Regierungskandidat Ivan Louis gibt sich vor Nominationsversammlung kämpferisch: «Ich war schon einmal der Underdog»

Der Nesslauer Ivan Louis will für die SVP in die Regierung. Vor der Nominationsversammlung erklärt er, was das dem Toggenburg bringt.

Interview: Sabine Camedda
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Kantonsrat Ivan Louis möchte für die SVP einen Sitz in der Regierung erobern.

Kantonsrat Ivan Louis möchte für die SVP einen Sitz in der Regierung erobern.

Benjamin Manser

Louis oder Götte als Regierungsratskandidat? Diese Frage beantworten die Delegierten der SVP Kanton St.Gallen am Donnerstagabend in Mörschwil. Sie nominieren einen zweiten Kandidaten, der zusammen mit dem amtierenden Regierungsrat Stefan Kölliker ins Rennen steigen soll.

Sie treten am Donnerstagabend bei der Nominationsversammlung der SVP als Regierungsratskandidat an. Was hat Sie dazu bewogen, für die Regierung zu kandidieren?

Ivan Louis: Esther Friedli hat wegen ihrer Wahl in den Nationalrat den Verzicht auf eine Kandidatur für den St.Galler Regierungsrat bekanntgegeben. Sie war für mich persönlich und meine Kollegen der SVP Toggenburg klare Favoritin. Am Wahlsonntag diskutierten wir das weitere Vorgehen und ich wurde gefragt, warum ich nicht kandidieren würde. Ich habe es mir überlegt und zugesagt. Mir ist es wichtig, dass die Delegierten eine Auswahl für den zweiten Kandidaten haben und nicht alles von vornherein klar ist.

Fühlen Sie sich als Ersatzkandidat für Esther Friedli?

Nein, überhaupt nicht. Mir ist bewusst, dass ich mit meinen 29 Jahren bei vielen nicht unbedingt zuoberst auf der Liste mit möglichen Kandidaten stehe. Ich sehe das aber nicht nur als einen Nachteil und werde das bei der Delegiertenversammlung entsprechend darlegen.

Was zeichnet Sie für die Regierung aus?

Bei allen übrigen Kandidaten aller Parteien sehe ich einen ähnlichen Werdegang, denn sie haben einen beruflichen Hintergrund in der kommunalen Politik oder Verwaltung.

Ich bin aber überzeugt, dass man die Politik nur bedingt von der Gemeinde auf den Kanton übertragen kann und es nicht unbedingt glücklich ist, wenn eine Mehrheit der Regierungsräte bereits ihr Leben lang auf einer Verwaltung tätig war.

Ich könnte andere Perspektiven einbringen. Einerseits weil ich seit vielen Jahren selbstständig erwerbend bin, und andererseits, weil ich durch das Kantonsratspräsidium den Kanton und die Abläufe sehr gut kenne.

Kennt man Sie durch das Kantonsratspräsidium im ganzen Kanton?

Das ist schwierig zu sagen. Ich dachte nicht, dass das Kantonsratspräsidium diese Wirkung hat und ich dadurch bekannt geworden wäre. Aber bei den Nationalratswahlen, wo ich auf einer Nebenliste angetreten bin und keinen Wahlkampf gemacht habe, habe ich deutlich mehr Stimmen geholt als die anderen auf der Liste.

Die kantonalen Wahlen sind jeweils ein Abbild der eidgenössischen Wahlen. Da waren die Jungen bei den Gewinnern. Spricht das für Sie?

Die Regierung sollte die Bevölkerung des Kantons abbilden und das täte sie besser, wenn das Altersspektrum breiter wäre. Aber noch wichtiger wäre eine Vertretung vom auch ländlichen Gebiet.

Wie wichtig wäre es für das Toggenburg als Region, in der Regierung vertreten zu sein?

Ich habe in meiner Zeit als Kantonsrat immer wiedererlebt, dass die ländliche Bevölkerung, zu welcher das Toggenburg gehört, in der Regierung zu schwach vertreten ist.

In der Spitalpolitik beispielsweise sieht man, dass die Vertreter in der Regierung persönlich nicht so stark betroffen sind wie es ein Toggenburger oder ein Sarganserländer ist.

Die geografische Komponente ist deshalb zentral.

Sie treten in der Nominierungsversammlung gegen Fraktionspräsident Michael Götte an, der bereits einmal für die Regierung kandidiert hat. Spräche nicht gerade das für ihn?

Ja, das spricht für ihn, denn er hat damals einen sehr guten Wahlkampf absolviert, auch wenn er dann relativ knapp nicht gewählt worden ist. Vielleicht rennt er wieder um den Kanton. Ich habe ihn damals im Toggenburg begleitet und würde wieder mit ihm rennen. Mit seiner Erfahrung und seinem Wahlkampf für den Nationalrat ist er klar in der Favoritenrolle. Das gefällt mir, denn als ich etwa in der Fraktion fürs Vizepräsidium im Kantonsrat kandidiert habe, war ich auch der «Underdog» und habe mich durchgesetzt. Aber die aktuelle Ausgangslage ist schwieriger.

So nominieren die SVP-Delegierten

Am Donnerstagabend treffen sich die SVP-Delegierten in Mörschwil für die Nominationsversammlung von zwei Kandidaten für den Regierungsrat. Ein Platz auf dem Ticket ist für den bisherigen Stefan Kölliker reserviert. Seine Nomination dürfte unbestritten sein.

