Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Toggenburg: Über 2000 pornografische Bilder und Videos von Minderjährigen – Wirtschaftsprüfer soll 15 Jahre hinter Gitter

An verschiedenen Orten – unter anderem im Alttoggenburg – soll ein Schweizer pornografische Bilder und Videos dreier Mädchen aus Osteuropa angefertigt haben. Die Staatsanwaltschaft fordert 15 Jahre Gefängnis.
Martin Knoepfel
Zäune umranden das Gelände der Justizvollzugsanstalt Pöschwies. Der Angeklagte befindet sich seit Februar 2016 dort im vorzeitigen Strafvollzug. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Zäune umranden das Gelände der Justizvollzugsanstalt Pöschwies. Der Angeklagte befindet sich seit Februar 2016 dort im vorzeitigen Strafvollzug. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Der Angeklagte, ein St.Galler mit Jahrgang 1953, sitzt seit Februar 2016 im vorzeitigen Strafvollzug. Er ist von Beruf diplomierter Wirtschaftsprüfer, jetzt aber mittellos. Die Anklage wirft ihm vor, Sexfotos und -videos Minderjähriger angefertigt oder bestellt zu haben. Das «Toggenburger Tagblatt» hat in der Anklageschrift nachgezählt. Es geht demnach um mehr als 2000 Fotos und Videos. Für den Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.

Mädchen aus der Slowakei, Polen und der Ukraine fotografiert

Auf den Bildern und Filmen seien Mädchen im Alter von fünf bis zwölf Jahren zu sehen, die sich nackt oder wenig bekleidet zeigten. Die Kamera fokussiere auf den Vaginalbereich oder die Hinterbacken, die oft gespreizt seien. Das heisst es mehrmals. Mehrfach wird ebenfalls erwähnt, dass die Mädchen vor der Kamera durchsichtige Strumpfhosen oder Strumpfhosen, teilweise mit Ausschnitt im Vaginal- und Analbereich getragen hätten.

Die drei betroffenen Kinder stammen laut Anklageschrift aus der Slowakei, aus Polen und aus der Ukraine. Am häufigsten sind laut Anklageschrift die Mädchen aus der Slowakei und aus Polen auf den Bildern zu sehen, wobei die junge Polin ebenfalls häufig in Videos erscheint. Sie muss sich auch vor der Filmkamera selber befriedigen. Die Slowakin und die Ukrainerin haben laut Anklage Jahrgang 2002 und 2003. Die Polin ist mit Jahrgang 1996 die älteste des Trios.

Die Mutter ist bei den Aufnahmen jeweils dabei

Die Fotos und Videos fertigt der Angeklagte in den Jahren 2007 bis 2014 an verschiedenen Orten an, unter anderem im Alttoggenburg. Auch an anderen Orten in der Ostschweiz und in Paris fotografiert oder filmt der Angeklagte die Mädchen in erotischen Positionen. Weitere Aufnahmen entstehen in verschiedenen Städten Deutschlands, etwa in Rust, mutmasslich in der Nähe von Ulm und von Leipzig sowie in Bayern und im Raum Berlin, schreibt die Staatsanwältin. Gemäss der Anklageschrift lässt der Mann das Mädchen aus der Slowakei und dessen Mutter ab 2007 bis 2009 jeweils in die Ostschweiz, vor allem ins Toggenburg, kommen. Die Mutter ist bei den Aufnahmen dabei und hilft dem Angeklagten. Bei einer Fotoserie klammere sich das slowakische Mädchen Schutz suchend ans Bein der Mutter, heisst es in der Anklageschrift.

Behörden erhalten anonymen Hinweis

2011 erhält der Angeklagte per E-Mail ein Posingfoto des aus der Ukraine stammenden Mädchens. Speziell daran ist, dass er zu diesem Zeitpunkt in Breslau (Polen) in Untersuchungshaft sitzt. In den Jahren 2011 und 2012 fordert er – immer laut der Darstellung der Staatsanwältin – erotische Fotos des ukrainischen Mädchens und bietet der Mutter dafür Geld. Ab 2012 bis 2014 mailt ihm die Mutter mehr Bilder und Videos ihrer damals zehn bis zwölf Jahre alten Tochter. In Bildern und Videos posiert das Kind, sitzt in der Badewanne oder tanzt, jeweils nackt. Das schreibt die Staatsanwältin. Der Angeklagte gebe per E-Mail Anweisungen, wie die Fotos und Videos komponiert werden sollen.

Das Kind fotografiert ebenfalls – als sich seine Mutter für den Angeklagten auszieht und ihre Geschlechtsteile präsentiert. Im Zusammenhang mit dem ukrainischen Mädchen wird die Schändung nicht eingeklagt. Man findet in der Anklageschrift keinen Hinweis, dass der Angeklagte die ukrainische Mutter und ihre Tochter trifft. (mkn)

Staatsanwaltschaft in der Slowakei informiert

Als die Vorwürfe gegen den Angeklagten bekannt werden, weilt die Mutter des aus der Slowakei stammenden Kindes in ihrer Heimat. Das sagt die Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft St.Gallen, Beatrice Giger. Eine Auslieferung sei nicht möglich gewesen.

Die Staatsanwaltschaft St.Gallen habe die zuständige slowakische Staatsanwaltschaft über die Vorwürfe informiert. Man werde nach dem rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens in der Schweiz die slowakischen Behörden wahrscheinlich nochmals bitten, das Strafverfahren gegen die Mutter zu übernehmen, versichert Beatrice Giger.

