Online statt im Mehrzwecksaal: Drei Toggenburger Politiker diskutieren live im Internet

Es kostet nichts und man ist zu Hause mittendrin in einer Podiumsdiskussion. Am Mittwoch gab es eine erste Online-Debatte zwischen den Politikern Lukas Huber und Joel Müller sowie der Politikerin Donja Gehrig.

Franz Steiner
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Die Überraschung war gross, als Lukas Huber, Donja Gehrig und Joel Müller (von links) die positiven Reaktionen der Benutzer anschauten.

Die Überraschung war gross, als Lukas Huber, Donja Gehrig und Joel Müller (von links) die positiven Reaktionen der Benutzer anschauten.

Bild: Franz Steiner

Mittwochabend, 20 Uhr, in der Wohnstube der Familie Müller in Wattwil: Alle Vorkehrungen sind getroffen, um die erste Toggenburger Online- Podiumsdiskussion zu eröffnen. Sie ist in dieser Art eine Premiere. Inspiration holte sich Organisator Joel Müller bei «Blick online», bei dem diese Art der Kommunikation erfolgreich Anwendung findet.

Die Erwartungen sind erfüllt worden. Die drei teilnehmenden Politiker – Joel Müller, Kantonsratskandidat der SP, Lukas Huber, Kandidat auf der SVP-Kantonsratsliste, und FDP-Kandidatin Donja Gehrig – sind am Ende zufrieden. Fast 400 Benutzer aus ihrem Polit- und Freundeskreis haben sich zugeschaltet.

Das Podium

Die Teilnehmer:
Bild: Franz Steiner
Die Teilnehmer:
Joel Müller als Gastgeber (SP), 23-jährig, wohnhaft in Wattwil, Sozialpädagoge in Ausbildung. Donja Gehrig (FDP), 24-jährig, Wirtschaftsjuristin FH, arbeitet in Zürich in einer Wirtschaftskanzlei. Sie sitzt seit diesem Herbst als einzige Frau und mit Abstand jüngstes Mitglied im siebenköpfigen Gemeinderat Wattwil (Ressorts Energiekommission, Raumplanung, Sicherheit im öffentlichen Raum). Lukas Huber (SVP), 20-jährig, aus Unterwasser, Student der Rechtswissenschaft an der Uni St.Gallen. Hinter der Kamera: Elia Fässler, Ebnat-Kappel, 19-jährig.
Zielgruppe: private Kanäle über Instagram, Facebook und Youtube im Freundeskreis und Parteikollegen und -kolleginnen. (fst)

Der Probelauf ist gut über die Bühne gegangen

Bei der Digitalisierung kann es nicht genug schnell gehen. Das Ziel der im Internet übertragenen Podiumsdiskussion ist, das Interesse von immer mehr Zuschauern zu gewinnen. Entsprechend steigt der Puls bei Joel Müller als Gastgeber, je näher die Sendezeit rückt.

Der Probelauf verläuft gut und Smartphones und Kamera sind in Stellung gebracht. Einzig mit Youtube gibt es Probleme. Die Sendung, die über Facebook und Instagram live einwandfrei funktioniert, können die Protagonisten im Nachhinein hochladen. Die Zuschauer können sie sowieso noch lange anschauen.

Zuschauer können zeitnah Fragen stellen

Joel Müller, Lukas Huber und Donja Gehrig setzen sich entspannt hin. Statt in einem Gemeindesaal können die Zugeschalteten im Livestream die Gesprächsrunde zum Beispiel auf der Fahrt im Zug, beim Nachtessen, zu Hause relaxt auf dem Sofa oder sonst irgendwo mitverfolgen. Und auch mit Fragen direkt an die Teilnehmenden ins Gespräch eingreifen.

Ein positiver Punkt dieses Sendegefässes ist unter anderem das Erreichen eines jungen Publikums. Es lässt sich so vermehrt für politische Themen begeistern und kann seine Meinung kundtun. «Die herkömmlichen Podien werden immer weniger besucht, und jene Leute, die kommen, sind meistens parteiinterne Personen. Daher haben wir uns für ein Online-Podium entschieden, bei dem die Zuschauer zeitnah Fragen stellen können», so die Organisatoren.

Bundesratswahl interessiert auch die jungen Politiker

Die Themen sorgten in der gut halbstündigen Podiumsdiskussion von Beginn für kontroverse Meinungen (siehe Zweittext). Zufällig war am Tag dieser ersten Toggenburger Online-Podiumsdiskussion mit der Bundesratswahl ein wichtiger Tag in Bern. Lukas Huber kam direkt aus der Bundesstadt: «Die Wahlen haben die Stabilität der Schweiz zum Ausdruck gebracht.»

Donja Gehrig meint mit Überzeugung, man solle die Entwicklung der Grünen Partei im Auge behalten und dann in vier Jahren die Lage neu beurteilen. Einzig Joel Müller versteht nicht, dass man den Grünen mit ihrem Erdrutschsieg bei den eidgenössischen Wahlen den Zutritt in den Bundesrat verweigert.

Erste Reaktionen lassen nach dem Polit-Talk nicht lange auf sich warten. «Sehr cooles Video. War eher auf der Seite von Joel, die anderen waren aber auch sackstark. Respekt!», steht in einer Mitteilung. Auch der ehemalige Kantonsratspräsident, der Obertoggenburger Ivan Louis, meldet sich zu Wort: «Sehr gutes Format», lobt er.

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