Quereinsteiger oder Auswärtiger? Das Ebnat-Kappler Stimmvolk hat die Qual der Wahl

Jon Fadri Huder und Christian Schmid, die Anwärter für das Ebnat-Kappler Gemeindepräsidium, präsentierten sich an einem Podium auf eigene Art und Weise als Aussenseiter.

Sascha Erni
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Viel gemeinsam, aber trotzdem unterschiedlich: Jon Fadri Huder (links) und Christian Schmid diskutierten unter der Moderation von Ruben Schönenberger.

Viel gemeinsam, aber trotzdem unterschiedlich: Jon Fadri Huder (links) und Christian Schmid diskutierten unter der Moderation von Ruben Schönenberger.

Bild: Sascha Erni

Gedränge im Sicherheitsabstand, so könnte man die Minuten vor der Eröffnung des Wahlpodiums in Ebnat-Kappel zusammenfassen. Gut 150 Interessierte füllten die Turnhalle Schafbüchel, in zusammengehörigen Grüppchen nahmen sie auf den grosszügig verteilten Stühlen Platz.

Eigentlich hatte sich die Findungskommission der Ortsparteien für den Bündner Jon Fadri Huder entschieden, aber dann stieg auch FDP-Ortsparteipräsident Christian Schmid ins Rennen um die Nachfolge von Christian Spoerlé ein.

Schmid setzt auf Kooperation, Huder auf das Dörfliche

Das Podium vom Montagabend gab den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, die zwei persönlich kennen zu lernen – den «Lokalmatador» und Quereinsteiger Christian Schmid auf politischer Ebene, und Jon Fadri Huder, den noch amtierenden Gemeindepräsidenten von Samedan, ganz allgemein.

Moderiert von Ruben Schönenberger präsentierten sich die zwei Kandidaten in einer gut 45-minütigen Debatte als gleichwertige Optionen, die sich rein sachlich weder bei Fragen zum kommunalen Richtplan, Gesundheitswesen noch der Standortförderung wesentlich unterschieden. Aber im Ansatz verfolgen sie doch eigene Strategien.

Während in Christian Schmids Ausführungen Kooperation und regionales Denken wichtige Rollen spielten, setzte Jon Fadri Huder am Montagabend den Fokus mehr auf den Menschen vor Ort und das Dörfliche.

Unabhängigkeit schützt vor Interessenkonflikten

Eingangs hatte Ruben Schönenberger den wohl umstrittensten Punkt in dieser Wahl aufgegriffen: Wie wichtig ist es, dass ein Gemeindepräsident «sein» Dorf in- und auswendig kennt, weil er schon immer hier gelebt hat?

Jon Fadri Huder ist bisher Gemeindepräsident in Samedan.

Jon Fadri Huder ist bisher Gemeindepräsident in Samedan.

Bild: Sascha Erni
«Ich habe mir schon vor zwei Jahren gesagt, ich möchte einmal an einem Ort Gemeindepräsident sein, wo mich keiner kennt»

Das antwortete Jon Fadri Huder. Denn es käme vor, dass man im Konflikt zwischen Freundeskreis und Amt stehe, etwa dann, wenn es um Baubewilligungen geht.

Er wäre in Samedan immer strikt geblieben, aber hätte auch gelernt, wer wirklich als Freund taugt und wer nur Verbindungen ausnutzen wollte. Die Unabhängigkeit als Auswärtiger schütze vor Interessenkonflikten.

Bestehende Vernetzungen helfen beim Start

Verständlicherweise ganz anders sah das der Ebnat-Kappeler Christian Schmid, der den Vorteil bestehender Vernetzungen betonte: «So kann man von Anfang an etwas bewegen, ohne erst alles neu kennen lernen zu müssen.»

Christian Schmid hat den grössten Teil seines Leben in Ebnat-Kappel gelebt.

Christian Schmid hat den grössten Teil seines Leben in Ebnat-Kappel gelebt.

Bild: Sascha Erni

Er erwarte von einem Gemeindepräsidenten ein Engagement, das weit über kommunale Verwaltungsaufgaben gehe und bei Fragen etwa zur Spitalstrategie des Kantons auch regional wirke. Deshalb sei es nicht so entscheidend, dass er bisher nie in einer Verwaltung gearbeitet habe.

«Das ist kein normaler Job, in dem man wie als Banker von der Raiffeisenbank zur Kantonalbank wechselt.»

Der Gemeindepräsident sei auch so etwas wie der Vermarkter des Dorfes, nicht nur ein reiner Verwaltungsangestellter.

Jon Fadri Huder wiederum erwiderte, dass man die Abläufe in einer Verwaltung aber kennen und beherrschen muss, wenn man auch tatsächlich etwas erreichen möchte. Beide Kandidaten präsentierten ihre Argumente und Sichtweisen direkt und unverblümt, liessen sich kaum aus der Ruhe bringen und ernteten zum Schluss gleichermassen Applaus.

Beide zeigen viel Herzblut fürs Dorf

Für Schmid wie Huder ist es zentral, dass Ebnat-Kappel an Attraktivität für Zuzüger gewinnt, aber seinen Charakter behalten soll – eine gesunde Mischung sowohl aus Wohn- als auch Industriegemeinde. Entscheidender für die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ist der «Stil» der beiden Kandidaten, die Art und Weise also, wie sie ihre Ziele erreichen wollen.

Wer einen gut vernetzten Präsidenten schätzt, der sich seit Jahrzehnten beruflich und privat in der Region einbringt, dürfte zu Christian Schmid greifen. Wem ein umfangreicher fachlicher Leistungsausweis und fundiertes Know-how in Verwaltungsaufgaben wichtiger sind, eher zu Jon Fadri Huder.

Enthusiasmus und Herzblut für den Job bringen jedenfalls beide mit, spürte man in der Schafbüchel-Halle. Und ob dann der Quereinsteiger oder der Auswärtige die Wahl gewinnt: Der kommende Gemeindepräsident von Ebnat-Kappel wird so oder so mit einem neuen Blickwinkel frischen Wind ins Dorf bringen.

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