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Serie

Psychiater an Info-Veranstaltung in Wattwil zum Thema Demenz : «Es gibt Demenz, und es gibt Hilfe»

Am 14. März lud das Netzwerk Demenz Toggenburg zu einem sehr gut besuchten Informationsanlass im Kino Passerelle ein. Besonders der Vortrag des Psychiaters Stephan Goppel stimmte die Gäste nachdenklich.
Sascha Erni
Proppenvoller Kinosaal: Die erste Veranstaltung des Netzwerks Demenz Toggenburg zog viele Interessierte an. (Bild: Sascha Erni)

Proppenvoller Kinosaal: Die erste Veranstaltung des Netzwerks Demenz Toggenburg zog viele Interessierte an. (Bild: Sascha Erni)

Regula Kündig, Leiterin der Geschäftsstelle Alzheimer St.Gallen und beider Appenzell. (Bild: Sascha Erni)

Regula Kündig, Leiterin der Geschäftsstelle Alzheimer St.Gallen und beider Appenzell. (Bild: Sascha Erni)

«Ich stelle fest, mit Gesundheitsthemen füllt man Säle», sagte der Wattwiler Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner zur Eröffnung des Informationsanlasses «Wenn die Demenz den Alltag bestimmt». Am Donnerstagabend war im Kino Passerelle tatsächlich selbst der letzte Platz belegt, weitere Interessenten reihten sich an den Wänden auf. Eingeladen hatte das Netzwerk Demenz Toggenburg. Das Netzwerk möchte Angebote und Demenz-Dienstleistungen in der Region koordinieren und die Bevölkerung informieren, wie Regula Kündig als Leiterin der Geschäftsstelle Alzheimer St. Gallen und beider Appenzell erklärte.

Für diesen Abend konnte das Netzwerk den Wiler Psychiater Stephan Goppel als Referenten gewinnen. Im Anschluss an seinen Vortrag zeigte die Passerelle den deutschen Dokumentarfilm «Vergiss mein nicht».

Gedächtnisstörungen sind typisch

«Die zwei wichtigsten Punkte zuerst: Es gibt Demenz, und es gibt Hilfe», eröffnete Stephan Goppel sein Referat, das bei aller Kürze eine ungeheure Informationsfülle bot. Er führte aus, dass Demenz eine organische Erkrankung ist – «wie eine Leber- oder Nierenkrankheit». Entsprechend wichtig sei es, sich bei einem Demenzverdacht gründlich untersuchen zu lassen. Dazu seien einerseits die Memoryklinik in Wil, aber auch die Toggenburger Hausärzte gute Ansprechpartner. «Demenz lässt sich in Labortests nicht nachweisen», erklärte Goppel, «aber es lassen sich so andere Krankheiten ausschliessen.»

«Oft weiss man nicht, ob es eine Demenz oder gesunde Altersvergesslichkeit ist», sagte Psychiater Stephan Goppel dem gebannten Publikum. (Bild: Sascha Erni)

«Oft weiss man nicht, ob es eine Demenz oder gesunde Altersvergesslichkeit ist», sagte Psychiater Stephan Goppel dem gebannten Publikum. (Bild: Sascha Erni)

Im Besonderen ging der Psychiater an diesem Abend auf Anzeichen für eine mögliche Alzheimerkrankheit ein. Typischerweise beginne diese häufigste Form der Demenz mit Gedächtnisstörungen. Stephan Goppel führte aus:

«Wir leben dann in unseren alten Erinnerungen.»

Ebenfalls bereits früh käme es zu Orientierungsstörungen. Besonders oft sei die zeitliche Orientierung betroffen, etwa dann, wenn ein Patient morgens um drei Uhr Frühstück zubereiten möchte. Häufig leide auch die räumliche Orientierung: Betroffene würden sich beispielsweise bei einem Kurzurlaub im Hotel verirren.

Demenz als Angehörigenkrankheit

Diese Symptome könnten erste Anzeichen für eine leichte Demenz sein. Bei einer mittelschweren oder schweren Demenz käme eine Beeinträchtigung der so genannten Exekutivfunktionen hinzu: Menschen können sich dann die Reihenfolge bestimmter Abläufe nicht merken, zum Beispiel, wenn sie ein neues Computerprogramm nutzen sollen. Als letztes Symptom nannte Stephan Goppel die Verkümmerung der Sprache. Er sagte:

«Manche Demenzkranke verstummen vollständig.»

Es sei nicht unüblich, dass selbst eigentlich wortgewandte Menschen sich nur noch in kürzeren Sätzen und mit einem geschrumpften Vokabular mitteilen könnten.

«Demenz ist immer auch eine Angehörigenkrankheit», betonte Stephan Goppel zum Schluss. Denn es komme oft zu einer totalen Rollenverschiebung, wenn ein Ehepartner oder Elternteil plötzlich Dinge nicht mehr tun könne, die er oder sie früher als Aufgabe in der Beziehung erledigt hatte. Deshalb sei es so wichtig, dass bei Demenz immer auch die Angehörigen ein Thema sind. «Den Vortrag hätten wir vor fünfzehn Jahren gebraucht», meinte dann in der Pause auch eine Besucherin. Zu lange hätten sie als Ehepaar gar nicht verstanden, was passierte. Ihr Mann lebt nun seit drei Jahren im Pflegeheim.

Abschluss Demenz-Serie

In den letzten Wochen beleuchtete das «Toggenburger Tagblatt» das Thema Demenz in einer lockeren Serie. Dieser Artikel über eine öffentliche Informationsveranstaltung zum Thema Demenz bildet den Abschluss der Serie. (red)

7. Januar der Artikel «Die Sorgen einmal vergessen», am 31. Januar der Artikel «Nicht jede Demenz ist Alzheimer», am 14. Februar «Mitten aus dem Leben gerissen», am 19. Februar «Der lange Abschied» sowie am 12.März «Seelsorge für den Augenblick». (red)

Lesen Sie hier alle Beiträge der Demenz-Serie

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