Oper ist doof – Schönholzer & Lewinsky mit «Moesie und Pusik »im Chössi-Theater

Nur wenig Publikum wollte am Samstag im Chössi-Theater Schönholzer & Lewinsky sehen.

Michael Hug
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Zwei Grosse des Showbusiness: Markus Schönholzer und Charles Lewinsky am Samstag im Chössi-Theater.

Zwei Grosse des Showbusiness: Markus Schönholzer und Charles Lewinsky am Samstag im Chössi-Theater.

Bild: Michael Hug

Grosse Namen ziehen nicht immer. Oder: Schuster bleib’ bei deinen Leisten. Als hätte das Publikum gespürt, dass das nichts wird, ist es gleich zu Hause geblieben am Samstagabend. Oder hat sich in die Fasnacht gestürzt. Oder hat sich faul vor den Fernseher gesetzt und sich zu Gemüte führen lassen, wie andere Leute mit Millionen beschenkt werden.

Dabei wäre auch die Vorstellung zweier Schwergewichte aus dem Unterhaltungsbusiness, noch dazu auf echter Tuchfühlung, ohne Flachbildschirm dazwischen, ein Geschenk gewesen. Die Erklärung könnte lauten, dass es von den Toggenburger Kleinbühnen mittlerweile dermassen viele Geschenke gibt, dass man sie sich auslesen kann. Und man nimmt, was man kennt, das was sichere Unterhaltung verspricht.

Auch mal vorne stehen

Sichere Unterhaltung wäre bei Schönholzer & Lewinksky gegeben gewesen: Markus Schönholzer ist Komponist und hat als solcher zahlreiche Lieder für Musicals und TV-Serien von «Schweizermacher» bis «Gotthelf» geschrieben. Charles Lewinsky ist Autor und hat ebenso zahlreiche Bücher, Theatertexte und TV-Serien geschrieben. Die beiden kennen sich aus ihrer Arbeit schon seit zwei, drei Jahrzehnten.

Beide sind und waren recht erfolgreich, ob sie zusammen gewirkt haben oder jeder für sich. Doch als Komponist und Autor bleibt man stets im Hintergrund, die Musik spielt vorne auf der Bühne. Niemand weiss, was die Beiden gestochen hat, nun auch mal vorne zu stehen, beziehungsweise zu sitzen, gemeinsam. Sie hätten es besser gelassen – Schuster bleib’ bei deinen Leisten, grosse Namen ziehen nicht immer.

Schräge Erkenntnisse

Doch war die Vorstellung der beiden Hintergrundarbeiter, die da ans Licht der Lichtensteiger Öffentlichkeit traten, gar nicht so schlecht. Schönholzer & Lewinksky hatten gute Einfälle, frappierende Beobachtungen, schräge Erkenntnisse und ernüchternde Rückschlüsse. Querbeet durch Alltag, Politik und/oder Gesellschaft vertonte das Duo ihre Meinung zu Liebesliedern, zu Literaturkritikern, zu Witzen.

Wobei bei Letzterem ob des Meinungsaustauschs die Pointe (gewollt) vergessen ging. «Es ist furchtbar schwierig, über die eigene Frau ein Liebeslied zu machen», sagte Markus Schönholzer und machte eins, ein schwindelerregend schönes noch dazu. Doch einen Augenblick später macht er den Fehler des Lebens und macht einen Rocker an. «Was isch dänn passiert?», fragt Lewinsky. «Scho lärntmer dezue!», antwortet Schönholzer mit dicker Backe.

Moesie und Pusik

Als «Moesie und Pusik» war die kleine Show der zwei Zürcher angekündigt worden. Das Beste aus zwei (Show-)Welten zu vereinen hat geklappt und ein paar Zuschauende unterhalten. Als Duo vereinten Markus Schönholzer und Charles Lewinsky ihre Liebe zum Nichterklärbaren des Alltags und versuchten in Lied und Text es doch zu erklären, etwas knöchern zwar und mit (zu) viel Understatement.

«Die Oper ist doof» singen sie gemeinsam und wer wollte ihnen da widersprechen. Die es tun würden, waren nicht da und der Rest, der bis zum Schluss blieb, hat sich unterhalten lassen. Und sich dabei an Bänkelsänger und Urkabarettisten aus den Anfängen dieses Genres erinnert: Rotstift, Cornichon, Keiser/Läubli. Harmlos irgendwie, Lustigkeit à la «Fascht e Familie», stumpf ironisch und fern jeder Satire. Schuster, bleibt bei euren Leisten.