Politiker und Lernende im Dialog – Wattwiler Berufsschule veranstaltet Politarena

Viele Schüler des BWZT sind zu jung, um im März zu wählen. Eine Politarena soll ihr Interesse trotzdem wecken.

Vera Minder
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Von links: Organisator und Moderator Christoph Thurnherr, Lukas Huber, Patrick Raschle, Andrea Abderhalden, Aline Geisser und Laura Bucher. Die Schüler des BWZT suchen auf ihren Smartphones nach den gezeigten Social-Media-Profilen der Kandidierenden.

Von links: Organisator und Moderator Christoph Thurnherr, Lukas Huber, Patrick Raschle, Andrea Abderhalden, Aline Geisser und Laura Bucher. Die Schüler des BWZT suchen auf ihren Smartphones nach den gezeigten Social-Media-Profilen der Kandidierenden.

Bild: Vera Minder

«Unser Hauptziel ist es, euch zu zeigen, dass Politik spannend, ja, sogar sehr spannend sein kann», eröffnete Christoph Thurnherr die Politarena im Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg. Der Lehrer organisierte am Montag erneut einen Austausch zwischen Politikern und Lernenden, dieses Mal anlässlich der bevorstehenden Kantonsratswahlen. Fünf Politikerinnen und Politiker wurden eingeladen: Lukas Huber (SVP), Aline Geisser (Grüne), Patrick Raschle (CVP), Laura Bucher (SP) und Andrea Abderhalden (FDP).

Social Media als Wahlkampfinstrument

Zwei Schüler starteten den Austausch dann mit einer Frage pro Gast. Dabei wurde ein Thema angesprochen, welches die Lernenden, von denen viele noch nicht 18 Jahre alt sind, trotzdem betrifft. Kann man politisieren, bevor man stimmberechtigt ist? Ja, fanden alle Kandidierenden, indem man mit unentschlossenen Menschen über aktuelle Fragen rede, könne man grossen Einfluss nehmen.

Die Kandidaten hatten je exakt drei Minuten Zeit, um ihre Social-Media-Kampagne zu präsentieren. Während die Zuschauer ihre Handys zückten, beamten die Kandidierenden ihre Instagram- und Facebook-Profilnamen an die Wand. Obwohl Huber von seinem interaktiven Online-Live-Podium auf Youtube erzählte und Abderhalden die Idee hinter ihren Instagrambildern erklärte, nutzte nur Bucher die Möglichkeit der visuellen Präsentation und zeigte einen ihrer Werbefilme.

Selfie mit den Schülern

Sowohl Bucher als auch Raschle hatten die Idee, ein Bild mit allen Kandidierenden und den Lernenden zu machen. Geisser zeigte sich in diesem Bereich eher unvorbereitet, sie führte die fehlende Social-Media-Präsenz der Grünen darauf zurück, dass sie in der Region nur vier Personen seien, der Altersdurchschnitt sehr hoch liege und sie persönlich sowieso auf der SP-Liste stehe. Dafür bewarb sie jedoch die Website «smartvote», welche die Kandidatenwahl erleichtere.

Danach wurde die aktuelle Klimafrage thematisiert. Wie erwartet gingen hier die Meinungen zwischen links und rechts stark auseinander. Während Bucher und Geisser für sofortige politische Massnahmen plädierten und die Ausmasse und Dringlichkeit des Problems betonten, zeigte Huber auf, dass die Schweiz nur für 0,1 Prozent des weltweiten CO2-Ausstosses verantwortlich sei. Auch wenn auf Nachfrage die Quelle zu dieser Zahl nicht gegeben werden konnte, widersprach keiner der Kandidierenden dem geringen Anteil. Sowohl Huber als auch Raschle wollen auf die Forschung setzen und sprachen sich gegen eine Verbotspolitik aus. Abderhalden präsentierte hingegen eine Taktik, die auf der Eigenverantwortung basiert, wie beispielsweise Recycling.

Zwischenparteiliche Diskussionen

Im letzten Block wurde das Feuer noch ein wenig angefacht. «Was kann meine Partei besser als die andere?», wurden die Kandidierenden gefragt. Dafür zogen sie je einen Umschlag mit dem Namen einer anderen Partei. Nach der Kritik durften die Angegriffenen immer eine kurze Antwort geben. Huber sagte über die SP, dass sie entgegen ihren Anfangszielen den Mittelstand nicht mehr repräsentiere, da alle Abgaben, für welche sie plädieren, die Arbeitnehmer träfen. Bucher antwortete hierauf, dass sie Politik für alle betriebe und dass, wenn es beispielsweise um Krankenkassenprämienverbilligungen ginge, immer die SVP im Weg stehe. Abderhalden kritisierte die CVP dafür, dass keine Frau auf ihrer Hauptliste steht. Raschles Verteidigung, dass sie neben der Hauptliste auch eine reine Frauenliste und eine Jungenliste hätten, wurde von Thurnherrs Einwurf relativiert, dass kaum jemals jemand von einer Nebenliste gewählt wird.

Raschle fand zur SP, dass sie nicht zielorientiert an Probleme heranginge. Bucher konterte, dass sie in ihrer Zeit im Kantonsrat eher die CVP als uneinheitlich und «ein Fähnchen im Wind» erlebt habe. Bucher selbst zog die FDP und sagte, dass diese weit weg von der Lebensrealität politisiere, beispielsweise, wenn sie versuche, Reiche anzulocken. Abderhalden gab daraufhin die etwas schwammige Antwort, dass wahrscheinlich ein Unterschied zwischen Stadt und Land bestehe und die Partei im Toggenburg gut positioniert sei. Zum Schluss sagte Geisser über die SVP, dass sie oft ignorant und nicht so offen agiere. Huber fand daraufhin, die Differenz liege nicht in der Problemakzeptanz, sondern im Lösungsansatz.

Klima bleibt nach wie vor wichtig für die Jugend

Alles in allem überzeugte vor allem der junge SVP-Politiker durch seine rhetorischen Fähigkeiten. Bucher zeigte sich erfahren und schlagfertig, während Abderhalden ihre zwar gut vorbereiteten Antworten meistens einfach ablas. Raschle und Geisser waren im Vergleich im letzten Block eher schwächer.

Im Publikum kam Letztere jedoch gut an. «Am ehesten überzeugt hat mich die Grüne», schloss eine 16-Jährige nach dem Anlass. Klima sei ein Thema in ihrem Umfeld, auch wenn sie sich eigentlich überhaupt nicht für Politik interessiere. Allgemein war im Publikum kaum Begeisterung zu spüren. Obwohl die jungen Lernenden immer wieder aufgefordert wurden, den Kandidierenden Fragen zu stellen, blieb es ruhig. Durch geschickte Einwürfe von Thurnherr zum politischen System dürften die Lernenden aber trotzdem einiges gelernt haben.