Pflanzaktion
Kleiner Beitrag – grosse Wirkung: Obstbäume und einheimische Heckensträucher bereichern die Biodiversität

Nach den Jahren 2013 und 2017 führt der Naturschutzverein Ebnat-Kappel und Nesslau bereits zum dritten Mal eine Hochstamm-Obstbaumpflanzaktion durch. Zum ersten Mal können auch einheimische Sträucher verbilligt bezogen werden. Die Aktion läuft noch bis zum 10. September.

Urs M. Hemm
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Andreas Weber, Präsident des Naturschutzvereins Ebnat-Kappel und Nesslau, hat selbst auf seinem Grundstück Apfel-, Zwetschgen- und Birnbäume angepflanzt.

Andreas Weber, Präsident des Naturschutzvereins Ebnat-Kappel und Nesslau, hat selbst auf seinem Grundstück Apfel-, Zwetschgen- und Birnbäume angepflanzt.

Bild: Urs M. Hemm

Seit Anfang Juni können Landwirte, aber auch Privatpersonen beim Naturschutzverein Ebnat-Kappel und Nesslau Hochstamm-Obstbäume sowie einheimische Heckensträucher zu vergünstigten Konditionen bestellen. «Leider sind in den vergangenen Jahrzehnten Hochstammobst und weitläufige Hecken aus unserem Landschaftsbild im Toggenburg fast verschwunden», sagt Andreas Weber, Präsident des Naturschutzvereins Ebnat-Kappel und Nesslau. «Dabei bieten diese für eine unglaubliche Anzahl von Vögeln, Fledermäusen und Insekten perfekte Lebensräume und leisten einen wichtigen Beitrag zur Aufwertung der Biodiversität einer Landschaft», sagt er.

Hecken als Lebensraum und Erosionsschutz

Auch die Gemeinden hätten schon seit längerem die Bedeutung und Notwendigkeit einer intakten Biodiversität erkannt und verfolgen daher unterschiedliche Vernetzungs- und Aufwertungsprojekte, welche durch solche Aktionen Unterstützung erfahren. «Deshalb beteiligen sich die Gemeinden Ebnat-Kappel und Nesslau an dieser Aktion mit etwa 25 Franken pro Hochstamm und mit rund drei bis fünf Franken pro Hecke und Strauch, sodass wir einen Baum für 30 Franken und eine Hecke oder einen Strauch für nur drei Franken verkaufen können», sagt Andreas Weber.

Wo die Käufer die Bäume und Sträucher pflanzen werden, könnten sie zwar nicht mitbestimmen.

«Wir können aber beratend zur Seite stehen, sodass eine Hecke beispielsweise als Erosionsschutz an einem Abhang, entlang eines Baches als Uferschutz oder als Teil eines gestuften Waldrands gesetzt wird.»

Dies, um den Gedanken der Landschaftsaufwertung und der Vernetzung gerecht zu werden. Am Ende sei aber jeder gepflanzte Baum und jeder gepflanzte Strauch ein wertvoller Beitrag zur Biodiversität, die in den vergangenen Jahrzehnten verloren gegangen sei. Den Rückgang an Hochstammobst führt Andreas Weber einerseits auf die Rationalisierung in der Landbewirtschaftung zurück. «Andererseits sind wir nicht auf die Früchte angewiesen, da wir heute alles an 365 Tagen im Supermarkt kaufen können.»

Nur einheimische Gewächse im Angebot

Bei der Auswahl der Bäume und Sträucher seien nur heimische Gewächse in Frage gekommen, um möglichst vielen Tieren Unterschlupf und Nahrung bieten zu können. Ein weiteres Kriterium war die geografische Lage der zwei Gemeinden Ebnat-Kappel und Nesslau. Andreas Weber erläutert:

«Die Gemeinden befinden sich auf rund 700 bis 800 m.ü.M. Daher brauchen wir widerstandsfähige Pflanzen, die auch noch auf 1000 Meter gedeihen und gleichzeitig möglichst ertragsreich sind.»

Bei den Hochstamm-Obstbäumen sind dies beispielsweise bei den Tafeläpfeln die Sorten Admiral oder Topaz, bei den Tafelbirnen Conférence oder Gute Louise. Daneben könnten Kirsch-, Zwetschgen- oder auch Nussbäume bestellt werden. Bei den Sträuchern sind niedrigwachsende, wie unter anderem der Weissdorn, der Schwarze Holunder oder der Gewöhnliche Schneeball, im Angebot. Bei den hochwachsenden Sträuchern können Haselnuss, Traubenkirsche oder Vogelbeere bestellt werden.

Wie wichtig die Wahl einheimischer Bäume und Sträucher ist, macht Andreas Weber an einem Beispiel deutlich: Während der in Nordamerika beheimatete Scharlachdorn für lediglich zwei heimische Vogelarten Futter bietet, zieht der einheimische Weissdorn 32 an. «Will man die Natur unterstützen, lohnt es sich also, heimische Gewächse im Garten zu pflanzen», sagt Andreas Weber.

Schutz für Vögel – Nahrung für Wildbienen

Bisher sind rund 30 Bestellungen eingegangen. «Insbesondere bei den Hochstämmen erhoffe ich mir noch einige Anfragen mehr, bis zum Ende der Aktion», sagt Andreas Weber. Das Ziel sei, dass sie wie bei den beiden vorangegangenen Aktionen 200 Bäume verkaufen könnten. Zum Verkauf von Sträuchern hätten sie keine Vergleichszahlen, weil diese zum ersten Mal Teil der Aktion sind.

«Es wäre aber schön, wenn auch Gartenbesitzer oder Hauswarte von Mehrfamilienhäusern oder Industriebauten Sträucher in die Siedlungsgebiete bringen würden. Insbesondere Sträucher mit Dornen bieten zahlreichen Vögeln Schutz während der Brutzeit. Zudem tragen die meisten dieser Sträucher im Frühjahr wunderschöne Blüten, die ihrerseits wieder Wildbienen und Schmetterlinge anziehen», schwärmt Andreas Weber.

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