GESCICHTE
Er verachtete den Pöbel: Warum sich der letzte Landvogt über das Toggenburg lange behauptete

Die erstaunlich lange politische Laufbahn des letzten Landvogts über das Toggenburg, Karl Müller-Friedberg (1755-1836)

Fabian Brändle
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Karl Müller-Friedberg war der letzte fürstäbtische Landvogt im Toggenburg.

Karl Müller-Friedberg war der letzte fürstäbtische Landvogt im Toggenburg.

Bild: PD

Manche Politkerinnen und Politiker vermögen sich sich verändernden politischen Begebenheiten und Systemwechseln erstaunlich gut anzupassen. Immer wieder erlangen sie hohe Positionen in Politik, Militär oder Verwaltung, sie dienen dem alten Herrn genauso loyal, wie sie dies dem alten gegenüber getan haben. Ein Beispiel dafür ist Karl Müller-Friedberg, von 1792 bis 1798 letzter Landvogt über das Toggenburg.

Sohn eines fürstäbtischen Beamten

Müller-Friedberg wurde im Jahre 1755 in Glarus geboren. Sein Vater war bereits ein hoher Beamter des fürstäbtischen Staates gewesen. Nach Studien der Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Salzburg wurde der Sohn auf Betreiben des Vaters hin Hofkavalier des Fürstabts von St. Gallen und Major.

1782 avancierte er zum Pfalzrat und Obervogt auf Rosenberg im Rheintal, im Jahre 1792 schliesslich zum Landvogt über das Toggenburg. Im Jahre 1774 war die Familie durch den österreichischen Kaiser geadelt worden («von Friedberg»).

Blutvergiessen verhindert

Karl Müller-Friedberg vertrat durchaus aufklärerische, moderne Ideen und machte den unruhigen Toggenburgern Konzessionen, musste aber mit ansehen, wie sich diese 1798 vom Fürstabt lossagten. Der letzte Landvogt übertrug dabei die Regierungsgewalt auf den Landratsobmann und verhinderte wohl Blutvergiessen.

In den Kriegswirren von 1798 bis 1799 trat er als Beschützer der Chorfrauen des Stifts Schänis auf. Anschliessend bemühte er sich erfolglos um eine österreichische Staatsstelle.

Karriere in Helvetik, Mediation und Restauration

Dem ehemaligen Landvogt gelang es indessen, auch im neuen, von Frankreich inspirierten, demokratischeren, zentralistischen Staatswesen der Helvetik (1798-1803) politisch Fuss zu fassen. Er war Mitglied des helvetischen Finanzrates und gehörte zur gemässigten Partei der Unitarier.

Als Senator und Bewunderer Napoleons nahm er im Jahre 1802 an der so genannten Consulta teil und erreichte bei den Verhandlungen mit dem französischen Kaiser die Integrität des neue Kantons St. Gallen. Müller-Friedberg hatte auch während der Mediationszeit (1803-1815) wichtige Posten inne.

Er «überlebte» auch die Restauration (1815-1830) der politischen Verhältnisse durch die grossen Fürstenstaaten am Wiener Kongress, ja, er war sogar als Landammann Vorsitzender des Kleinen und Grossen Rats. Mit dem liberalen Wetterleuchten der Regeneration (1830-1848) war dann seine Laufbahn beendet. Sein autoritärer Führungsstil passte nicht mehr in die Zeit, und Müller-Friedberg war gegen die Volkssouveräniät eingestellt, ja, er verachtete den «Pöbel».