Blutergüsse auf dem Oberkörper sichtbar

Der Mann habe die junge Polin sei «auf Gehorsam getrimmt», heisst es. Der Anklageschrift ist jedenfalls zu entnehmen, dass das Kind allein mit dem Angeklagten in Hotels in verschiedenen Orten in Deutschland weilt, wo es in sexuellen Posen und gegen seinen Willen fotografiert und gefilmt wird. Auf diversen Fotos sehe man Blutergüsse auf dem Oberkörper des Mädchens. Wer die Schuld an den Blutergüssen trägt, wird nicht gesagt. Auf späteren Videos wirke die junge Polin «abgelöscht», hält die Staatsanwältin fest. Die Polin reicht als einzige der mittlerweile erwachsenen Frauen Strafklage gegen den Mann ein und behält sich eine Zivilklage vor. Die Slowakin und die Ukrainerin haben darauf verzichtet. Bei der Ukrainerin ist nur eine letzte bekannte Adresse im Westen des Landes aufgeführt.

Zweimal mehrfache Schändung angeklagt

In einigen Fotoserien oder Videos lässt sich der Angeklagte laut Staatsanwältin vom Mädchen aus der Slowakei oder von der jungen Polin manuell oder oral befriedigen. Mehrmals wird erwähnt, dass die Kinder weinen – einmal heisst es sogar, das Kind aus der Slowakei weine haltlos. Laut Anklageschrift drehen die Kinder zum Beispiel den Kopf weg, halten die Hand vor den Mund, versuchen, sich zu wehren oder machen sonst deutlich, zum Beispiel verbal, dass sie nicht tun wollten, was von ihnen verlangt wird.

Der Mann sei sehr bestimmt aufgetreten, und die Mütter der Mädchen hätten sein Geld dringend benötigt. Auch sei der Angeklagte den Kindern körperlich überlegen gewesen, schreibt die Staatsanwältin. Die Mädchen könnten weder fliehen noch dem Missbrauch erfolgreich Widerstand entgegensetzen, wenn sie ohne Angehörige in einem fremden Land weilen, dessen Sprache sie zudem nicht verstünden. Der Tatbestand der Schändung (Artikel 191 Strafgesetzbuch /StGB)sei damit gegeben, schreibt die Staatsanwältin.

Staatsanwältin behält sich Antrag auf Massnahme vor

Dazu kommen die Vorwürfe der sexuellen Nötigung (Artikel 189 StGB), sexuelle Handlungen mit Kindern und die Anstiftung dazu (Artikel 187 StGB) sowie Pornografie (Artikel 197 StGB). Letzteres sei gegeben, da die Foto- und Videoaufnahmen auf diversen Computer-Festplatten gespeichert sind, die auf den Kanarischen Inseln sichergestellt werden. Alle Straftaten seien mehrfach begangen worden, heisst es in der Anklage. Die Staatsanwältin erachtet eine Gefängnisstrafe von 15 Jahren als angemessen und behält sich vor, eine Massnahme zu beantragen.

In der Anklageschrift erwähnt die Staatsanwältin, dass die Untersuchung ausserordentlich aufwendig gewesen sei. Sie beziffert die Untersuchungskosten auf 100'650 Franken. Der Anklageschrift ist eine lange Liste von Gegenständen beigefügt, die bei Haussuchungen in Rorschach, auf Gran Canaria und in der Slowakei sichergestellt werden. In dieser Liste sind unter anderem drei unterzeichnete Sklavinnen-Verträge erwähnt. Dazu kommen mehrere Festplatten, Personal-Computer, Tablets und Handys. Die Behörden stossen schliesslich auf zahlreiche Belege für Geldüberweisungen sowie auf Koffer mit Sex-Spielzeug und High-Heels. Die Aufzählung ist nicht vollständig.

Telefonüberwachung und Beschattung angeordnet

Ein anonymer Hinweis macht die Schweizer Behörden auf den Angeklagten aufmerksam. 2013 wird die Wohnung der slowakischen Mutter durchsucht. Dann zieht sich das Netz zusammen. Im Frühling 2014 beginnen eine Telefonüberwachung und die Beschattung des Angeklagten. Im Herbst durchsucht die Polizei Wohnungen, Häuser und Geschäftsräume im Toggenburg, in anderen Regionen der Ostschweiz und in Spanien. Im Herbst 2014 kommt der Mann in Untersuchungshaft, die verlängert wird.

Auf die Untersuchungshaft folgt der vorzeitige Strafvollzug. Dieser und die Untersuchungshaft dauern zusammen fast fünf Jahre. Wenn der Angeklagte schuldig gesprochen wird und 15 Jahre Gefängnis erhält, kann er damit rechnen, noch etwas mehr als fünf Jahre absitzen zu müssen, sofern er sich im Strafvollzug wohl verhält.

Welche Behörden für die Strafverfolgung zuständig sind, steht in der Strafprozessordnung. Die Gerichtsverhandlung in der ersten Instanz findet aus zwei Gründen in Lichtensteig statt. Zum einen soll der Angeklagte an verschiedenen Orten Verbrechen begangen haben. Zum andern werden die Taten, die am schwersten wiegen, im Toggenburg verübt. Am Mittwoch nächster Woche befasst sich das Kreisgericht Toggenburg mit dem Fall. (mkn)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.