Rekordwerte im Toggenburg: 14-Tage-Inzidenz steigt auf über 1000 Fälle

Das Coronavirus ist in keinem Wahlkreis des Kantons St.Gallen verbreiteter als im Toggenburg. In der letzten Oktoberwoche stieg sie schon über 1000 Fälle auf 100'000 Einwohner innert 14 Tagen.

Ruben Schönenberger
Merken
Drucken
Teilen
Die Gemeinde Hemberg hat es in der zweiten Welle stärker getroffen als noch in der ersten. Doch die geringe Einwohnerzahl erschwert es, daraus Schlüsse zu ziehen.

Die Gemeinde Hemberg hat es in der zweiten Welle stärker getroffen als noch in der ersten. Doch die geringe Einwohnerzahl erschwert es, daraus Schlüsse zu ziehen.

Bild: Martin Lendi

Lange war der Wahlkreis Toggenburg ein sicherer Hafen, der vom Coronavirus nicht angefahren wurde. Wochenlang wurde im Sommer kein einziger Fall registriert. Vom 16. Juli bis 12. August gab es sogar fast einen Monat ohne jeglichen positiven Befund.

In den Wochen danach kam es zwar wieder vereinzelt zu Ansteckungen, doch die Zahlen blieben tief. Dort mal ein Fall, da mal zwei, dann auch wieder mal keiner. Während andere Wahlkreise schon im August manchmal der damals noch viel beachteten Grenze von 60 Fällen auf 100'000 Einwohner innert zwei Wochen nahe kamen, blieb es im Thur- und Neckertal ruhig. Doch dann kam der Oktober.

Seit dem 5. Oktober geht das Toggenburg voran

Am 5. Oktober wurden im Toggenburg 14 positive Tests registriert. So viele wie davor noch nie. In der Betrachtung der Fälle pro 100'000 Einwohner der letzten zwei Wochen, der 14-Tage-Inzidenz, schloss das Tal damit zum Wahlkreis St. Gallen auf, überholte diesen am Tag darauf und setzte in der Folge zu einem Sturmlauf der negativen Sorte an. Seither belegt das Toggenburg im Kanton St. Galen den Spitzenplatz. Unangefochten.

Wahlkreis St.Gallen
Wahlkreis Rorschach
Wahlkreis Rheintal
Wahlkreis Werdenberg
Wahlkreis Sarganserland
Wahlkreis See-Gaster
Wahlkreis Toggenburg
Wahlkreis Wil
01.10.202002.10.202003.10.202004.10.202005.10.202006.10.202007.10.202008.10.202009.10.202010.10.202011.10.202012.10.202013.10.202014.10.202015.10.202016.10.202017.10.202018.10.202019.10.202020.10.202021.10.202022.10.202023.10.202024.10.202025.10.202026.10.202027.10.202028.10.202029.10.2020020040060080010001200

Am Dienstag und Mittwoch stieg die 14-Tage-Inzidenz auf über 1000 an. Zur Erinnerung: Vor nicht allzu langer Zeit definierte der Bund Länder mit einem Wert von über 60 als Risikoland. Am Donnerstag fiel die Inzidenz wieder leicht unter 1000. Doch weil am Freitag zum letzten Mal Daten publiziert wurden, wird erst am Montag klar, ob nicht auch dann die 1000er-Marke überschritten wurde. Nachmeldungen sind nicht selten.

Keine Hotspots bekannt

Wo die Ansteckungen geschehen, ist nicht klar. Der Kanton St.Gallen weiss es nicht. Es gebe im Toggenburg keine aussergewöhnlichen Cluster, so die offizielle Stellungnahme. Zahlen auf Gemeindeebene, die allenfalls einen Hinweis geben könnten, gibt es nicht tagesaktuell.

Die NZZ konnte in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) jedoch eine Auswertung vornehmen. Im Vergleich der ersten Welle im Frühling und der zweiten Welle – erfasst sind positive Tests bis zum 16. Oktober – zeigt sich für das Toggenburg: Beinahe überall wurden mehr Fälle verzeichnet, nur in einer Gemeinde aber signifikant. Auf 1000 Einwohner hochgerechnet landete Hemberg in der zweithöchsten Kategorie. Dort sind zwischen 11,67 und 26,83 Fälle pro 1000 Einwohner aufgetreten. Nur: In Hemberg wohnen noch nicht einmal 1000 Einwohner. Die absolute Zahl liegt also unter 26,83. Den ganzen Anstieg vermag also auch ein Hotspot in Hemberg nicht zu erklären.

Der Wahlkreis Wil war auch schon Spitzenreiter

Ein solcher – vermeintlicher – Hotspot fehlt im Wahlkreis Wil. Und trotzdem war er gegen Ende des Sommers so was wie der Vorreiter des Toggenburgs. In der zweiten Septemberhälfte lag die Region Wil an der Spitze der Rangliste, damals allerdings mit einer 14-Tage-Inzidenz von nur rund 70. Ende Oktober liegt der Wahlkreis Wil auf Platz 3. Aber auch das ist noch deutlich über dem kantonalen Wert und weit weg vom Wahlkreis Werdenberg, der mit 610 den tiefsten Wert ausweist.