Damals: Zum ersten Mal kein Regen in Libingen

Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

Drucken
Teilen
Einachser sind zwar etwas langsamer, aber zuverlässige Helfer in einer Gegend wie dem Toggenburg. (Bild: PD)

Einachser sind zwar etwas langsamer, aber zuverlässige Helfer in einer Gegend wie dem Toggenburg. (Bild: PD)

Vor 100 Jahren

12. Oktober: Wattwil. In der Presse macht gegenwärtig die Notiz die Runde, wonach in der Firma Heberlein & Cie. A.-G. ein Streik der Metallarbeiter bestehe. Zur Richtigstellung sei bemerkt, dass vor einigen Wochen 10 Arbeiter der Schlosserei, die übrigens den kleineren Teil des bezügl. Personals ausmachen, ihre Kollektiv-Kündigung einreichten. Diese wurde von der Firma angenommen, worauf die 10 Arbeiter nach Ablauf der Frist austraten. Von einem Streik kann also nicht die Rede sein.

16. Oktober: Zur Grippe-Epidemie: Durch Regierungsratsbeschluss vom Kanton St.Gallen sind die Gemeinden ermächtigt worden, wegen der herrschenden Grippe-Epidemie die offenen Gemeindeversammlungen durch Urnenabstimmungen zu ersetzen. Die Grippe tritt in Wattwil namentlich bei der Jugend auf. Die Schulen im Dorf weisen über 70 Absenzen auf. Es wird deshalb voraussichtlich zur Schliessung dieser Schulen kommen.

In Degersheim hat die Grippe zwei blühende, hoffnungsvolle Menschenleben als Opfer gefordert. Es sind dies Fräulein Grubenmann, 20 Jahre alt, sowie Herr Paul Ehrbar, Angestellter bei Zähner, Schiess & Co., Herisau. Beide hatten eine Lungenentzündung. Auch in Nassen starb Herr Keller an der Grippe, derselbe war nur einen Tag krank. Die Schulen sind geschlossen, da täglich neue Fälle auftreten. Nachdem die Grippe in Frankreich in den grossen Städten in Paris und Lyon wütet, greift sie nun auch in den Departements Savoyen und Hochsavoyen intensiv um sich. Die Schulen wurden geschlossen. Die Epidemie fordert zahlreiche Opfer unter der Jugend.

Vor 50 Jahren

11. Oktober: Wattwil. In der Gemeinde Wattwil steht ein altehrwürdiges Gebäude, die Turnhalle bei der Textilfachschule. Sie soll abgerissen werden. Nun hat sich der Heimatschutz eingeschaltet und wird die Turnhalle unter Denkmalschutz stellen. Die Textilfachschule will dieses Ereignis mit einer kleinen Zeremonie würdigen. Am Freitag, 11. Oktober 1968, 18.00 Uhr wird das neue Denkmal übergeben. Die Dorfvereine sind mit ihren Fahnen anwesend. Der Männerchor hat ebenfalls zugesagt.

11. Oktober: Stimmen aus dem Publikum (ohne Verantwortung der Redaktion). Gemeindewahlen 1968. Wiederum sind die Ämter der Gemeinden im mittleren Toggenburg für die nächsten vier Jahre besetzt, zum Teil durch Neuwahlen und grösstenteils durch Wiederwahlen. Betrüblich und nachdenklich stimmt es, dass die Einheitsliste der Parteien die Stimmbürger zur Resignation zwingt und Monotonie erzeugt. Der einzig mögliche Protest dagegen besteht darin, dass man zu Hause bleibt, leer einlegt oder für Vereinzelte stimmt. Die Demokratie erscheint unter diesen Umständen mehr als nur gefährdet. Haben sich die Herren Vorsitzenden der Parteien zu viel vorgenommen, oder fehlt eine neue Partei? Wer kann darauf eine Antwort geben?

Vor 20 Jahren

15. Oktober: Alt St.Johann. An der Generalversammlung wird die Zukunft des Ruestel-Skilifts diskutiert. Anstelle des Ruestel-Skilifts soll eine kuppelbare Vierersesselbahn erstellt werden. Die Sportanlagen Alt St. Johann AG möchten ihr Aktienkapital um 3,205 Millionen auf 4 Millionen Franken erhöhen. Die Erhöhung des Aktienkapitals soll mit der Ausgabe von 12820 neuen Inhaber-Aktien von je 250 Franken Nennwert angegangen werden.

