Offener Brief an Wattwiler Gemeinderat: Krinauer Windkraftgegner erwarten Antworten

Nach dem Gutachten der Natur- und Heimatschutzkommission sieht sich der Verein Älpli Gegenwind im Aufwind. Er stellt der Gemeinde Wattwil in einem offenen Brief konkrete Fragen zu den oberhalb von Krinau geplanten Windrädern.

Ruben Schönenberger
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So könnten die drei Windräder oberhalb von Krinau dereinst aussehen.

So könnten die drei Windräder oberhalb von Krinau dereinst aussehen.

Visualisierung: PD

Seit die Pläne der Thurwerke AG und der Groupe E bekannt sind, oberhalb von Krinau drei Windräder zur Energiegewinnung zu bauen, stossen sie auf Widerstand. Vor zwei Wochen äusserte sich auch die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) ablehnend.

Der Standort liegt in der Nähe des Schutzgebietes Hörnli-Bergland, das im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN) aufgeführt ist. Die geplanten Windräder wären von verschiedensten Kuppen und Graten aus sichtbar als «dominante technische Infrastrukturanlage» und würden «den bis anhin freien Blick über Höhenzüge, Kuppen und Gipfel» des Schutzgebiets massiv stören, findet die Kommission. Aus diesem und weiteren Gründen empfiehlt die Kommission, das Vorhaben nicht weiter zu verfolgen.

Verein sieht Gemeinderat in der Verantwortung

Das – und auch die angezweifelte Wirtschaftlichkeit – hat den Verein Älpli Gegenwind veranlasst, einen offenen Brief an den Wattwiler Gemeinderat zu schicken. Dieser stehe unmittelbar in der Verantwortung, weil die Thurwerke AG seit Jahresbeginn im Eigentum der Gemeinde sind.

Der Verein erwartet vom Gemeinderat Antworten auf drei konkrete Fragen:

  1. Der geplante Windpark sei finanziell ein Hochrisikoprojekt. Deshalb fragt der Verein, ob die Gemeinde und daher der Steuerzahler den aus ihrer Sicht wahrscheinlichen finanziellen Verlust trage.
  2. Mit dem Gutachten der ENHK komme ein erhöhtes Prozessrisiko dazu. Die Investoren der Windparkanlage müssten daher abwägen, ob sie bereit seien, das Projekt weiterzuverfolgen und mögliche Prozessrisiken in Kauf zu nehmen. Der Verein fragt, ob sich die Gemeinde als Eigentümerin der Thurwerke AG der finanziellen Belastung aussetzen wolle, die durch einen solchen Rechtsstreit entsteht.
  3. Schliesslich fragt der Verein, wie der Gemeinderat zu dem ENHK-Gutachten grundsätzlich steht. Der Verein fragt, ob der Gemeinderat das Landschaftsschutzgebiet und das rege genutzte Wander- und Naherholungsgebiet auf dem Älpli einem in jeder Hinsicht zweifelhaften Prestige-Projekt opfern wolle.

Weil der Verein in der Vergangenheit keine Gesprächsmöglichkeit mit der Gemeinde erhalten habe, bittet er nun um eine schriftliche öffentliche Beantwortung der Fragen. Vom Wattwiler Gemeindepräsidenten Alois Gunzenreiner war zu erfahren, dass der Gemeinderat den offenen Brief an seiner nächsten Sitzung zur Kenntnis nehmen und das weitere Vorgehen festlegen werde. «Gegenüber Älpli Gegenwind hat der Gemeinderat die Bereitschaft zu einem Gespräch schon länger signalisiert und keineswegs abgelehnt», sagt er weiter. Gleichzeitig habe der Gemeinderat darauf hingewiesen, dass der Richtplaneintrag und die nebst dem ENHK-Bericht noch weiteren hängigen Abklärungen sinnvollerweise vorliegen sollten. Selbstverständlich werde der Gemeinderat zum gegebenen Zeitpunkt das Gespräch führen und in Kenntnis der laufenden Abklärungen seine Haltung darlegen.