Lichtensteig

Potenzial entfalten und Ideen entwickeln: Lichtensteiger Zukunftsbureau startet ohne Einweihung

Gedanken spiegeln: Das erste «Zukunftsbureau» fand am Dienstag in Lichtensteig statt. Ziel des Angebots ist die Potenzialentfaltung und Ideenentwicklung. Beratungen finden keine statt.

Sascha Erni
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Stadtpräsident Mathias Müller (rechts) und Unternehmer Remo Rusca (links) begleiteten Fabienna Wobmann in der Kalberhalle bei der Ideenfindung.

Stadtpräsident Mathias Müller (rechts) und Unternehmer Remo Rusca (links) begleiteten Fabienna Wobmann in der Kalberhalle bei der Ideenfindung.

Bild: Sascha Erni

Das erste «Zukunftsbureau» der Region nahm am 5. Januar in der Kalberhalle in Lichtensteig seinen Betrieb auf. Menschen mit Ideen werden hier aktiv begleitet, auf Ratschläge wird aber bewusst verzichtet.

«Du kannst nicht aufs Vorjahr schauen, um zu wissen, was funktionieren könnte», erklärt Fabienna Wobmann. Die Unternehmerin führt seit wenigen Jahren die Floristik Laube in Lichtensteig, und wurde auch von der Coronapandemie getroffen. «Mir fehlt besonders die Laufkundschaft», sagt sie. Stadtpräsident Mathias Müller und Unternehmer Remo Rusca nicken. Im Verlaufe des gut einstündigen Gesprächs werden die beiden Fabienna Wobmann keine Ratschläge erteilen. Ideen und Massnahmen, wie die junge Floristin ihr Geschäft weiterentwickeln kann, erarbeitet sich diese selbst.

Keine Konkurrenz zum klassischen Consulting

Angedacht war das Zukunftsbureau Lichtensteig fürs Jahr 2020, die Pandemie hat aber auch dieses Projekt verzögert. Am 5. Januar starteten nun die Sprechstunden. Vertreter der Gemeinde Lichtensteig, des Vereins «Ort für Macher*innen» und des Rathauses für Kultur begleiten darin Menschen mit Ideen für Projekte oder für ein eigenes Geschäft – aber dienen nicht als Berater, sondern als Gesprächspartner und Gedankenspiegel (das «Toggenburger Tagblatt» berichtete). «Deshalb sprechen wir wann immer möglich zu zweit mit den Interessenten, damit wir nicht ins Beraten rutschen», erklärt Remo Rusca und lacht. «Es geht um Potenzialentfaltung und Ideenentwicklung, nicht um Consulting.»

Remo Rusca sieht das Zukunftsbüro als Labor und als Möglichkeitsraum. «Wir wollen und können keine Lösungen präsentieren. Wir wollen die Menschen begleiten, sodass sie selbst die Lösungen finden.» Fabienna Wobmann hat bereits in Vorgesprächen erste Ansätze gefunden und umgesetzt, an diesem Dienstagmorgen diskutiert sie in der Kalberhalle den Stand der Dinge. Es entstehen spontan neue Ideen, etwa die einer möglichen Kooperation für die Abnahme von älteren Blumengebinden. Remo Rusca und Mathias Müller stellen Fragen und erzählen von anderen, ähnlichen Ansätzen, die sie aus ihrem Umfeld kennen. Aber wie versprochen bleiben diese Einwürfe Ideen und werden nicht zu Ratschlägen.

Bezahlt wird, was es einem wert ist

Für die Gemeinde Lichtensteig sei das Zukunftsbureau ein Teil des Gesamtkonzepts zur Standortförderung, erläutert Mathias Müller. Als niederschwelliges Angebot diene es Menschen, die Projekte oder Geschäftsideen angehen wollen, als erste Anlaufstelle im Ort. So wolle die Gemeinde mehr Einwohner ins Städtchen ziehen, seien es nun Unternehmerinnen oder Unternehmer oder privat engagierte Menschen. «Wir müssen die Leute vom Wollen zum Machen bringen», wie er sagt. Bezahlt wird die neue Dienstleistung nach dem Motto «zahle das, was es dir wert war», ergänzt Remo Rusca. Auch so soll die Schwelle niedrig gehalten werden. «Wenn jemand am Anfang einer Idee steht, kann er kaum viel bezahlen. Aber vielleicht später, oder mit einem Leistungstausch.» Entsprechend engagieren sich auch die Begleiter des Zukunftsbureaus ehrenamtlich, können aber ihre Arbeitsstunden bei der Genossenschaft «Zeitgut Toggenburg» gutschreiben.

Über zwei Dutzend solcher Angebote

Die Idee, Zukunftsbureaus zu etablieren, entwickelte sich im Jahr 2019 in den Köpfen von Niki und Florian Wieser. Das erste entstand an ihrem Wohnort in Tuggen, Kanton Schwyz. Mittlerweile haben sich schweizweit und in Deutschland über zwei Dutzend dieser Angebote etablieren können. Die Zukunftsbureaus sind dabei eigenständig, mehr Teil einer Bewegung als einer Franchise. In Lichtensteig wird das Zukunftsbureau in der Kalberhalle vorerst jeden ersten Dienstag im Monat geöffnet haben, eine offizielle Eröffnungsfeier soll folgen, sobald es die Coronaschutzmassnahmen zulassen.

Hinweis Weitere Informationen über die Website www.zukunftsbureau.org/lichtensteig