Oberuzwil
Gülle-Kompromiss ausgehandelt, doch einige machen die Faust im Sack

Der zweite Nachtrag zum Ausbringen von Jauche in Oberuzwil passt nicht allen. Doch das Referendum wurde nicht ergriffen. So bleibt das Verbot, am Wochenende Jauche auszubringen.

Philipp Stutz
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Güllen soll in Oberuzwil am Wochenende verboten sein. Wird die Gülle aber mit Schleppschläuchen ausgebracht, darf auch noch am Samstagmorgen gedüngt werden.

Güllen soll in Oberuzwil am Wochenende verboten sein. Wird die Gülle aber mit Schleppschläuchen ausgebracht, darf auch noch am Samstagmorgen gedüngt werden.

Symbolbild: Boris Bürgisser

«Wir sind in Güllen. Wir riechen’s an der Luft, an der Güllener Luft», sagen die beiden Eunuchen Koby und Loby in Friedrich Dürrenmatts tragischer Komödie «Der Besuch der alten Dame». Ob an jenem fiktiven Ort Jauche ausgetragen wurde, ist unklar. In Oberuzwil aber hat das Güllen während der wärmeren Jahreszeit zu einer Kontroverse geführt. Denn der Geruch von Jauche kann das Freizeitvergnügen erheblich einschränken. Das Zusammensein beispielsweise an Grillabenden in Gärten und auf Balkons kann getrübt werden.

Der Gemeinderat zeigte Verständnis für Reklamationen aus der Bevölkerung und erliess ein Jaucheverbot für das Wochenende. Vor diesem Entscheid hatte die Behörde den Kontakt mit Landwirten gesucht, auf eine Vernehmlassung hingegen verzichtet. «Das war vielleicht ein Fehler», räumte Gemeindepräsident Cornel Egger damals ein.

Das Reglement sah vor, dass Bauern im Sommer an Wochenenden keine Jauche mehr auf landwirtschaftlich bewirtschaftete Felder austragen dürfen. In einem ersten Nachtrag zum Reglement über Ruhe, Ordnung und Sicherheit wurde festgeschrieben, dass der Jaucheaustrag zwischen dem 1. Mai und dem 30. September jeweils von Freitagmittag um 12 Uhr bis und mit Sonntag um 24 Uhr verboten ist. Diese Regelung galt sinngemäss auch an Feiertagen. Ein Referendum gegen diesen Beschluss kam nicht zustande. Lediglich 46 Stimmberechtigte haben eine Urnenabstimmung verlangt. Das Quorum lag bei 300 Unterschriften.

Einschränkung ging einzelnen Landwirten zu weit

Doch die beschlossene Einschränkung ging einigen Personen aus landwirtschaftsnahen Kreisen zu weit. Im Hinblick auf die Witterung wollten Bauern weiterhin für Ausnahmefälle die Flexibilität haben, Gülle auch am Samstag auszubringen. Ob die Jauche auf Felder verteilt werden kann, sei vom Wetter und nicht vom Wochentag abhängig, argumentierten die Landwirte.

Während der Referendumsfrist wurden deshalb verschiedene Gespräche geführt, unter anderen mit einer Delegation des Gemeinderats. «Gesucht und gefunden wurde ein Kompromiss, der sowohl die Anliegen der Landwirtschaft als auch der Gesamtbevölkerung soweit möglich berücksichtigt», lautet die Mitteilung des Gemeinderats.

Positive und negative Rückmeldungen

Cornel Egger, Gemeindepräsident Oberuzwil, CVP

Cornel Egger, Gemeindepräsident Oberuzwil, CVP

Bild: PD

Auf den gemeinderätlichen Entscheid des eingeschränkten Jaucheaustrags gingen auf der Gemeindeverwaltung verschiedene Rückmeldungen ein, positive und negative. Danach wurden sowohl mit Gegnern als auch mit Befürwortern nochmals Gespräche geführt. Diese mündeten in den vorliegenden Reglementsnachtrag Nummer zwei.

Der Kompromiss sieht vor, dass der Jaucheaustrag während des Sommers an Wochenenden am Freitag erst ab 18 Uhr verboten ist. Im Sinne einer Ausnahmeregelung wird der emissionsarme Jaucheaustrag via Schleppschlauchsystem neu bis Samstagmittag um 12 Uhr gestattet.

Dieser zweite Nachtrag unterstand dem fakultativen Referendum. Die Frist lief am Donnerstag, 21. Januar, ab. Das fakultative Referendum wurde nicht genutzt. Der Gemeinderat wird an einer nächsten Sitzung den Vollzugsbeginn des zweiten Nachtrags festlegen.

Landwirte sind nur bedingt zufrieden

Diskussionen rund um den Jaucheaustrag seien gerade während des Sommers immer wieder ein Thema, sagt Gemeindepräsident Cornel Egger.

«Nun haben wir im vernünftigen Miteinander eine gute Lösung gefunden.»

Eine etwas andere Ansicht vertritt Mathias Städler. Er ist selbst Landwirt und Mitglied eines dreiköpfigen Komitees, das sich für die Belange der Bauern stark machte. «Wir sind mit dem Kompromiss nur bedingt zufrieden», sagt er. Man habe das Gespräch mit dem Gemeinderat gesucht. Doch das Komitee sei in die Enge getrieben worden.

«Der Gemeinderat hielt an seinem Vorschlag fest. Schliesslich gab es keine andere Variante als den nun vorliegenden Kompromiss.»

Das sei zwar eine Verbesserung gegenüber dem ersten Nachtrag, aber dennoch nicht zufriedenstellend.

Plädoyer für eine flächenmässig einheitliche regionale Lösung

Mathias Städler plädiert für eine flächenmässig einheitliche, regionale Lösung. Seiner Ansicht nach hätte man sich bei dieser Frage an der Stadt Wil orientieren sollen. Dort ist im Immissionsschutzreglement unter dem Stichwort Luftreinhaltung festgehalten, dass das Austragen von Gülle an Samstagen und Sonntagen sowie an öffentlichen Ruhetagen nicht zulässig ist.

«Der Freitag aber bleibt in Wil im Gegensatz zu Oberuzwil vom Verbot ausgenommen», betont Städler. Er bedankt sich bei allen Mitbürgern für die Unterstützung. «Wir haben über 500 Unterschriften gesammelt und überraschend viel Zustimmung aus der Bevölkerung erhalten.» Trotzdem habe man auf ein Referendum verzichtet.