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7 Prozent mehr Besucher: Das Wattwiler Kino Passerelle trotzt der Krise der Kinobranche

Die Besucherzahlen in den Schweizer Kinos fielen im vergangenen Jahr um 12,5 Prozent auf ein Allzeittief. Nicht so im Toggenburg. 2018 kamen 7,5 Prozent mehr Besucher ins Wattwiler Kino Passerelle.
Ruben Schönenberger
Genossenschaftspräsident Florian Schällibaum kann auf ein gutes Kino-Jahr zurückblicken. (Bild: Ruben Schönenberger)

Genossenschaftspräsident Florian Schällibaum kann auf ein gutes Kino-Jahr zurückblicken. (Bild: Ruben Schönenberger)

Es war nicht unbedingt zu erwarten gewesen, dass die Genossenschaft Kino Passerelle erfolgreiche Zahlen zum vergangenen Jahr präsentieren kann. Hitzesommer, die Fussball-Weltmeisterschaft in Russland und grundlegende Veränderungen im Freizeitverhalten der Gesellschaft hätten eher vermuten lassen, dass 2018 ein schwieriges Kinojahr gewesen sein müsse.

Auch Geschäftsführer Peter Bötschi sprach denn an der Generalversammlung vom Mittwoch auch von einem «für die Kinobranche schwierigen Jahr», in dem man «mit dem budgetierten Ergebnis bereits zufrieden gewesen» wäre.

Deutlicher Kontrast zur Branche

Es kam sogar deutlich besser. Die Besucherzahlen in Wattwil stiegen um 7,5 Prozent. Der Kontrast zur gesamten Branche ist eindrücklich. Procinema, der Dachverband der Schweizer Kino- und Filmverleihunternehmen, spricht vom «Kinojahr mit den wenigsten Besuchern seit 1995». Davor erhob der Verband noch keine Zahlen. 12,5 Prozent beträgt der Rückgang im Jahresvergleich in der Schweiz. In der Deutschschweiz sind es 13 Prozent, im Kanton St.Gallen gar 17,7 Prozent. Bötschi sagte an der GV:

«Es wäre verblendet zu sagen, wir würden alles besser machen als die andern, aber wir machen gewisse Dinge anders.»

Als ein Beispiel nennt er den Verzicht auf 3D, ein «Hype, der langsam abebbt». Vor allem aber betont Bötschi die Ausrichtung des «Passerelle» als Arthouse-Kino. Die Positionierung in der Nische habe man über die Jahre ausgebaut, und das sei richtig gewesen. Das führe manchmal dazu, dass nur eine Handvoll Leute im Kinosaal sitzen, wie Genossenschaftspräsident Florian Schällibaum sagte.

«Die Filme sind es wert, gezeigt zu werden.»

Auch Kassenschlager waren im letzten Jahr in Wattwil zu sehen. So zum Beispiel «s’Bloch», «Bohemian Rhapsody» oder «Darkest Hour». Bei 1383 Vorstellungen lag der Schnitt bei 11,8 Personen pro Film.

«Outdoorisierung» schadet den Kinos

Die guten Zahlen können indes nicht darüber wegtäuschen, dass auch das Toggenburger Kino mit gesellschaftlichen Veränderungen umgehen muss. Bötschi nannte in seinem Jahresbericht unter anderem die Verfügbarkeit von Filmen an nahezu jedem Ort auf verschiedensten Geräten und oft erst noch gratis. Er nannte aber auch die «Outdoorisierung»:

«Wir merken es sofort, wenn die Temperaturen Aktivitäten im Freien halbwegs zulassen.»

Diesen Veränderungen versucht man in Wattwil unter anderem mit Veranstaltungen zu begegnen. Als Beispiele nannte Bötschi die Köhlernächte und die Japan-Filmreihe.

Weil gerade für Veranstaltungen oft der Platz fehle, wollen die Verantwortlichen das Foyer vergrössern. Geplant ist, den überdachten Bereich vor dem Eingang zu verglasen. Das würde eine grössere Flexibilität in der Nutzung ermöglichen. Dort verläuft aktuell ein Weg, der umklassiert werden muss. Präsident Schällibaum zeigt sich optimistisch, dass die Vergrösserung möglich wird.

Fokus auf die kleinsten Filminteressierten

Damit auch in Zukunft Besucher ins Kino kommen, legt man ein spezielles Augenmerk auf die kleinsten unter den Filminteressierten. Das «Passerelle» beteiligt sich – neben dem «Kinok» in St.Gallen als einziges Kino östlich von Winterthur – an der «Kleinen Laterne», einem Programm für Kinder unter sieben Jahren. Dass das Wattwiler Kino beliebt ist, zeigte sich auch am Andrang zur GV. 55 Genossenschafter waren anwesend, deutlich mehr als im Vorjahr. Sie winkten alle Geschäfte inklusive der um rund 20'000 Franken besser ausgefallenen Rechnung durch.

Für den zurücktretenden Vizepräsidenten Hansruedi Kugler konnte noch kein Ersatz gefunden werden. Weil die Statuten keinen zwingenden Ersatz fordern, will sich der Verwaltungsrat Zeit mit der Suche lassen und erst auf die nächste GV einen Vorschlag präsentieren. Im Idealfall eine Frau, wie aus dem Publikum gewünscht wurde, was der Verwaltungsrat grundsätzlich unterstütze.

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