich die Bürger mit Einsprachen.

Diesen Sommer hat das Gremium das Projekt als Ganzes wieder öffentlich aufgelegt. Sowohl beim Bauprojekt, das aus einem Neubau mit dem Volg im Erdgeschoss und Wohnungen in den beiden Obergeschossen inklusive Tiefgarage der Gemeinde besteht, als auch bei den Teilstrassenplänen wurden Änderungen vorgenommen.

Doch eine Baubewilligung kann aufgrund der Einsprachen weiterhin nicht erteilt werden. Gemeindepräsident Renato Truniger erklärt, weshalb er trotzdem zuversichtlich bleibt und er sich keine Sorgen über ein Verkehrschaos im Dorfkern macht.

Wieder hat es Einsprachen gegen das Projekt bei der alten Post gegeben. Für den Gemeinderat muss das einem Rückschlag gleichkommen.

Renato Truniger: Das sehe ich nicht so. Es sind zwar Einsprachen eingegangen. Diese beziehen sich teilweise auf das Bauprojekt der Konsumgenossenschaft und der Gemeinde und teilweise sind es kombinierte Einsprachen gegen das Bauprojekt und die Anpassungen an Wupplisbergstrasse und Kaplaneiweg.

Sie sind also zufrieden mit dem Ergebnis der öffentlichen Auflage?

Klar wäre es mir lieber gewesen, wenn es gar keine Einsprachen gegeben hätte, insbesondere da einige bemängelte Punkte nach der ersten öffentlichen Auflage angepasst worden sind.

Was wurde genau angepasst?

Der Einlenker der Wupplisbergstrasse wird verbreitert und leicht in Richtung Bütschwil versetzt, damit eine reibungslose Zulieferung auch bei grossen Fahrzeugen gewährleistet ist. Ausserdem haben wir uns entschieden, auf die Aufhebung des Kaplaneiwegs zu verzichten. Der verbleibende Gemeindeweg wird aber auf die Überbauung des Grundstückes angepasst und leicht verlegt, so dass eine Wegbreite von 1.5 Meter bestehen bleibt. Beim Hochbau der Konsumgenossenschaft mussten an einigen der Grenzabstand und die Gebäudetiefe angepasst werden.

Einsprachen bedeuten immer auch Verzögerung. Haben Sie keine Angst, dass die Konsumgenossenschaft (KG) irgendwann abspringen könnte?

Nein, die habe ich nicht. Wir haben mit der KG verschiedenen Szenarien besprochen und die KG hat mit den Anpassungen am Projekt gezeigt, dass sie das Bauprojekt unbedingt zur Ausführung bringen will. Es ist nun für alle Beteiligten gut, wenn der übliche Baubewilligungsprozess seinen Lauf nimmt, damit möglichst bald Klarheit herrscht. Sprich, wenn nach allfälligen Einspracheverhandlungen keine Einigung erzielt wird, muss der Gemeinderat über die Einsprachen befinden.

Wie schätzen Sie die Stimmung im Dorf zum gesamten Projekt ein?

Die Stimmung ist schwierig greifbar. In Gesprächen mit vereinzelten Personen wird in den Raum gestellt, dass es bei den Bürgern brodle. Tatsache ist, dass die Abstimmung über die öffentliche Tiefgarage sehr knapp ausgefallen ist. Dem Gemeinderat sind bisher aber nur ganz wenige negative Stimmen bekannt.

Mehrfache Einsprachen gegen ein Projekt sind normalerweise ein Indiz für eine potenzielle Polarisierung.

Klar die Einsprachen gilt es ernst zu nehmen. Die Baubehörde wird die geltenden Regeln gebührend würdigen und schlussendlich über die Bewilligungsfähigkeit entscheiden. Wenn jemand damit nicht einverstanden ist, stehen weitere Rechtsmittel zur Verfügung. Ob man hier von einer Polarisierung reden kann, lasse ich offen. Mit dem neuen Raumplanungsgesetz haben die Gemeinden klare Aufträge bezüglich der inneren Entwicklung. Es gibt Investoren, welche sich diesem Grundsatz annehmen. Die Bevölkerung ist ob dieser Entwicklung teilweise überrascht und auch etwas überrumpelt. Bei dem nun vorliegenden Projekt ist das öffentliche Interesse naturgemäss gross. Da ist es verständlich, wenn sich die Bürger und Bürgerinnen austauschen.

Was sagen Sie zur Dimension des Projekts? Diese hat jüngst für Ärger gesorgt, weil Bürger befürchten, dass das Ortsbild und vor allem die Sicht auf die Kirche zerstört wird.

Diese Thematik wurde vor allem medial aufgegriffen, worüber ich nicht unglücklich bin, denn so konnten wir mit besorgten Bürgern gute Gespräche führen. In Bezug auf das Ortsbild stützt sich der Gemeinderat auf Beurteilungen der kantonalen Denkmalpflege. Diese war beim vorliegenden Projekt von Beginn an involviert. Wie bereits erwähnt ist das öffentliche Interesse gross. Das Gebäude wird sehr hoch, keine Frage. Persönlich bin ich überzeugt, dass es einen schönen Bau gibt mit einem echten Treffpunkt im und um den neuen Dorfladen. Ein stimmiges Gesamtbild.

Im Dorf geistert die Angst vor einem Verkehrschaos umher.

Das Verkehrskonzept beim Bauprojekt Konsumgenossenschaft und Tiefgarage überzeugt mich. Wir haben auf der anderen Strassenseite eine Situation, die uns manchmal an die Grenzen bringt. Die Landi läuft sehr gut, worüber wir sehr erfreut sind. Dort parkieren manchmal Leute auf der Strasse, was zulässig ist. Aus Sicht des Gemeinderates führt dies auch nicht zu chaotischen Zuständen Aber klar: Der Verkehr wird eher noch mehr zunehmen. Deshalb ist sich auch der Gemeinderat bewusst, dass die Verkehrssituation im Dorfkern langfristig verbessert werden muss.

War die Verlegung der Postautohaltestelle ein Thema?

Es haben verschiedene Gespräche mit dem Kanton stattgefunden. Bei Veränderung müsste die Haltestelle auf neue Masse angepasst werden, wobei der Faktor mindestens 1.5 betragen würde. Das hätte das Projekt Konsumgenossenschaft zum Scheitern gebracht, worauf auf eine Anpassung verzichtet wurde.

Kommen wir abschliessend noch zur Tiefgarage. Deren Kredit über 1,3 Millionen Franken wurde vor einem Jahr nur hauchdünn angenommen. Einsprachen gegen das Tiefbauprojekt gingen aber keine ein. Ist die Akzeptanz für das Anliegen gestiegen?

Das glaube ich nicht. Es war eine knappe Mehrheit, das gilt es zu respektieren. Ich habe nicht die Erwartung, dass die Gegner jetzt einfach sagen, dass sie das Projekt auch gut finden. Aber auch eine knappe Mehrheit ist ein Auftrag an den Gemeinderat, dieses Tiefgarage-Projekt voranzutreiben. Und Einsprachen können gemacht werden, wenn zum Beispiel ein Baureglement nicht eingehalten wurde. Ich verstehe alle, die sich fragen, ob es jetzt eine Tiefgarage in Mosnang braucht. Meine Überzeugung liegt darin, dass in 20 Jahren die Bürger unserer Gemeinde sagen: Zum Glück hat man es dannzumal gemacht.