Interview
Gelungene Zeltainer-Saison – nun machen Zelt und Container eine Pause

Die Zeltainer-Saison 2018 ist vorbei, Zelt und Container sind bereits im Winterquartier in Alt St.Johann. Martin Sailer, der Leiter des Kleintheaters in Unterwasser, schaut zufrieden zurück – und mit Begeisterung nach vorne.

Anina Rütsche
Merken
Drucken
Teilen
Martin Sailer aus Unterwasser blickt auf eine weitere erfolgreiche Saison seines Kleintheaters Zeltainer zurück. (Bild: Benjamin Manser)

Martin Sailer aus Unterwasser blickt auf eine weitere erfolgreiche Saison seines Kleintheaters Zeltainer zurück. (Bild: Benjamin Manser)

Knapp 50 Aufführungen sind dieses Jahr im Zeltainer in Unterwasser über die Bühne gegangen. Viele prominente Künstlerinnen und Künstler aus dem In- und Ausland waren im Obertoggenburger Kleintheater zu Gast. Während den Sommerferien haben Kinder aus der Region ein Musical einstudiert und aufgeführt. Im August bot sich Bevölkerung die Möglichkeit, im Rahmen der bereits zur Tradition gewordenen «Open Stage» ihr eigenes Können zu zeigen. Am vergangenen Samstag endete die Saison mit dem Auftritt des Kabarettisten Rolf Schmid.

Am Montag fand der Abbau statt, und schon am Dienstag waren Zelt und Container bereit für den Transport ins Winterquartier in Alt St. Johann. Inmitten der aufwendigen Abbauarbeiten fand Zeltainer-Chef Martin Sailer kurz Zeit für ein Gespräch.

Martin Sailer, wie beurteilen Sie die Zeltainer-Saison 2018?

Ich bin zufrieden, obwohl die Besuchszahlen nicht ganz mit dem bisherigen Rekord von 2017 mithalten können. Das hat wohl damit zu tun, dass heuer einige ganz grosse Namen fehlten, die sonst jeweils fix zum Programm gehörten, beispielsweise das Comedy-Duo Messer & Gabel.

Welche Aufführungen waren dieses Jahr Ihre persönlichen Favoriten?

Ennio Marchetto aus Italien und BlöZinger aus Österreich mochte ich besonders. Ennio Marchetto ist ein Comedian und Verwandlungskünstler, der es blendend versteht, das Publikum mit seinen stets wechselnden Verkleidungen aus Papier und Karton zum Staunen und zum Lachen zu bringen. Auch das Duo BlöZinger mit Robert Blöchl und Roland Penzinger gehört zur Sparte Kabarett. Beide sind aussergewöhnlich gute Schauspieler mit skurrilen Ideen, das gefällt mir.

Welche Aufführungen waren beim Publikum am beliebtesten?

Das waren die Abende mit Mike Müller, Michel Gammenthaler, Simon Enzler, Fabian Unteregger und Rolf Schmid – Schweizer Künstler scheinen den Geschmack des Publikums zu treffen. Aussergewöhnliches erlebte ich bei Mike Müller. Dessen Vorstellung war nach wenigen Stunden ausverkauft.

Welche Aufführungen waren die Tiefschläge der diesjährigen Saison?

Ich selbst schätze die Vorstellungen für Kinder jeweils sehr, doch es hat sich gezeigt, dass diese tendenziell noch zu wenig gut besucht sind. Das ist schade, darum habe ich beschlossen, auf 2019 einiges zu ändern.

Was konkret wird neu?

Hauptsächlich geht es um den Zeitpunkt. Die Kindervorstellungen werden künftig nicht mehr am Mittwochnachmittag, sondern am Sonntag stattfinden. So bietet sich die Möglichkeit, den Besuch mit einem Familienausflug zu verbinden. Ich gehe davon aus, dass sich die Leute am Sonntag eher Zeit nehmen fürs Theater als unter der Woche, daher passe ich das an.

An Kinder hat sich auch die diesjährige Eigenproduktion «Das Geheimnis der sieben Perlen» gerichtet. Wie ist diese verlaufen?

In der letzten Sommerferienwoche wurde geübt, dann gab es zwei Auftritte. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kindervorstellungen klappte hier alles bestens. Es lag wohl daran, dass Mädchen und Buben aus der Gegend an diesem Musical mitgewirkt haben. Deren Verwandte und Freunde sind zur Aufführung kommen, und schon waren die Zuschauerränge voll.

Turnusgemäss organisieren Sie nächstes Jahr wieder eine Eigenproduktion für Erwachsene. Was können Sie hierzu verraten?

Das wird eine super Sache. Daniel Koller, der bereits 2017 bei Dürrenmatts «Besuch der alten Dame» Regie geführt hatte, leitet auch das neue Projekt. Wiederum wollen wir ein Team aus Ostschweizer Laiendarstellern bilden – die Informationen hierzu werden rechtzeitig verbreitet. Mit der Auswahl des Stücks für 2019 sind wir schon weit. Das Ganze ist aber nicht spruchreif, da die definitive Entscheidung noch aussteht.

Auf ein «Public Viewing» mit den Spielen der Fussball-Weltmeisterschaft haben Sie 2018 aus zeitlichen und finanziellen Gründen verzichtet. Wie beurteilen Sie diese Entscheidung rückblickend?

Nach wie vor kann ich dahinter stehen. Der Aufwand fürs «Public Viewing» war stets riesig, dies bei nachlassendem Interesse der Bevölkerung. Ohne die Fussballübertragungen hatte ich während der Zeltainer-Saison viel mehr Zeit für meine Familie, das war extrem schön. Ich schliesse eine Wiederaufnahme des «Public Viewings» zu einem späteren Zeitpunkt aber nicht aus, sofern sich genug Leute bei mir melden, die daran interessiert sind.

Eine Tradition, die Sie fortgeführt haben, ist die «Open Stage», die offene Bühne, auf der alle auftreten dürfen, die das möchten. Wie blicken Sie auf diesen Anlass zurück?

Die «Open Stage» ist eine ideale Plattform für alle, die etwas die zu sagen oder zu zeigen haben. Bei diesem familiären Anlass stammen die Teilnehmer in der Regel aus der nächsten Umgebung. Die «Open Stage» wird es auch 2019 geben.

Welche weiteren Programmpunkte fürs kommende Jahr stehen bereits fest?

Das Programm veröffentliche ich jeweils erst im Februar, daher sage ich dazu noch nichts. Ich kann aber verraten, dass nächstes Jahr mehrere sehr bekannte Namen auf meiner Liste stehen werden. Es ist mir gelungen, einige Kunstschaffende ins Obertoggenburg zu holen, die ich schon seit Ewigkeiten hier engagieren wollte. Ich habe wohl einen Exotenbonus, weil der Zeltainer ein so aussergewöhnlicher Spielort ist. Diesen Vorteil nutze ich immer wieder gerne.