Punkrock im Kindergarten: Dominic Deville trat im Zeltainer auf

Der Kabarettist Dominic Deville berichtet im Zeltainer in Unterwasser von einer pädagogisch wertvollen Plüschsau mit Riesengebiss. «Pogo im Kindergarten» heisst sein Programm.

Rolf Hürzeler
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Dominic Deville trat im Zeltainer auf.

Dominic Deville trat im Zeltainer auf.

Bild: Mali Lazell

Jeder hat sein Kindheitstrauma. Der Kabarettist Dominic Deville leidet unter einer Zahnphobie, weil ihn seine Mutter zu früh abstillte – «so etwa nach einer halben Stunde». Sie versorgte ihn mit Süssgetränken, bis seine Zähne schwarz wurden.

Unter dieser traumatischen Erfahrung litt er später im Kindergarten, nicht als Kleiner, sondern als Lehrperson. Denn Deville war vor seiner Bühnenlaufbahn ein «Chindsgi»-Pädagoge und musste den Zöglingen anhand einer Plüschsau mit eingenähtem Riesengebiss das Zähneputzen beibringen – mit chaotischem Ausgang.

Heute ist Deville der letzte Comedian des Schweizer Fernsehens mit einer eigenen Show und trat nun am Samstagabend im Zeltainer in Unterwasser mit seiner Ein-Mann-Show «Pogo im Kindergarten» auf. Er inszenierte den Abend als eine fiktive Verkaufsshow seines gleich lautenden Bestsellers, in dem er von seinen pädagogischen Erfahrungen und seinen Erlebnissen als Punkrocker berichtet. Deville kann für sich die kulturhistorische Leistung beanspruchen, als erster den Punkrock in den Kindergarten gebracht zu haben.

Das Publikum muss selbst zu Ende denken

Dominic Deville inszenierte seinen Auftritt als Verkaufsshow seines eigenen Buchs.

Dominic Deville inszenierte seinen Auftritt als Verkaufsshow seines eigenen Buchs.

Bild. Rolf Hürzeler (Unterwasser, 12. September 2020)

Auf der Bühne quasselt er ununterbrochen, kein stilles Wasser also, aber mitunter gründet er tief. Ähnlich wie seinerzeit Harald Schmidt in der ARD-Late-Night-Show tönt Deville einen absurden Gedanken oftmals nur an, um es dem Publikum zu überlassen, die Groteske selbst zu Ende zu denken.

Sein eigenes Buch hält Deville für sehr lesenswert. Besonders eine der ersten Seiten mit rund zehn Zeilen hat es ihm angetan, wo sich der Autor als brillanter Schreiber selber vorstellt. Das ist sein Verkaufsargument für ein belletristisches Meisterwerk, das im Lauf des Abends mal 12 Franken, dann wieder 25 Franken kostet. Er muss eine Familie mit zwei Kindern durchbringen, die derzeit im Freien schlafen, weil ihr Zimmer mit Stapeln unverkaufter Bücher verstellt ist.

Im Kindergarten wird alles gesammelt

Traditionell sind im Kindergarten eher Frauen als Männer tätig. Zu seinen Berufskolleginnen hat Deviille indes ein zwiespältiges Verhältnis: «Die sammeln alles, am liebsten haben sie ‹WC-Rölleli›.» Deville empfiehlt dem Publikum, statt der Entsorgungsstelle künftig den nächsten Kindergarten aufzusuchen, um alte Fernseher, ausrangiertes Küchengerät oder Altpapier zu entsorgen: «Sie verstauen alles gleich in einem Schrank, man könnte es ja einmal brauchen.»

Stellt sich die Frage, wie bringt man Kindergarten und Punkrock zusammen? Deville lässt in der Show immer wieder Rockmusik dröhnen, zum Beispiel von seiner Lieblingsband «Normahl», die auf einem Album mit zwei Akkorden auskommt, was die Kleinen nicht überfordert.

Plattenhüllen mit Leichen statt Teenager-Romane

Auch Bands, deren Plattenhüllen Leichen zieren, kommen bei den Kindergärtnern an: «Sie fliegen darauf.» In der Erfahrung von Deville jedenfalls viel mehr als die Teenager auf die Bücher der Jugend-Schriftstellerin Federica de Cesco: «Die schreibt von Mädchen auf Pferden, die an einem Strand reiten und einen roten Schal suchen…» Das geht nun gar nicht bei Devilles Punkrock-Kindergärtnern. Er sagt es und lässt zum Gaudi des Publikums wieder Akkorde krachen, dass es eine Art hat.