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Podium zur Raumentwicklung in Mosnang: Strategisches Denken wäre wichtig, «doch die Gemeinden versaufen im Tagesgeschäft»

Der langjährige Kantonsplaner Ueli Strauss-Gallmann empfiehlt Mosnang, die innere Entwicklung rasch anzugehen. Sonst nehme man sich den Spielraum, um umzuzonen.
Timon Kobelt
Der Dorfkern von Mosnang heute: Wie wird er sich entwickeln und was wird mit der Filtex-Wiese (Bildmitte) geschehen? (Bild: Martin Lendi)

Der Dorfkern von Mosnang heute: Wie wird er sich entwickeln und was wird mit der Filtex-Wiese (Bildmitte) geschehen? (Bild: Martin Lendi)

Im Gemeinderat von Mosnang und im Dorf geht ein Gespenst um: Die Frage, was mit der Filtex-Wiese geschehen soll. So beschreibt es Gemeindepräsident Renato Truniger. Mit der Wiese geht das Thema Dorfkernentwicklung einher, wozu am Donnerstagabend eine Veranstaltung stattfand, der rund 60 Personen beiwohnten. Organisiert wurde der Anlass im Restaurant Krone durch die FDP Mosnang. Im Zentrum standen dabei raumplanerische Überlegungen, in welchen Fragen nach der Zukunft eines zentralen Areals wie der Filtex-Wiese typisch sind.

Der Faden der Gespenst-Metapher kann problemlos für die Raumplanung im Allgemeinen weitergesponnen werden. Gerade im Toggenburg, wo mehr als die Hälfte der Gemeinden auszonen müsse, wird bei diesem Thema Politikern wie Bürgern ein wenig unheimlich. Mosnang muss sein Siedlungsgebiet um 1,1Hektaren reduzieren. Um das Gespenst weniger Furcht einflössend oder zumindest verständlicher zu machen, hatte die FDP Mosnang den langjährigen Kantonsplaner Ueli Strauss-Gallmann eingeladen. Inzwischen ist er selbstständig und führt ein Raumentwicklungsbüro.

«Planungsgesetz hat die Systeme überfordert»

«Die Verdichtung respektive die Entwicklung nach innen ist in einer ländlichen Gemeinde wie Mosnang schwieriger als in einer Stadt. Hier können Sie keine zehnstöckigen Gebäude bauen wie in St.Gallen», sagte Strauss-Gallmann zu Beginn seines Referats. Dass Mosnang als Auszonungsgemeinde klassiert ist, sei begründet mit der negativen Bevölkerungsentwicklung zwischen 2006 bis 2016 und der gemäss Prognose nur schwachen Bevölkerungszunahme um rund 120 Personen bis 2040. Im Verhältnis dazu seien die Bauzonen von Mosnang zu gross. Der 60-Jährige erklärte:

«Die angesprochenen Entwicklungsprozesse voranzutreiben, ist für die Gemeinden eine Herkulesaufgabe. Städte wie Wil haben eigene Stadtplaner, die sich ausschliesslich diesem Thema widmen.»

Laut Strauss-Gallmann hat man mit der Annahme des kantonalen Planungs- und Baugesetzes (PBG) im Jahr 2017 die Systeme und vor allem die Gemeinden überfordert. Es werde viel davon abhängen, ob die guten Instrumente des PBG genutzt und die «unbrauchbaren wieder über Bord geworfen würden».

Die Raumentwicklung als schlingernder Tanker

Im Verlaufe seines Referats ging der langjährige Kantonsplaner auf die konkreten Herausforderungen ein, welche Mosnang bei der Überarbeitung seiner Pläne sowie der Ausarbeitung eines Innenentwicklungskonzepts erwarten werden. «Ganz entscheidend wird sein, wie man die Bürger informiert und partizipieren lässt. Nach meiner Ansicht reicht dafür heutzutage eine Bürgerversammlung nicht mehr aus», sagte Strauss-Gallmann. Es müsse auch geklärt werden, welche Personen die strategischen Überlegungen anstellten.

«Die Strategie ist in der ganzen Geschichte enorm wichtig, doch häufig versaufen die Gemeinden im Tagesgeschäft.»

