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Obwohl mittlerweile ein Randsport: Die Kegelbahnen im Toggenburg werden geschätzt und genutzt

Den Kegelbahnen könnte das gleiche Schicksal blühen wie den ausgestorbenen Dinosauriern. Doch obwohl dem Sport gerade bei den Jungen die Beliebtheit abgeht, laufen die Anlagen im Toggenburg nicht schlecht.
Timon Kobelt
Die ideale Geschwindigkeit beim Kegeln liegt bei etwa zwölf Kilometern pro Stunde. Für den Daumen hat die Kugel ein Loch, für die restlichen Finger einen Griff. Früher bestanden die Kegelbahnen aus Asphalt, heute aus gegossenem Kunststoff. (Bild: PD)

Die ideale Geschwindigkeit beim Kegeln liegt bei etwa zwölf Kilometern pro Stunde. Für den Daumen hat die Kugel ein Loch, für die restlichen Finger einen Griff. Früher bestanden die Kegelbahnen aus Asphalt, heute aus gegossenem Kunststoff. (Bild: PD)

Die Kegel auf den Kegelbahnen wanken und meistens fallen sie auch, wenn sie von den bis zu 9,3 Kilogramm schweren Kugeln aus Kunststoff-Granulat getroffen werden. Doch manchmal wankt ein Kegel nur an Ort und Stelle, fällt aber nicht.

Ähnlich verhält es sich mit der Existenz der Kegelbahnen. Zwar steht ihre Zukunft auf wackligen Beinen, da die Nachfrage nach ihnen rückläufig ist. Sie ist aber noch vorhanden, wie eine Umfrage bei den Kegelbahnbetreibern im Toggenburg zeigt. Somit besteht die Hoffnung, dass die wackligen Beine, auf denen die Zukunft der Kegelbahnen steht, nicht gleich vollständig einknicken.

«Kegelbahn ist ein schönes Zusatzangebot»

Nachfragen bei Toggenburg Tourismus, Gastro Toggenburg sowie Internetrecherchen haben ergeben, dass im Tal sechs Kegelbahnen in Betrieb sind. Diese sind einigermassen gleichmässig verteilt: Zwei Bahnen befinden sich im unteren Toggenburg, zwei im Gebiet Neckertal und Hemberg und zwei im Obertoggenburg.

Deren Betreiber betonen alle, dass das Angebot geschätzt und auch mehr oder weniger regelmässig genutzt werde. «Für uns lohnt sich die Kegelbahn. Sie ist ein schönes Zusatzangebot», sagt Franz Abt, Wirt im «Landhaus» Bazenheid. Der Wirt führt zwar keine genaue Kostenrechnung, anhand derer sich sagen lässt, ob die Bahn rentiert. Er hält aber fest:

«Gruppen nutzen die Bahn regelmässig, im Winter natürlich mehr als im Sommer.»

Auch Private und Betriebe würden kegeln, allerdings eher sporadisch. «Gerade Betriebe schätzen die Kegelbahn, um Weihnachtsessen oder Sitzungen mit ein wenig Sport aufzulockern», sagt Franz Abt. Für die Revision kommt jeweils eine Firma aus Luzern vorbei. Zum Unterhalt gehören Dinge wie Polieren und Wachsen. Die Kegelbahn im Landhaus steht seit 1964. Gemäss Franz Abt ist deren Schliessung für ihn kein Thema.

Die Bahn des Grossvaters

Im Gasthaus/Pension Frohwies in Hemberg steht seit 1959 eine Kegelbahn. «Mein Grossvater hat die Bahn gebaut. Ursprünglich war sie als Schlechtwetterprogramm für die Kurgäste gedacht. Diese gingen aber mit der Zeit zurück», sagt Christian Müller, Besitzer und Geschäftsführer der «Frohwies». Dennoch hätten seine Frau und er sich nie überlegen müssen, ob sie die Bahn behalten. «Kürzlich haben wir das Gebäude mit der Kegelbahn renoviert. Sie ist ein echter Mehrwert», sagt Christian Müller. An Familienfesten, bei denen Kinder dabei seien, komme die Kegelbahn besonders gut an.

