Poetry Slam
Lara Stolls facettenreiche Sprachkunst: «Gipfel der Freude» gipfelt überraschend

Lara Stoll beeindruckte die Donnerstagsgesellschaft Oberuzwil mit geschliffener Sprachkunst

Josef Bischof
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Lara Stoll gab ihrer Freude darüber Ausdruck, wieder vor Publikum auftreten zu können.

Lara Stoll gab ihrer Freude darüber Ausdruck, wieder vor Publikum auftreten zu können.

Bild: Josef Bischof

«Gipfel der Freude» heisst das Programm von Lara Stoll, der mehrfach ausgezeichneten Meisterin in Poetry-Slam. Gleich zu Beginn wurde die Hintergründigkeit des Titels und ihrer Texte klar. Es ging und geht ihr nicht darum, das Publikum mit amüsanten Texten zu erheitern. Virtuos fokussierte sie sich in facettenreicher Sprachkunst im Wesentlichen auf wenig Erfreuliches im Leben.

Es war das erste Mal, dass die Donnerstagsgesellschaft Oberuzwil zu einem Poetry-Slam-Abend einlud. Mit der aus dem Thurgau stammenden Künstlerin, die seit 15 Jahren auf vielen Bühnen unterwegs ist, ist gleich eine der bekanntesten Vertreterinnen dieser Kunstgattung engagiert worden. Lara Stoll trat am Donnerstagabend vor vollen Reihen im Singsaal des Oberstufenzentrums Oberuzwil auf.

Beim Wort genommen

Lara Stoll gab ihrer Freude darüber Ausdruck, wieder vor Publikum auftreten zu können. Dann begrüsste sie den «Ehrengast». Das war dem Programmtitel entsprechend der Gipfel, oder auf Schweizerdeutsch: ein «Gipfeli». Dieses rundete zum Schluss das Programm ab, indem es von der Künstlerin ins Publikum geworfen wurde.

Der Gipfel der Freude, den Lara Stolls Programm verhiess, entpuppte sich als «Gipfeli», das sie abschliessend ins Publikum warf.

Der Gipfel der Freude, den Lara Stolls Programm verhiess, entpuppte sich als «Gipfeli», das sie abschliessend ins Publikum warf.

Bild: Josef Bischof

So kam ein Besucher wirklich zum Gipfel der Freude. In ihrem Programm befasse sie sich, sagte Lara Stoll in der einleitenden Übersicht, mit Themen von allgemeiner Aktualität und Tragweite, darunter etwa Corona oder Einsamkeit.

Mit Corona setzte sie sich nicht wissenschaftlich auseinander, regte aber zum Nachdenken an. Der Covid-Erkrankung zog sie eine Magen-Darm-Grippe vor und philosophierte über Krankheitserscheinungen, welche gesellschaftlich bis zum Überdruss erörtert würden. Sie kam zum Schluss, dass Gesundheit ein guter Ausweg wäre – im Endeffekt aber einfach die langsamste Art des Sterbens sei.

Sechs Minuten widmete sie einer Pizza, auf die sie erfolglos wartet. Dabei hat sie sich über unzählige Möglichkeiten geängstigt, welche eine Lieferung verhindern könnten. Einige aus der Kategorie höherer Blödsinn, manches war Wortspielerei, vieles aber tiefgründig.

Bedrückende Einsamkeit

Tiefgründiges bot sie besonders im Passus zur Einsamkeit. Bei den fast unendlich vielen Situationen, in denen wir alleine sind oder uns mindestens alleine fühlen, konnte man dank des theatralischen Vortrags von Lara Stoll schmunzeln. Im Grunde genommen aber ging es um Bedrückendes. Lacher löste die abschliessende Feststellung aus, dass nur Rechnungen nie allein kämen.

Die Gitarre kam äusserst kurz zum Einsatz: im Lied «kurz».

Die Gitarre kam äusserst kurz zum Einsatz: im Lied «kurz».

Bild: Josef Bischof

Weitere Themen, wie etwa das Verstauen des Staubsaugers, waren banaler. Wie sie von der Künstlerin schnellzüngig und hintergründig vorgetragen wurden, aber verblüffte. Witzig war der Einsatz ihrer Gitarre. Sie nahm sie ein einziges Mal in die Hand. Sie spiele ein kurzes Lied, kündigte sie an. Das Lied bestand dann aus dem einzigen Wort: kurz.

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