Referent Beno Kehl begeistert die Teilnehmerinnen der Bäuerinnentagung in Mogelsberg

Die Bäuerinnentagung von neun Vereinigungen in Mogelsberg stand unter dem Thema «Folge deinem Herzen – es kennt den Weg». Der ehemalige Franziskaner Beno Kehl war Gastreferent und erzählte von seinen Entscheidungen.

Cecilia Hess-Lombriser
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Gastreferent Beno Kehl erzählte an der Tagung aus seinem bewegten Leben. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Gastreferent Beno Kehl erzählte an der Tagung aus seinem bewegten Leben. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Vom Eingang der Turnhalle Mogelsberg bis zur Torte war am Mittwochnachmittag alles mit Herzen dekoriert. Es ist bekannt, dass sich die organisierenden Bäuerinnenvereinigungen für die jährliche Bäuerinnentagung kreativ und fantasievoll zeigen. Dieses Mal war es die Bäuerinnenvereinigung Nassen mit ihrer Präsidentin Marianne Bösch, die die Fäden in der Hand hatte.

Mit dem Bürinnechörli, das durch das Starduett mit Trauffer in der Sendung «Happy Day» nationalen Bekanntheitsgrad gewonnen hat, war ein Teil des Rahmenprogramms gesetzt und mit Schauspielerinnen in den eigenen Reihen gab es einen Sketch, der zum Thema passte. Es war ein beherzter Nachmittag.

Aufs Herz hören und tolerant sein

Die Herzen der Besucherinnen gingen bereits am Eingang auf. Die Dekoration reichte von ausgesägten Herzen über Dutzende von genähten Stoffherzen an einem Gestell bis zum Riesenherz auf der Bühne. Herzen beherrschten die Tischdekoration. Das Ländlertrio Höttä-Gruäss spielte bis zur Tagungseröffnung und zwischendurch. Das Bürinnechörli eröffnete mit dem Nassnerlied, derweil sich Nassen in Bildern von seinen besten Seiten zeigte.

Das Bürinnechörli eröffnet mit einem Lied. Marianne Bösch in der Tracht ist die Präsidentin der Bäuerinnenvereinigung. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Das Bürinnechörli eröffnet mit einem Lied. Marianne Bösch in der Tracht ist die Präsidentin der Bäuerinnenvereinigung. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Gemeindepräsidentin Vreni Wild brauchte die Gemeinde Neckertal nicht vorzustellen, warb jedoch dafür, dem Herzen zu folgen. Das sei auch ihr Rezept gewesen, als sie ihr Amt angetreten hatte. Erwartungen und Meinungen habe es genug gegeben. Sie erinnerte daran, wie früher kommuniziert wurde und wie es heute läuft, ohne zu werten. Aufs Herz zu hören und tolerant zu sein könne im direkten Kontakt hilfreich sein. Vorstandsmitglied Helen Zehnder vom Kantonalen Bäuerinnenverband St. Gallen informierte aus dem Verband und machte auf das Thema an der Olma im Rahmen von «Erlebnis Nahrung» aufmerksam: «Ei und Huhn.»

Hinweise bemerken und annehmen

Beno Kehl war wohl der bekannteste Franziskaner der Schweiz. Er war «Bruder Beno» und hatte vor 30 Jahren Drogenabhängige auf dem Platzspitz betreut. Seit dem Austritt aus dem Franziskanerorden und seiner Heirat setzt er im «Haus Zueflucht» in Zürich seine Arbeit fort. Im November 2018 wurde er mit dem Jonas-Furrer-Preis ausgezeichnet.

Dieser Beno Kehl, der etwas Unbekümmertes an sich hat und den Nerv hatte, seinen Vortrag erst in Mogelsberg fertigzustellen, stellte sich auf die Bühne, fing an zu erzählen und zog die Frauen im Saal im Nu in seinen Bann. Er erzählte von sich, von seinem Weg zum Erwachsenen, der als 12-Jähriger begann, als eine Nachbarin starb. Er erkannte: «Wir sind sterblich und auch mein Leben ist begrenzt.» Fragen tauchten auf, er wurde ein Suchender, bekam den Hinweis, in der Bibel zu lesen, verstand wenig. «Was du verstehst, lebe; was nicht, nimm als Gebet», erhielt er als weiteren Rat.

Beno Kehl erzählte, wie er immer seinem Herzen gefolgt sei und dies aus der Liebe heraus. Er hat Gott nur als liebenden Gott anerkannt und er ist den Weg des Vertrauens, der Liebe und des Herzens weiter gegangen. «Die Botschaften von Gott kommen in Hinweisen, in einem Buch, einem Wesen, einer Begegnung», hat er erfahren. Er hat diese Hinweise bemerkt und angenommen.

Auf diesem Weg des Herzens ist Beno Kohl ins Kloster eingetreten, hat gearbeitet, meditiert, hat sich nach Afrika und Kanada senden lassen, Wertvolles entstehen lassen und das gemacht, was er wollte – aus der Liebe heraus. «Wer mit Gott redet, ist mit dem eigenen Wesen in Kontakt.»

Das Leben ist eine Entwicklungsspirale

Irgendwann war das Klosterleben erfüllt. Beno Kehl hat erkannt, dass er in eine andere Realität treten muss. Da war er schon Imker, die Bienen waren ihm Lehrmeisterinnen. Er findet in der Schöpfung Gottes Spuren. Heute ist er verheiratet, Vater von zwei Kindern und er kümmert sich immer noch um Menschen auf der Gasse, arbeitet als freier Seelsorger, hält Vorträge. Er erkennt sein Leben als Entwicklungsspirale. «Wer dem Herzen folgt, steigt in diese Reifungsspirale ein. Das Sein, das ureigene Wesen, bleibt, anderes verändert sich. Es muss Bilanz gezogen und Entscheidungen getroffen werden», fasste er seine Erfahrungen zusammen. Er ist froh um die Erfahrung Liebe und Familie. «Die Familie ist ein enormer Reifungsprozess.»

Die jüngste Eingebung ist, den «Garten Eden» in die Schweiz zu bringen, weil er gemerkt hat, dass die Bienen verhungern. Er hat begonnen zu gärtnern, andere dafür zu begeistern und ein Umdenken angestossen. Und, er möchte sich in die Landwirtschaft vertiefen, um Zusammenhänge besser zu verstehen.