Region Wil-Toggenburg
Wegen Corona steigt die Nachfrage nach Wohneigentum auf dem Land

In fast allen Gemeinden im Toggenburg und der Region Wil steigen die Preise für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen auch im dritten Quartal weiter. Weil Pendeldistanzen dank Homeoffice an Bedeutung verlieren, profitieren ländlichere Gemeinden.

Ruben Schönenberger
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Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden wird dank Corona vielerorts noch grösser.

Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden wird dank Corona vielerorts noch grösser.


Bild: Fotolia

Das Jahr 2020 wird für viele als verlorenes Jahr in die Geschichtsbücher eingehen. Doch wie so oft gibt es auch im Coronajahr nicht nur Verlierer. Wer in ländlichen Gebieten Wohneigentum verkaufen möchte, könnte von geänderten Bedürfnissen Kaufwilliger profitieren.

Wenn der Weg ins Büro nicht mehr täglich zurückgelegt werden muss, weil man von zu Hause arbeiten kann, könnten längere Pendelwege eher in Kauf genommen werden.

Nähe zum Arbeitsplatz verliert an Bedeutung

Davon geht auch die Immobilienberatungsfirma Wüest Partner AG aus. Sie schreibt im Immobilienmarktbericht, den sie für die St.Galler Kantonalbank erstellt: «Sollten sich die Homeoffice-Tätigkeiten in der Dienstleistungsbranche stärker etablieren, würde dadurch die ständige Nähe zum Arbeitsplatz an Bedeutung verlieren.»

Immobilienmarktbericht der St.Galler Kantonalbank

Die Wüest Partner AG untersucht im Auftrag der St.Galler Kantonalbank regelmässig den Immobilienmarkt in verschiedenen Regionen der Ostschweiz. Dabei untersucht sie die tatsächlich erzielten Transaktionspreise für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen in den Gemeinden des Toggenburgs und der Region Wil, inklusive diverser Thurgauer Gemeinden. Die Region Toggenburg umfasst alle Toggenburger Gemeinden ausser Kirchberg und Lütisburg. Diese werden der Region Wil zugeschlagen. Nicht Teil der Region Wil sind in dieser Betrachtung Flawil, Degersheim und Niederbüren. (rus)

Gepaart mit der Tatsache, dass Wohneigentum in peripheren Lagen zu erschwinglicheren Preisen zu haben ist, könnte diese Veränderung der Bedürfnisse die Nachfrage beflügeln.

Erste Corona-Effekte bereits feststellbar

Eine Nachfrage, die sowieso schon vielerorts angezogen hat. Beachtet man die Auswertungen von Wüest Partner für die Region Wil und das Toggenburg lässt sich feststellen: Nur gerade in zwei Gemeinden sind Einfamilienhäuser im dritten Quartal dieses Jahres günstiger zu haben als noch im ersten Quartal. Doch auch in Fischingen und Affeltrangen beträgt dieser Rückgang weniger als ein Prozent.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Eigentumswohnungen: Nur in vier der total 33 betrachteten Gemeinden kann ein Rückgang beobachtet werden: Braunau, Tobel-Tägerschen, Fischingen und Hemberg.

«Wir gehen davon aus, dass hier schon erste Corona-Effekte zu sehen sind», sagt Anita Göckel von Wüest Partner. Dass die Nachfrage stark gestiegen sei, könne man messen. «Wir haben nur am Anfang des Shutdowns im März Verzögerungen bei den Transaktionstätigkeiten gesehen.»

Oberbüren und Wildhaus-Alt St.Johann weisen grösste Preissteigerung auf

In allen anderen Gemeinden stiegen die Preise im Vergleich zum ersten Quartal an. Und das teilweise deutlich. In Oberbüren kostet ein Einfamilienhaus neu über 1,4 Millionen Franken, ein Plus von rund neun Prozent. Es ist das grösste Plus in der Region Wil.

