Raiffeisen Unteres Toggenburg diskutiert Fusion mit Raiffeisenbank Neckertal

An der Generalversammlung vom 8. März in Bütschwil und Mosnang stellten sich die Genossenschafter der Raiffeisen Unteres Toggenburg geschlossen hinter ihre Bank. Auch die mögliche Fusion mit der Raiffeisenbank Neckertal war Thema.

Sascha Erni
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696 Stimmberechtigte standen in Bütschwil einstimmig hinter ihrer Bank. (Bild: Sascha Erni)

696 Stimmberechtigte standen in Bütschwil einstimmig hinter ihrer Bank. (Bild: Sascha Erni)

Fast 1000 Genossenschafterinnen und Genossenschafter fanden sich am Freitag in Bütschwil und Mosnang zur Generalversammlung der Raiffeisenbank Unteres Toggenburg ein. Die beiden Säle waren mit einer Liveschaltung verbunden, die Stimmberechtigten handelten alle Punkte der Traktandenliste in Echtzeit ab. Viel zu diskutieren gab es allerdings nicht: Die Generalversammlung ging nach etwas über einer Stunde zum geselligen Teil des Abends über. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man das für die Raiffeisen-Gruppe turbulente Jahr 2018 in Betracht zieht.

Zurück zur Bescheidenheit

Auch Verwaltungsratspräsident Adrian Gmür thematisierte in seiner Ansprache den Fall Vincenz und die damit verbundenen Verwerfungen, welche die Raiffeisen-Gruppe noch immer beschäftigen. Das Jahr 2018 sei eines der anspruchsvollsten der Raiffeisen-Geschichte gewesen, sagte er. Die Strukturen und Kontrollen hätten nicht mit dem Wachstum der Gruppe mithalten können. Denn bei allen Negativschlagzeilen dürfe man nicht ignorieren, dass Raiffeisen operativ sehr erfolgreich unterwegs gewesen sei.

Verwaltungsratspräsident Adrian Gmür führte durch den Abend. (Bild: Sascha Erni)

Verwaltungsratspräsident Adrian Gmür führte durch den Abend. (Bild: Sascha Erni)

Der Erfolg im Zinsgeschäft steigerte sich etwa bei der Raiffeisenbank Unteres Toggenburg um rund 3,5 Prozent, die Kundenausleihungen sind um gut 6 Prozent gewachsen. Gmür versprach, dass Behebungsarbeiten für die Fehler der vergangenen Jahre auf Hochtouren laufen. «Ich behaupte, dass Raiffeisen als Institution aus den Fehlern gelernt hat.» Persönlich habe er den Eindruck, dass bei Raiffeisen Schweiz ein neuer Wind wehe: «Bodenständigkeit und Bescheidenheit haben wieder Einzug gehalten.»

«Bank lebt vom Zinsertrag»

Im Anschluss ging Markus Thalmann, Vorsitzender der Bankleitung, im Detail auf das Geschäftsjahr 2018 ein. «Unsere Bank lebt vom Zinsertrag, er macht fast 90 Prozent des Gesamtertrags aus», erläuterte Thalmann. Das entspricht 7,76 Millionen Franken, der Rest stammt aus dem Dienstleistungsgeschäft. Gegenüber dem Vorjahr hat der Personalaufwand um 11 Prozent auf 2,5 Millionen Franken angezogen, der Sachaufwand um 12 Prozent auf 1,96 Millionen.

Der Vorsitzende der Bankleitung, Markus Thalmann, erläuterte die Geschäftszahlen. (Bild: Sascha Erni)

Der Vorsitzende der Bankleitung, Markus Thalmann, erläuterte die Geschäftszahlen. (Bild: Sascha Erni)

Nach Zuweisung von 2,2 Millionen Franken in die Reserven sowie nach Steuer-Abgrenzungen von 570'000 Franken verbleibt so ein Jahresgewinn von 1,3 Millionen Franken. Davon setzt die Raiffeisenbank Unteres Toggenburg 70'000 Franken für die Verzinsung der Genossenschaftsanteile ein. Die Bilanzsumme erhöht sich um 40 auf 726 Millionen Franken.

Zusammenschluss in Vorbereitung

Bei den Abstimmungen gab es keine Überraschungen. Die 953 anwesenden Stimmberechtigten, 696 davon in Bütschwil, nahmen sämtliche Anträge des Verwaltungsrats einstimmig und ohne Enthaltungen an. Auch zur Wahl der Revisionsstelle gab es keine Gegenstimmen; Pricewaterhouse Coopers AG behält den Auftrag für die Geschäftsjahre 2019 und 2020 – zwei statt der üblichen drei Jahre, weil die Amtsdauer für die gesamte Raiffeisen-Gruppe vereinheitlicht und das Revisionsmandat aufs Geschäftsjahr 2021 neu ausgeschrieben wird, erklärte Adrian Gmür.

Zum Schluss berichtete Gmür über den geplanten Zusammenschluss der Raiffeisenbanken Unteres Toggenburg und Neckertal. «Es ist keine Übernahme, sondern ein Zusammenschluss auf Augenhöhe», wie er sagte. Es seien keine fusionsbedingten Entlassungen oder Standort-Schliessungen vorgesehen. Viel mehr stünde das Kundenbedürfnis im Zentrum. «Einfachere Geschäfte werden von Automaten erledigt. Aber die Beratung wird anspruchsvoller und auch interessanter werden», wie er sagte. Dies verlange nach zunehmend spezialisierten Kundenberaterinnen und -beratern. «Die können sich kleinere Banken nicht leisten», so Gmür. Die Vorarbeiten für den Zusammenschluss zur «Raiffeisenbank Unteres Toggenburg – Neckertal» sind noch im Gange, das nächste Update zum Stand der Dinge ist für den Herbst geplant.

Das letzte Wort über die geplante Fusion haben dann die Genossenschafter an der Generalversammlung. «Tragen Sie sich schon mal den 3. April 2020 ein», sagte Gmür.