Auch im Neckertal, genauer in St.Peterzell, wird gekegelt. «Gerade weil das Kegeln vom Aussterben bedroht ist, wird das Angebot sehr geschätzt», sagt Valentino Dusini, Geschäftsführer des Gasthauses Hörnli. Er habe regelmässig Reservationen von verschiedenen Gruppen. «Überwiegend handelt es sich dabei um ältere Leute. Doch es kommen auch mal Schüler vorbei, um zu kegeln», so Dusini.

Roland Hofstetter, Pächter des Hotel-Restaurants Sternen sagt:

«Die Verschworenen wollen immer noch kegeln.»

Man spüre aber die Konkurrenz, welche durch die aufstrebenden Bowlingcenter entstanden ist. Die Bahn im «Sternen» werde zwischen drei- bis zehnmal in der Woche genutzt, wobei letzteres nur im Winter mal vorkomme.

Hinweis der Redaktion

Die Verantwortlichen der «Traube» in Bazenheid und des «Hirschen» in Wildhaus waren für eine Auskunft nicht erreichbar.

Kein Nachwuchs in Sicht

Heinz Jakob, Präsident des Sportkegler-Verbands St.Gallen. (Bild: PD)

Heinz Jakob, Präsident des Sportkegler-Verbands St.Gallen. (Bild: PD)

Was bei allen Kegelbahnen-Betreiber durchdringt, ist die Tatsache, dass vor allem ältere Leute regelmässig kegeln wollen. Eine Tendenz, die der Sportkegler-Verband St.Gallen (SKVSG) bestätigen kann. «Mit 62 Jahren bin ich immer noch unter dem Altersdurchschnitt der Sportkegler», sagte Heinz Jakob, Präsident des SKVSG Anfang März gegenüber dem «St.Galler Tagblatt». In der Region St.Gallen gibt es noch fünf von einst elf Kegelbahnen. Bowling sei für Junge attraktiver, was den Sportkeglern wehtue, so Heinz Jakob.

Dies obwohl Bowling in der Tendenz teurer ist. In den Bowlingcentern Sonnmatt bei Wil und in Buchs bezahlt man für eine Bahn pro Stunde gut 40 Franken. Die Kegelbahnen im Toggenburg kosten zwischen 15 bis 30 Franken in der Stunde.

Im Toggenburg sind keine Meisterschaften möglich

Der Sportkeglerverband St.Gallen (SKVSG) hat ein schweres Los. Im ganzen Kanton gibt es noch 68 Sportkegler, wie SKVSG-Präsident Heinz Jakob gegenüber dem «St.Galler Tagblatt» sagte. Sein Vorstandskollege Rolf Hagen ist einer von fünf Toggenburger Sportkeglern im Kanton. Der Bazenheider amtet im SKVSG als Kassier und kegelt seit 25 Jahren. «Wir sind eine überalterte Gesellschaft, es kommt schlicht kein Nachwuchs nach», sagt der 65-Jährige.

Viel Zeit und Geld sind nötig, damit die Bahnen bespielbar sind

Rolf Hagen und seine vier Kegelfreunde gehören dem Kegelklub Murg an. Trainieren tun sie in Dussnang, denn im Toggenburg gibt es weder einen Kegelklub noch eine Bahn, auf der Meisterschaften ausgetragen werden könnten. «Das ist fast schon tragisch. Wir würden gerne auf einheimischen Bahnen wettkampfmässig kegeln. Doch im Toggenburg ist dies leider nicht möglich», sagt Rolf Hagen. Als Hauptgrund, weshalb die hiesigen Bahnen nicht meisterschaftstauglich sind, nennt er den Aufwand für die Betreiber. Dieser sei zeitlicher, technischer und nicht zuletzt finanzieller Natur. So würden bei den Bahnen im Toggenburg etwa Schreibautomaten fehlen. Ausserdem litten die Kegelbahnen unter der Nutzung von Hobbykeglern, weil diese zu scharf schiessen würden. «Es muss viel Zeit und Geld investiert werden, damit die Bahnen bespielbar sind. Deshalb ist es am besten, wenn ein Kegelklub fix zu einer Bahn gehört», sagt Rolf Hagen.

Die Lage in der Ostschweiz und national ist kritisch Die Situation der Sportkegler in der Ostschweiz ist kritisch. Der Thurgau hat keinen eigenen Sportkeglerverband mehr, weshalb auch Thurgauer Kegelklubs mittlerweile dem SKVSG angehören. Dem Schweizerischen Sportkegler-Verband gehören 13 kantonale Verbände an. (tik)

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