Preisentwicklung von Wohneigentum in der Region Wil

Mittlere Transaktionspreise / indexiert (1. Quartal 2010 = 100%)
Einfamilienhäuser
Eigentumswohnungen
Jan. 2010April 2010Juli 2010Okt. 2010Jan. 2011April 2011Juli 2011Okt. 2011Jan. 2012April 2012Juli 2012Okt. 2012Jan. 2013April 2013Juli 2013Okt. 2013Jan. 2014April 2014Juli 2014Okt. 2014Jan. 2015April 2015Juli 2015Okt. 2015Jan. 2016April 2016Juli 2016Okt. 2016Jan. 2017April 2017Juli 2017Okt. 2017Jan. 2018April 2018Juli 2018Okt. 2018Jan. 2019April 2019Juli 2019Okt. 2019Jan. 2020April 2020Juli 202080100120140160

Im Toggenburg nimmt die Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann diesen Spitzenplatz ein. Ein Einfamilienhaus kostet hier neu über 1,1 Millionen Franken, mit etwas weniger als neun Prozent ebenfalls ein deutliches Plus. Gemäss Anita Göckel könnte hier auch der Zweitwohnungsmarkt dazu beigetragen haben.

Preisentwicklung von Wohneigentum im Toggenburg

Mittlere Transaktionspreise / indexiert (1. Quartal 2010 = 100%)
Einfamilienhäuser
Eigentumswohnungen
Jan. 2010April 2010Juli 2010Okt. 2010Jan. 2011April 2011Juli 2011Okt. 2011Jan. 2012April 2012Juli 2012Okt. 2012Jan. 2013April 2013Juli 2013Okt. 2013Jan. 2014April 2014Juli 2014Okt. 2014Jan. 2015April 2015Juli 2015Okt. 2015Jan. 2016April 2016Juli 2016Okt. 2016Jan. 2017April 2017Juli 2017Okt. 2017Jan. 2018April 2018Juli 2018Okt. 2018Jan. 2019April 2019Juli 2019Okt. 2019Jan. 2020April 2020Juli 202080100120140160

Bei den Eigentumswohnungen schwingt Nesslau im Toggenburg mit einem Plus von 8,8 Prozent obenaus. Platz 2 belegt mit Lütisburg eine Toggenburger Gemeinde, die im Immobilienmarktbericht der Region Wil zugerechnet wird. In beiden Gemeinden entstanden in den letzten Jahren viele neue Wohnungen.

Einfamilienhäuser werden stark gesucht

Sowohl für die Region Wil als auch für das Toggenburg gilt: Vor allem Einfamilienhäuser erfreuen sich grosser Beliebtheit. Vor allem seit 2016 ziehen die Preise hier merklich mehr an als bei den Eigentumswohnungen. «Das knappe Angebot treibt die Preise nach oben», erklärt Anita Göckel.

Ein Angebot, das knapp bleiben dürfte. Wüest Partner schreibt für das Toggenburg: «Das verfügbare Angebot wurde zuletzt gut vom Markt absorbiert und ein Blick auf die Zahl der Suchabos zeigt, dass hier auch künftig viele Kaufinteressenten den Traum vom eigenen Heim verwirklichen möchten.»

Ähnlich tönt es in der Region Wil. 600 Suchabos für Einfamilienhäuser seien aufgeschaltet. «Das sind rund ein Drittel mehr als zum Vorjahreszeitpunkt.» Die Auswahl sinke dagegen kontinuierlich, zuletzt seien noch 1,7 Prozent des Bestandes angeboten worden. Im Toggenburg sind es mit 2,0 Prozent leicht mehr.

Unter einer Million Franken gibt es Einfamilienhäuser eher im Toggenburg

Doch auch diese Zahl könnte kleiner werden. Denn: Die Preise sind im Toggenburg teilweise deutlich tiefer als in der Region Wil. Ein mittlerer Transaktionspreis von unter einer Million Franken für ein Einfamilienhaus ist nur im Toggenburg zu finden.

Doch auch hier immer weniger. War das im ersten Quartal noch in acht Gemeinden der Fall, ist es das jetzt nur noch in sechs. Auch in Wildhaus-Alt-St.Johann, der teuersten Toggenburger Gemeinde, sind Einfamilienhäuser mit 1,1 Millionen Franken aber noch preiswerter als in den allermeisten Gemeinden der Region Wil. Am teuersten ist ein Einfamilienhaus in der Stadt Wil. Der mittlere Transaktionspreis beträgt hier über 1,6 Millionen Franken.