«Mein Teenagerwunsch war, Klavierunterricht geben zu können»: Toggenburgerin wird nach 37 Jahren im Traumberuf pensioniert

37 Jahre lang hat Katharina Giordanengo Kindern das Klavierspielen beigebracht. Sie erzählt von mangelhaften Klavieren, lustigen Erinnerungen an einen Schüler, der nicht gerne leise spielte und was die Seniorin im Ruhestand machen will.

Lisa Leisi
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Katharina Giordanengo an ihrem Klavier. Musik wird sie weiterhin machen, und vermehrt die Harfe hervornehmen oder einen Gottesdienst mit einem Orgelspiel bereichern.

Katharina Giordanengo an ihrem Klavier. Musik wird sie weiterhin machen, und vermehrt die Harfe hervornehmen oder einen Gottesdienst mit einem Orgelspiel bereichern.

Bild: Lisa Leisi

Vieles hat sich während der langjährigen Anstellung im Berufsleben von Katharina Giordanengo als Klavierlehrerin an der Musikschule Toggenburg verändert. 37 Jahre lang gab sie ihre Freude an der Musik an ihre Schülerinnen und Schüler weiter. Heute gibt es mehr Angebote, wesentliche Verbesserungen bei der Infrastruktur, eine übersichtliche Organisation mit klaren Regelungen sowie ein vermehrtes Miteinander unter den Lehrpersonen.

Ein kaltes Unterrichtszimmer in einem Schulgebäude, kein Tageslicht oder ein mangelhaftes Klavier wären heute kaum mehr vorstellbar. In den ersten Jahren ihrer Anstellung waren das jedoch realistische Szenen. Bedingt durch die Blockzeiten an den Schulen und durch verschiedene Unterrichtsorte gehören jedoch bis heute spezielle Arbeitszeiten, zirka ab Mittag bis abends um 20 Uhr, zu den normalen Arbeitsbedingungen. Warme und regelmässige Mahlzeiten waren für Katharina Giordanengo deshalb oft unmöglich.

Bereichernde Kontakte mit Eltern

«Dass mein Teenagerwunsch, Klavierunterricht geben zu können, Realität wurde und dass ich bis zur Pensionierung mit Freude unterrichten konnte, erfüllt mich mit grosser Dankbarkeit.»

Im Rückblick mute das wie ein Wunder an, war Katharina Giordanengo doch durch gesundheitliche Beeinträchtigungen immer wieder speziell gefordert. Ebenso dankbar sei sie für die vielen bereichernden Elternkontakte, die langjährige Unterstützung durch die Schulleitung und die von der Musikschule Toggenburg angebotenen Weiterbildungen.

Die Fähigkeiten und Begabungen erkennen

Die Klavierlehrerin arbeitete sehr gerne mit Kindern in den verschiedensten Altersstufen, um ihnen die Musik nahezubringen und die Freude an der Musik zu wecken. Speziell erfüllend war es für die Klavierlehrerin, Schülerinnen oder Schüler über viele Jahre in ihrer Entwicklung zu begleiten, zu beobachten und zu fördern. Beglückend waren auch strahlende Kinderaugen, Schüler, die sich nach der Lektion bedankten und neue Motivation bekommen hatten. Wie etwa Erfolgserlebnisse an gelungenen Konzerten und Vorspielstunden.

Katharina Giordanengo war es wichtig, die Schüler ganzheitlich wahrzunehmen, sie im Heute abzuholen, ihre Fähigkeiten und ihre Begabungen zu erkennen und diese in einem individuellen Unterricht zu fördern. So erstaunt es nicht, dass sie ihren Kolleginnen und Kollegen an der Musikschule Ausdauer, Geduld, Flexibilität, Kreativität, Offenheit für Neues, Freude und Leidenschaft für die Musik, das Unterrichten und für die Schüler wünscht. Das sind und waren für sie die Grundlagen für einen abwechslungsreichen und erfüllenden Alltag als Instrumentallehrperson und Musikerin.

Die erfolgreichen Teilnahmen von Schülern an Wettbewerben und diverse besondere Vorspielstunden sowie unzählige Dankesbriefe von Schülern und Eltern waren immer wieder Highlights für die Lehrerin. Viele Erinnerungen und Erlebnisse hat Katharina Giordanengo als Memoiren festgehalten. Dazu gehören Kurioses, Lustiges und auch herausfordernde Begebenheiten. So erzählte sie gekürzt ein Beispiel: «Einen elfjährigen Jungen, der nicht gerne leise spielte, fragte ich in einer Lektion, ob er wisse, was pp bedeutet. Er überlegte kurz und sagte dann: päng, päng.»

Ohne Picknick zwischendurch

Als Pensionierte werde Katharina Giordanengo es speziell geniessen, dass sie nicht mehr jeden Tag auf eine bestimmte Zeit an einem Unterrichtsort sein müsse und mehr Zeit habe, selber Klavier und Harfe zu üben und zu spielen. Auch die nun regelmässigen Mahlzeiten werde sie schätzen und die Picknicks zwischen den Lektionen sicher nicht vermissen.
Als neue Beschäftigung nimmt Katharina Giordanengo Orgeldienste in Gottesdiensten wahr. Zusätzliche Abwechslung bringt ihr seit einigen Jahren auch das Acrylmalen.

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