Politik
Gute regionale Verteilung, zu kleine Frauenquote: So ist die Bevölkerung im neuen Neckertaler Gemeinderat vertreten

Gemeindepräsident Christian Gertsch analysiert für diese Zeitung die Zusammensetzung des neugewählten Neckertaler Gemeinderats.

Urs M. Hemm
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Seit vergangenem Sonntag ist entschieden, wer die Geschicke der neuen Gemeinde Neckertal in den kommenden zwei Jahren lenken wird. Zu besetzen waren zwölf Sitze für die drei Gremien Gemeinderat, Schulpräsidium und Geschäftsprüfungskommission. Insgesamt stellten sich für die vakanten Sitze 22 Personen in zwei Wahlgängen zur Verfügung.

Wie aber setzen sich nach der Wahl insbesondere der Gemeinderat und die Geschäftsprüfungskommission (GPK) in Bezug auf die geografische Verteilung zusammen? Wie stark sind die Frauen vertreten? Welche politischen Parteien konnten bei diesen Wahlen Mehrheiten hinter sich scharen und welche müssen sich in Zukunft vermehrt Gehör für Anliegen bei wichtigen Entscheidungen verschaffen?

Stimmige regionale Verteilung

Als Gemeindepräsident gewählt wurde Christian Gertsch (SP/Hemberg), das Rennen um das Amt der Schulpräsidentin, die gleichzeitig Einsitz im Gemeinderat hat, entschied ebenfalls im ersten Wahlgang Ursula Fluck (parteilos/Mogelsberg) für sich. Bereits im ersten Wahlgang wurden zudem Michael Ledergerber (Die Mitte, Necker), Corinne Müller-Knaus (FDP, St.Peterzell) und Roger Lacher (parteilos, Oberhelfenschwil) in den Gemeinderat gewählt. Die zwei verbliebenen Sitze gingen mit dem zweiten Wahlgang an Jonas Näf (FDP, Necker) sowie Christian Grob (parteilos, Bächli).

«Für mich war es wichtig, dass – wenn möglich – alle Regionen der neuen Gemeinde im Gemeinderat vertreten sind», sagt der künftige Gemeindepräsident Christian Gertsch. So, wie sich die regionale Verteilung der Gemeinderatsmitglieder präsentiere, ergebe es für ihn ein sehr stimmiges Bild, urteilt er. «Es ist ein sehr ausgewogenes Team, das sehr viel Kompetenz mit sich bringt.»

Obwohl er sich über die regionale Verteilung der Ratsmitglieder freue, sei die Herkunft eher zweitrangig. «Reine Partikularinteressen dürfen in einem solchen Amt bei wichtigen Entscheidungen keine Rolle spielen, denn es geht nun ums ganze Neckerztal. Dennoch darf man auch die individuellen Anliegen aus den einzelnen Dörfern und Weilern nicht aus den Augen verlieren», sagt Christian Gertsch. Es gelte, für alle gute Lösungen zu finden und die Chancen für das Tal zu erkennen und wahrzunehmen.

Widerspiegelt Bild der Bevölkerung

Auffallend ist, dass in einer mehrheitlich ländlich geprägten Region mit Christian Grob lediglich ein Landwirt in den Gemeinderat gewählt wurde. Christian Gertsch sagt:

«Ich bin dankbar, dass die Landwirtschaft überhaupt vertreten ist.»

Er kenne zwar den genauen Anteil der Bevölkerung, der in der Gemeinde Neckertal in der Landwirtschaft arbeitet, nicht. Dennoch glaube er, dass ein Sitz auf alle Fälle gerechtfertigt sei. In einem Entscheidungsgremium wie dem Gemeinderat sei es wichtig, auf das Fachwissen aus verschiedenen Branchen zurückgreifen zu können, damit sich alle Bürgerinnen und Bürger in irgendeiner Weise im Gemeinderat vertreten sehen.

Daher freue er sich auf die Zusammenarbeit in seinem neuen Team, das aus den unterschiedlichsten Berufsbereichen komme, die im Tal angesiedelt und sicherlich das Bild der Bevölkerung widerspiegeln.

Kompetenz und Person sind entscheidend

In Bezug auf den Frauenanteil – mit Corinne Müller-Knaus und Ursula Fluck wurden lediglich zwei Frauen gewählt – hätte sich Christian Gertsch im neuen Gemeinderat eine ausgewogenere Männer-Frauen-Quote gewünscht. Er sagt:

«Ich selber habe zwar auch keiner Frau meinen Platz überlassen. Aber das hängt einfach damit zusammen, dass sich nur männliche Kandidaten für das Amt des Gemeindepräsidenten zur Wahl gestellt haben.»

Trotzdem. Er ist davon überzeugt, dass bei einer Wahl die Kompetenz und die Person entscheidend sind und weniger das Geschlecht den Ausschlag geben sollte. An der Auswahl habe es sicherlich nicht gelegen. Denn für einen Sitz im Gemeinderat und für das Amt der Schulpräsidentin haben sich insgesamt acht Kandidatinnen zur Wahl gestellt.

Sachpolitik steht im Vordergrund

Mit insgesamt fünf Sitzen (zwei Sitze im Gemeinderat und drei Sitze in der GPK) ging die FDP als stärkste Partei aus diesen Gesamterneuerungswahlen hervor. Für vier Sitze im Gemeinderat entschieden sich die Wählerinnen und Wähler für parteilose Kandidierende, die Mitte (ein Sitz im Gemeinderat und ein Sitz in der GPK) ist zweimal vertreten und die SP (Gemeindepräsident) und die SVP (GPK) mit jeweils einem Sitz.

«Es hat mich schon ein wenig überrascht, dass die SVP nicht im Gemeinderat vertreten sein wird», sagt Christian Gertsch. Gleichzeitig erachte er aber diesen Umstand auch als nebensächlich.

«Wenn jemand in ein Gremium wie in einen Gemeinderat gewählt wird, sollte die Sachpolitik und nicht die Parteipolitik im Vordergrund stehen.»

Dessen Entscheidungen dienten dem Wohle der ganzen Gemeinde und damit allen Bürgerinnen und Bürgern. «Dabei ist es unerheblich, welches Parteibüchlein sie in der Tasche tragen», betont Christian Gertsch. Es gehe um lösungs- und sachorientierte Politik, die allen Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde zugutekommen sollte.