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Fussballclubs sind dringend auf neue Schiedsrichter angewiesen

Frauen und Männer, die sich als Unparteiische zur Verfügung stellen, gibt es immer weniger. Der Notstand an Schiedsrichtern macht sich auch im Thurtal bemerkbar. Einzelne Vereine sind möglicherweise bald gezwungen, drastische Massnahmen zu ergreifen.
Beat Lanzendorfer
Die Schiedsrichter stehen nicht nur im Nebel, sondern häufig auch im Regen und vielfach in der Kritik. Vielleicht mit ein Grund, weshalb viele das undankbare Hobby schon nach kurzer Zeit wieder an den Nagel hängen. (Bild: Steffen Schmidt/freshfocus)

Die Schiedsrichter stehen nicht nur im Nebel, sondern häufig auch im Regen und vielfach in der Kritik. Vielleicht mit ein Grund, weshalb viele das undankbare Hobby schon nach kurzer Zeit wieder an den Nagel hängen. (Bild: Steffen Schmidt/freshfocus)

Ein Schiedsrichter wird mit jährlich 3000 Franken entschädigt, sofern er die Anzahl Pflichtspiele erreicht. Diese Aussage findet sich auf der Website des FC Bütschwil, der auf die kommende Saison 2019/20 dringend auf neue Schiedsrichter angewiesen ist. Sollte die Rekrutierung scheitern, werden dem Fussballclub Mannschaften gestrichen.

Notstand hat sich im letzten halben Jahr verschärft

Beda Suter, Präsident des FC Bütschwil, bestätigt die Meldung: «Wir haben zurzeit effektiv erhebliche Probleme bei der Rekrutierung von Schiedsrichtern. Der Notstand hat sich im letzten halben Jahr verschärft, weil wir aus verschiedenen Gründen zwei Schiedsrichter verloren haben und einer die erforderliche Anzahl von 15 Pflichtspielen nicht erfüllt hat.

Für den im Frühjahr angesetzten Einführungskurs müssen wir drei neue Schiedsrichter anmelden, damit sich in der kommenden Saison wieder gleich viele Mannschaften am Meisterschaftsbetrieb beteiligen können.»

Kirchberg erfüllt gerade einmal die Mindestkriterien

Mit denselben Problemen kämpfen auch andere Vereine im Toggenburg. «Mit aktuell drei Schiedsrichtern bewegen wir uns immer auf Messers Schneide, weil wir das Kontingent aktuell gerade so erfüllen. Sollte durch Krankheit oder Verletzung ein Schiedsrichter die 15 Pflichtspiele nicht erreichen, wird es eng», sagt Stefan Schönenberger, der beim FC Kirchberg für die Betreuung und Rekrutierung der Unparteiischen zuständig ist.

Er bemerkt auch, dass es im vergangenen Sommer nicht möglich war, ein weiteres Juniorinnenteam (FF15) zu melden, weil schlicht und einfach ein Schiedsrichter fehlte. Ein Problem würde sich ebenfalls ergeben, falls die Senioren den Wunsch verspüren, wieder am Meisterschaftsbetrieb teilzunehmen – auch dafür würde der 23. Mann fehlen. Schönenberger verhehlt nicht, dass Vereinsmitgliedern, welche einen Schiedsrichter anwerben, eine Prämie ausbezahlt wird.

«Es gibt kein Allerheilmittel gegen den Mangel»

Etwas optimistischer dürfen Wattwil Bunt, Bazenheid und Neckertal-Degersheim in die (kurzfristige) Zukunft blicken. So erklärt Kurt Schneider, Präsident des FC Wattwil Bunt auf Anfrage: «Zurzeit reichen unsere fünf Schiedsrichter, für die gemeldeten Mannschaften wären vier genügend. Weil zwei unserer Unparteiischen nicht mehr die jüngsten sind, könnte es mittelfristig aber zu einem Engpass kommen.» Ihm ist die Pflege der bestehenden Schiedsrichter wichtig, denn ihm ist bewusst, dass sie einen guten Job verrichten.

Ein Allerheilmittel gegen den Schiedsrichtermangel hat er nicht. Eines ärgert ihn hingegen: «Wir mussten für die Saison 2018/2019 eine Busse von 4000 Franken bezahlen, weil zwei Schiedsrichter ihr Kontingent nicht erfüllten. Der eine war in der Rekrutenschule, der andere hatte einen Fersensporn. Trotz Arztzeugnis zeigte der Verband dafür kein Verständnis.» Er findet, jetzt, wo der Verein wieder einen Schiedsrichter zu viel stellt, hätte der Club einen Bonus verdient, was seitens des Verbandes aber nicht vorgesehen ist.

Nicht ganz alle Vereine haben Engpässe

«Der FC Bazenheid verfügt derzeit über ausreichend Schiedsrichter», sagt Elvis Musliji, der mit seinen 21 Jahren als Unparteiischer den Sprung in die 2. Liga geschafft hat. «Eine Zukunftsprognose ist aber schwierig. Unter Berücksichtigung der aktuellen Vereinsgrösse und des aktuellen Kontingents sollte es in den nächsten Jahren aber zu keinem Engpass kommen.»

Quasi von der Hand in den Mund lebt auch der FC Neckertal-Degersheim. «Momentan verfügen wir über die genau richtig Anzahl Schiedsrichter, damit wir alle unsere Mannschaften melden können. Ein bis zwei Schiedsrichter als Reserve wären natürlich ideal», sagt Stephen Bosshard, seit letztem Jahr Vereinspräsident und immer noch Aktiver in der 1. Mannschaft. Auch der Drittligist entschädigt seine Schiedsrichter nebst den üblichen Spesen bei Spielen jährlich mit einer kleineren Summe. Ausserdem übernehme der Verein die Kosten für neues Schiedsrichtermaterial und leiste einen Beitrag, wenn zusätzliche Schulungen oder Events besucht werden möchten.

Problem besteht schon seit Jahrzehnten

Ebnat-Kappel enthielt sich einer Stellungnahme. Ein Blick auf deren Vereinsangaben beim Ostschweizer Fussballverband lässt aber den Schluss zu, dass auch im Obertoggenburg neue Unparteiische nicht im Übermass vom Himmel fallen. Das Problem ist im Übrigen kein neuzeitliches. Der Mangel an Schiedsrichtern begleitet den Verband und die Vereine seit Jahrzehnten. So ging der Verband vor genau 50 Jahren in die Offensive und konnte Dank einer Werbeaktion 80 neue Unparteiische gewinnen – nachzulesen im Jahresbericht von 1969. Die Wirkung hielt aber nicht allzu lange. Der Schuh drückte bereits wieder in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Nicht ohne Grund beschloss der Ostschweizer Fussballverband ab der Saison 1972/73, dass die Clubs pro 1,75 Mannschaften einen Schiedsrichter zu stellen hätten.

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