Anschliessend stellen sich die beiden anderen Kandidaten, Ivan Louis und Michael Götte, vor. Sie stellen sich danach Fragen der Delegierten, die, so denkt Ivan Louis, durchaus «scharf» sein können. Danach verlassen die beiden Kandidaten den Saal, sodass die Delegierten ohne ihre Anwesenheit diskutieren können. Anschliessend erfolgt eine geheime Abstimmung. Der Kandidat mit der grösseren Unterstützung der Delegierten wird als zweiter Kandidat nominiert. Ivan Louis geht davon aus, dass beim Entscheid verschiedene Faktoren zählen werden – auch die persönliche Sympathie. (sas)

Die bisherigen Nominationen für die Regierung deuten darauf hin, dass es mehr Kandidaten als Sitze gibt. Bereiten Sie sich auf einen intensiven Wahlkampf vor?

Es wäre kein einfaches Durchmarschieren. Der Wahlkampf startet zwar erst nach der Nominierung, aber ich habe mir überlegt, dass ich wohl einen digitaleren Wahlkampf machen würde, als man bisher gekannt hat. Ich habe schon einige Zusagen für Unterstützung von Personen aus verschiedenen Parteien – mein Wahlstab wäre sehr breit aufgestellt.

Treten Sie eher als Ivan Louis oder als Vertreter der SVP an?

Das Ziel ist klar, dass die SVP einen zweiten Sitz in der Regierung holt. Aber bei den Regierungsratswahlen geht es stark um die Personen. Darum will unsere Partei Stefan Kölliker und den zweiten Kandidaten in den Vordergrund stellen. Stefan Kölliker kennt man nach über zehn Jahren in der Regierung sehr gut, ihn müsste man nicht so stark bewerben, wie man mich müsste.

Der zweite Kandidat könnte aber von Stefan Kölliker profitieren?

Stefan Kölliker ist schon lange im Amt und hat in den vergangenen Jahren einige grosse Projekte sehr gut umgesetzt. Seine Wiederwahl dürfte nicht allzu schwierig sein. Er ist bekannt und etabliert. Es würde mich sehr freuen, wenn ich mit ihm zusammen den Wahlkampf bestreiten könnte.

Sie sind bereits als SVP Kantonsrat für den Wahlkreis Toggenburg nominiert. Wie würden Sie beide Wahlkämpfe unter einen Hut bringen?

Da gibt es sicher Parallelen, weil ich so oder so im Toggenburg Präsenz zeige. Der Wahlkampf würde viel intensiver, aber das haben andere ebenfalls geschafft.

Neben Ihrer Selbstständigkeit schreiben Sie Ihre Doktorarbeit. Was würde im Falle einer Wahl damit passieren?

Ich habe den Abschluss der Doktorarbeit über einen längeren Zeitraum geplant. Aber in diesem Fall wäre mein Ziel, bis zum Amtsantritt damit fertig zu sein. Es wäre realistisch, gäbe aber einen gesunden Druck.

Zur Person

Ivan Louis, SVP-Regierungskandidat
Ivan Louis, SVP-Regierungskandidat
Ivan Louis, Jahrgang 1990, ist Nesslauer. Seit 2015 ist er als Vertreter der SVP im Kantonsrat. Bereits 2017 wurde er als Kantonsratspräsident der «höchste» St. Galler. Er setzt sich stark fürs Toggenburg ein, zuletzt erfolgreich für den Baukredit für den Neubau des Campus in Wattwil. Bereits in seiner Kantizeit in Wattwil gründete Ivan Louis sein erstes Unternehmen. Er studierte an der Universität St.Gallen Recht und Wirtschaft und schreibt derzeit an seiner Doktorarbeit. (sas)

Haben Sie sich schon überlegt, welches Departement Ihnen am meisten zusagen würde?

Die amtsälteren Regierungsmitglieder können ihr Departement zuerst auswählen und die jüngeren müssen die nehmen, die noch übrig bleiben. Ich könnte mir jedes Departement vorstellen, die Einarbeitungszeit wäre aber unterschiedlich lange.

Wo hätten Sie aufgrund Ihrer Arbeit im Kantonsrat einen Vorsprung?

Ich sass in mehreren Kommissionen aus dem Bildungsdepartement, habe aber als Mitglied der Rechtspflegekommission und als Jurist auch eine gewisse Nähe zum Sicherheits- und Justizdepartement. Dort wäre die Einarbeitungszeit sicher kürzer als bei anderen Departementen.

Wie attraktiv wäre das Gesundheitsdepartement für Sie?

Die aktuelle Diskussion um Spitalstandorte ist sicher eine Herausforderung.

Wenn jetzt jemand antritt, der sich vehement für die Erhaltung der neun Spitalstandorte einsetzt, dann aber die Strategie mit vier Standorten vertreten müsste, wäre das nicht die richtige Person an der Spitze des Gesundheitsdepartements.

Da wäre jemand besser geeignet, der schon im Wahlkampf die Stossrichtung der Strategie unterstützt.

Und wenn gerade Sie dem Spital Wattwil den Todesstoss geben müssten …

… dann wäre das so. Diese Entscheide werden von Regierung und Parlament noch in der aktuellen Zusammensetzung gefällt. Es wäre aber sicher ein Vorteil, wenn der neue Gesundheitsdirektor dieser Strategie nicht negativ gegenübersteht.

Was wäre, wenn die SVP-Delegierten bei der Nomination Michael Götte den Vorzug geben würden?

Dann werde ich in seinem Wahlstab mitarbeiten. Die SVP braucht einen zweiten Sitz in der Regierung.

Und umgekehrt?

Ich vermute auch, ja.

Er wäre nicht böse auf Sie?

Nein, ich denke nicht. Er hat es auch stets unterstützt, dass wir den Delegierten eine Auswahl geben um den zweiten Platz auf dem Kandidatenticket. Ich sehe das nicht als selbstverständlich an.

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