Rauchen und loslassen: Nesslauer schnitzt seine eigenen Pfeifen

Thomas Scherrer raucht gern Pfeife. Er schnitzt sich aus Baumheide seine eigenen und verkauft auch Exemplare.

Adi Lippuner
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Das Anzünden seiner Tabakpfeife ist für Thomas Scherrer ein geliebtes Ritual.

Das Anzünden seiner Tabakpfeife ist für Thomas Scherrer ein geliebtes Ritual.

Bild: Adi Lippuner

Schon als kleiner Bub hat der im Nesslauer Dicken aufgewachsene Thomas Scherrer Pfeifen rauchende Männer bewundert. «Ich schaute mir diese genau an und wollte dies möglichst bald auch selbst versuchen. Der Duft des Tabaks und die Ruhe, welche Pfeifenraucher ausstrahlen, hat mich fasziniert.»

Sein erster Schritt, um selbst Pfeife rauchen zu können, war der Versuch, eine solche aus einer Haselstaude zu schnitzen, wie er bei einem Besuch in seiner Werkstatt erklärt. «Eigentlich hätte ich mein Erstlingswerk aufbewahren sollen, aber das war seinerzeit nicht so wichtig.» Die erste richtige Pfeife erwarb der heute 36-jährige Toggenburger mit 18 Jahren in einem Tabakfachgeschäft. «Ich weiss noch genau, dass es eine maschinell hergestellte Pfeife war, die 90 Franken gekostet hat.»

Grundstein im Ballenberg gelegt

Vor fünf Jahren begann Thomas Scherrer, sich schrittweise mit der Herstellung von Tabakpfeifen zu beschäftigen. «Wie heute üblich, begann ich mich im Internet schlauzumachen und stiess schon bald auf Roman Peter aus Affoltern am Albis.» Das Kursangebot im Ballenberg, Berner Oberland, kam Thomas Scherrer gelegen. Er lernte dort unter kundiger Anleitung von Roman Peter Schritt für Schritt, wie eine Tabakpfeife hergestellt wird.

«Allerdings war das eine Grundinformation, die Feinheiten und die Tricks rund um die einzelnen Arbeitsschritte musste ich mir dann selbst beibringen.» Er schätze sich glücklich, dass er immer wieder bei Roman Peter nachfragen dürfe, «denn die meisten Kursteilnehmer befassen sich einmal mit dem Thema und legen dann das Ganze wieder auf die Seite.»

Baumheide seit Jahrhunderten wichtig für die Herstellung

Nicht so Thomas Scherrer. Er suchte in der ganzen Schweiz nach passenden Maschinen, die er zur Herstellung der Tabakpfeifen verwenden kann. Auch eine Reise nach Italien wurde geplant. Dort suchte er den Kontakt in einer Sägerei, die das Holz der Baumheide, besser bekannt unter der Bezeichnung Bruyère, verarbeitet. «Diese Holzart hat schon seit Jahrhunderten eine grosse Bedeutung für die Herstellung von Tabakpfeifen», weiss der Nesslauer Pfeifenmacher.

Bruyère sei wegen der im Holz enthaltenden mineralischen Ablagerungen im Innern sehr hart und auch gut hitzeresistent. Und trotzdem liege das Gewicht nur im mittleren Bereich. «Zudem ist das getrocknete Holz gut zu bearbeiten, lässt sich polieren und erhält einen feinen Glanz.»

Jedes Stück ein Unikat

Jede Tabakpfeife, die unter den geschickten Händen von Thomas Scherrer entsteht, ist Schritt für Schritt von Hand gefertigt. «Pro Stück wende ich rund acht bis zehn Stunden auf, muss doch der Holzrohling vom Raspeln über Feilen bis Schleifen mit immer feiner werdender Körnung bis hin zum Polieren mehrfach bearbeitet werden.»

Für das Mundstück verwendet Thomas Scherrer Ebonit, ein Hartgummi, den er aus einer Manufaktur in Deutschland bezieht. «Diese handgefertigten Mundstücke sind beissfreundlicher als Kunststoff, verfärben sich aber im Laufe der Zeit. So muss jeder Pfeifenfreund entscheiden, ob er sich für ein Ebonit- oder ein Kunststoffmundstück entscheidet.» Verkauft werden die Einzelstücke ab Werkstatt in Nesslau.

Alles braucht seine Zeit

Zur Tätigkeit in der Pfeifenmacher-Werkstatt gehört für Thomas Scherrer auch, dass er sich selbst eine Pfeife stopft.

«Die Auswahl der passenden Pfeife, der Entscheid für den Tabak, dann das Stopfen und Anzünden, alles braucht seine Zeit und so komme ich schon vor dem ersten Zug zur Ruhe.»

Und während des Rauchens geniesse er das gute Gefühl, das los lassen vom Alltag und das Eintauchen in die Gegenwart. Und genau diese Kombination, selbst eine Pfeife zu rauchen und sich dabei handwerklich zu betätigen, mache die Faszination dieses Hobbys aus.

Scherrer wollte schon immer handwerklich arbeiten

Schon früh war für Thomas Scherrer klar, dass er einen handwerklichen Beruf erlernen will. «Am liebsten etwas mit Holz.» So wurde er Möbelschreiner und arbeitet heute als Service-Monteur in der ganzen Deutschschweiz. «Tagsüber die Hektik beim Unterwegssein und abends dann die Zeit mit der Familie oder die Ruhe in der Werkstatt. Das ist für mich eine ideale Kombination.»

Im Jahr 2011 konnte der Nesslauer sein Elternhaus kaufen, ein Jahr später wurde das damalige Gebäude abgebrochen und neu erstellt. Zusammen mit seiner Familie, Ehefrau Priska und den beiden Töchtern Aline und Laura, geniesst er die Vorzüge des ruhig gelegenen Eigenheims. «Wir leben am Dorfrand und sind doch nahe beim Zentrum.»

Ein Mitglied im Trio Eidgenossen

Ein weiteres, ebenfalls ziemlich Zeit aufwendiges Hobby ist das Mittun in der Ländlerformation Mosi-Musig, Ingenbohl-Brunnen. Dort ist der Nesslauer einer der drei Schwyzerörgelispieler. Auch beim Trio Eidgenossen, einer Toggenburger Formation, macht Thomas Scherer mit. «Alles zusammen verlangt gute Planung, aber dank dem Rückhalt in der Familie funktioniert es.» Allerdings habe er aktuell wegen der Coronakrise vermehrt Zeit für das Herstellen der Tabakpfeifen und verbringe Zeit mit der Familie.