Abschliessend verglich der 60-Jährige die Raumentwicklung in Mosnang mit einem Tanker. Der Gemeinderat müsse mit dem Steuer eine gewisse Richtung vorgeben, wobei diese auch unter dem Einfluss von nationaler und kantonaler Gesetzgebung stehe. «Es braucht aber auch Diesel, sprich Ressourcen, um den Tanker zu bewegen. Und gerade kleine Gemeinden haben es schwierig, die besten Leute für ihre Verwaltung zu gewinnen, weil sie lohnmässig nicht mithalten können», erklärte er. Der Tanker schlingere, fahre aber noch.

Lebhaftes Podium: Philipp Schneider, Ueli Strauss-Gallmann, Ruben Schuler (Moderator), Max Gmür und Renato Truniger (von links). (Bild: Timon Kobelt)

Lebhaftes Podium: Philipp Schneider, Ueli Strauss-Gallmann, Ruben Schuler (Moderator), Max Gmür und Renato Truniger (von links). (Bild: Timon Kobelt)

Ruben Schuler, Präsident der FDP Mosnang, eröffnete im Anschluss an das Referat eine Podiumsdiskussion. Ob denn die Dorfentwicklung für Mosnang nun eine Chance oder ein Risiko sei, wollte er wissen. «Ich sehe sie definitiv als Chance», betonte Renato Truniger. Die jetzigen Rahmen seien alt und es sei an der Zeit für eine Überarbeitung. «Da wir zu siebt im Rat sind und das Verfahren partizipativ sein wird, bin ich zuversichtlich, dass wir breit abgestützte Lösungen finden werden», sagte der Gemeindepräsident. Philipp Schneider, der Betreiber der «Krone» schlug in die gleiche Kerbe:

«Entwicklung klingt schon positiv und ist daher immer eine Chance. Wichtig wird sein, dass alle Beteiligten untereinander offen kommunizieren.»

Philipp Schneider sprach an diesem Abend als Vertreter des Mosnanger Gewerbes. Ausserdem plant er mit der «Krone» einen Ausbau und ist somit aktuell und direkt von der Zonendiskussion betroffen. Strauss-Gallmann, der in seinem Vortrag eher die Herausforderungen erklärt hatte, strich nun die Chancen heraus: «Man hat zwischen 1980 und 2014 nicht gross über die Raumplanung gesprochen. Jetzt gilt es, die Chance zu packen und etwas Positives für die Zukunft zu gestalten. Man muss auch nicht auf Teufel komm raus verdichten.» Mosnang könne klar sagen, wo es etwas Schönes so belassen wolle, wie es sei.

Die Bürgerinnen und Bürger sollen mitreden können

Schulratspräsident Max Gmür gehörte der Podiumsrunde ebenfalls an. Er unterstrich vor allem die Notwendigkeit, die Bürger einzubeziehen. «Die Reaktionen auf die mutigen Schulprojekte in Mühlrüti und Libingen haben gezeigt, dass unsere Bevölkerung offen ist für innovative Lösungen», sagte er. Er sei überzeugt, dass man den Bürgern Ideen mit Visualisierungen und Modellen präsentieren müsse und ihnen nicht einfach ein weisses Blatt Papier vorlegen könne.

Schliesslich kam die Frage auf, ob es taktisch schlau wäre, mit der Planung weiterhin zuzuwarten, um nicht ins Visier von Umweltverbänden zu gelangen. Ueli Strauss-Gallmann hatte dazu eine klare Haltung:

«Mosnang darf keinesfalls zuwarten. Wer zuwartet, riskiert, dass er wegen veralteter Zonen und Masseinheiten nichts mehr umzonen kann, weil zunächst alles in die neue Zonenwelt hineinmuss. Solange ihr nicht in der neuen Zonenwelt seid, gibt es keinen Teilzonenplan.»

Aus dem rund 60-köpfigen Publikum kam die Frage, wie Mosnang die nötige personelle Kompetenz erhalte. Strauss-Gallmann entgegnete, dass ein eigener Gemeindeplaner in Mosnang «utopisch» sei. Die Gemeinde werde wohl vermehrt mit externen Beratern und Fachbüros zusammenarbeiten müssen.

Natürlich interessierte auch die Filtex-Wiese. Renato Truniger erklärte, dass der Startschuss für die Revision des Nutzungsplans erfolgt sei. Im November werde es einen öffentlichen Anlass geben, um herauszufinden, was die Menschen mit der Wiese machen wollen. Womöglich zieht das Gespenst danach von dannen.

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