Dabei müssen folgende Ausgabebedingungen erfüllt werden: Bisherige Aktionäre haben bis zum 30. November 1998 ein Bezugsrecht von vier neuen Inhaberaktien für eine alte Namenaktie zum Nominalwert von 250 Franken pro Aktie. Neue Aktionäre können ab 1. Dezember, unter Vorbehalt der Zuteilungsmöglichkeit durch den Verwaltungsrat, Inhaberaktien, eingeteilt in Zertifikate von zehn Aktien mit einem Agio von 10 Prozent, also für 2750 Franken, beziehen.

15. Oktober. Kirchberg. Gehört Kirchberg zum Toggenburg oder nicht? Kirchberg soll nach der neuen Verfassung nicht mehr dem Toggenburg zugehören. Eine Diskussion soll Aufschluss geben. Die heute geltende Verfassung des Kantons St.Gallen stammt aus dem Jahre 1890. Sie soll demnächst durch eine neue ersetzt werden. Derzeit liegt ein erster Verfassungsentwurf für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger zur Vernehmlassung und zur offenen Diskussion vor.

Die CVP der Gemeinde Kirchberg will sich an diesem Meinungsbildungsprozess beteiligen und dabei Stimmen und Stimmungen der Bürgerinnen und Bürger einfangen. Ziel ist es, aufzuzeigen, welche Bedeutung die Verfassungsrevision für Kirchberg und den Bezirk Alttoggenburg hat. Stichworte sind neben vielen anderen: Regionen statt Bezirke, Gemeindeautonomie, Bürgernähe der Verwaltung. Aufgezeigt werden soll speziell diese Problematik durch drei Kurzreferate von profunden Kennern der Materie. Die Bazenheider Kantonsrätin Margrit Stadler, Bezirksammann Kuno Hinrichs und Gemeindeammann und Kantonsrat Christoph Häne aus Kirchberg werden diese Aspekte beleuchten.

Vor 10 Jahren

15. Oktober: Libingen. Ein Motor, zwei Räder: Zum siebten Mal trafen sich Töffler und Einachser-Enthusiasten in Libingen zum Töff- und Einachsertreffen, und die Sonne schien. Das hatte es noch nie gegeben. Neben dem Festzelt gab es eine Wiese zu mähen, dann wurde gezettet, «gmädlet», aufgeladen oder Mini-Siloballen gepresst und zum Schluss Mist und Gülle ausgeführt.

Alles mit Einachsern, die teilweise mehr als 70 Jahre alt sind, bei herrlichem Herbstwetter und vor einer ansehnlichen Zuschauerkulisse. Die Einachser beweisen, dass sie mit einfacher, übersichtlicher Mechanik schon vor Jahrzehnten alles konnten, was moderne, weit teurere Landmaschinen heute besorgen – wenn auch in gemächlicherem Tempo und mit weit geringerer Flächenleistung.

16. Oktober: Wattwil. Kanti Wattwil auf Forschungsexpedition auf den Liparischen Inseln. Seit sieben Jahren besteht die Jugend­forschungsgruppe academia. Unter der Leitung des Rapperswiler Physikers Rolf Heeb betreiben die Kanti-Schüler in ihrer Freizeit naturwissenschaftliche Forschung. Das diesjährige Expeditionsziel war Lipari. Nicht nur die anstrengende Feldarbeit prägte die Stimmung, sondern auch das intensive Zusammenleben während 14 Tagen.

Gemeinsames Kochen, Essen, Spielen und Singen in den Abendstunden und ein lebhafter Gedankenaustausch bis spät in die Nacht gehören genauso zu einer gelungenen Expedition, wie auch hie und da einige Stunden Freizeit in den Gelaterias der Umgebung. Die zwei Wochen Forschungsarbeit auf Lipari und Vulcano haben eine Menge an wissenschaftlichen Daten und Materialien ergeben, die nun in den nächsten Monaten erst einmal sorgfältig analysiert werden müssen.