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Optimiere dich selbst – Anet Corti präsentierte im «Brääg» in Bazenheid ihr neues Programm

Im «Bräägg» Bazenheid gastierte am Freitag die Kabarettistin Anet Corti mit «Optimum».
Michael Hug
Anet Corti am Freitagabend im Traubensaal: «Optimiere dich selbst!» (Bild: Michael Hug)

Anet Corti am Freitagabend im Traubensaal: «Optimiere dich selbst!» (Bild: Michael Hug)

Anet Corti ist Baslerin und als solche ungeschminkt und direkt: «Optimiere dich selbst!» Und sie geht mit dem Beispiel voran. Zuerst das Stück. Das Stück! Also das Stück, das sie eigentlich schreiben wollte, das neue Programm, deswegen sie nach Bazenheid engagiert wurde. Klar: das Stück ist das Programm. Und das Programm ist die Optimierung. Ein Stück über Optimierung, ein Optimierungsstück. Im besten Fall ein optimales Optimierungsstück. Doch so richtig klappen wird es nicht mit dem Schreiben des Stücks, geschweige mit dem Optimieren dessen. Doch der Wille ist da. Photoshop ist auch da. Das leere Plakat ist auch da. Jetzt braucht es nur noch Inhalt. Optimalen Inhalt. Also ran an den Inhalt.

Den Laptop hochgefahren

Den findet man im Internet. Also Laptop hochgefahren. Doch im Internet gibt es viele Ablenkungen. Katzenvideos. Kochanleitungen (wie man harte Eier am optimalsten schält). Kindererziehung (optimal). Apps, Apps und nochmals Apps zur Optimierung von so ziemlich allem. Und Skype.

Auch optimal, weil man mit Flurina, der Freundin im Bündnerland über ihren Bub Dot Punkt Com, der eigentlich Gian Curdin heisst, was aber nicht mehr so recht ins dot.com-Zeitalter passt, also nennt man ihn gleich so, kommunizieren kann. So geht das natürlich nicht. Suboptimal, sozusagen, so kommt Anet nicht weiter und nie zu Inhalten für ein neues Stück. Vielleicht Fitness? Follower? Influencing? Instagram-Ego Tuning?

Ordnung ist das halbe Leben

Erst mal Ordnung machen. Ordnung ist das halbe Leben. Post-it-Zettel (rot für sehr wichtig, orange für wichtig, grün für auch noch wichtig), analoges Idea Funding, sind immer optimal. Doch das Stück muss jetzt einen Inhalt bekommen. Optimum. Ordnung. Papiersammlung verpasst. Die Winterpneu sind vom letzten Winter immer noch drauf. Steuererklärung. «Die Stüüre miend etz gmacht wärde, suss häsch dänn s’Gschängg! Apropos Gschängg – mi Göttibueb hätt etz dänn Geburtstag.» Das optimale Geschenk müsste jetzt her, aber: «Was schänggsch ämene Hochbegabte? Mozartkuugele?» Erst vier Jahre alt ist der Bub, geht jeden Donnerstagnachmittag nach dem Kindergarten ins Science Lab. «Dä waiss ganz genau was er will: Do isch de Wääg, dött isch’s Ziel, do goohtz duure! Dä kann focussiere! Dä kännt s’Ziel!»

Nur ein einziges Filmchen

Und Anet? «Etz muesi focussiere! Focus setze! Ziel känne!» Aber dann dieses Youtube: «Jo ich waiss, aber mir luege numme ai ainzigs Filmli, nume ai ainzigs, jojo i waiss, nume ai ainzigs!» Aber dann verzettelt sie sich wieder im Internet, schaut sich Filmchen an, grinsende Babies, schnüfige Kätzchen, lustige Jojo-Spiele. So wird das nichts mit der Optimiererei. Und ein Stück wird daraus auch nicht. Oder doch?

Grad das suboptimale Stück mit den irren Inhalten und tieferem Sinn wird am Schluss zum neunzigminütigen Programm. Selbstironie, Finger in (eigene) Eiterbeulen halten, Hilflosigkeit zum allgemeinen Gelächter machen, Applaus optimieren. Das ist Anet Corti, die intelligent dem gemeinen, ungerechten und meist auch harten Alltag auf den Grund geht und sei es mit Beobachtungen über spindeldürre Russenschnepfen, die mit Cayenne vor Privatenkindergärten das Mami-Taxi machen. Jeden Tag.

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