Not macht Gewerbe erfinderisch: Gewerbe im Toggenburg und Fürstenland stampft neue Angebote aus dem Boden

Der Corona-Virus hat auch die Wirtschaft fest im Griff. Gewerbler reagieren mit Heimlieferservices und Telefon-Beratungen. 

Fabio Giger
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Gegen die aufkommende Langeweile liefert beispielsweise die Ludothek Degersheim Bücher bis vor die Haustüre.

Gegen die aufkommende Langeweile liefert beispielsweise die Ludothek Degersheim Bücher bis vor die Haustüre.

Bild: Mareycke Frehner

Die Corona-Krise trifft viele Unternehmen hart, gerade auch kleine Betriebe in der Region Wil und im Toggenburg. Trotz Kurzarbeit lassen sich viele Gewerbler nicht unterkriegen. Immer mehr Betriebe entwickeln Ideen, wie sie ihre Kundinnen und Kunden in diesen schwierigen Zeiten dennoch erreichen. Heimlieferservices boomen. Nicht nur bei der Landi und bei Volg. Metzgereien und Bäckereien in der ganzen Schweiz liefern ihre Ware bis vor die Haustüre.

So auch die Metzgerei Gröbli in Dietfurt. «Bis jetzt ist die Nachfrage noch überschaubar. Aber viele Leute zeigen sich begeistert vom Angebot und wollen es nutzen», sagt die Verkäuferin Marlene Krummenacher. Die Fleischware verpackt die Metzgerei in Vakuumbeutel, so hält sie lange. Bezahlen können die Kunden per Rechnung oder in bar. Krummenacher betont:

«Vor allem ältere Personen zahlen fast immer bar. Wenn unser Lieferant Geld in der Hand hatte, desinfiziert er danach die Hände.»

Auf Auslieferung geht immer dieselbe Person, mit dem Fleisch kommt diese aus hygienischen Gründen nie in direkten Kontakt.

Geburtstagskarten auch während der Notlage

Die Auto-Garage Voney in Oberuzwil holt das Auto ihrer Kunden für Servicearbeiten kostenlos ab, wenn es in 20 Fahrminuten erreichbar sei. «Unsere Auftragsbücher sind derzeit ziemlich leer und die Antragsformulare für Kurzarbeit bereits ausgefüllt», sagt Werkstattchef Pascal Schulthess. Denn die Leute trauen sich nicht, ihr Auto zu bringen.

«Wenn wir den Wagen holen, desinfizieren wir das Lenkrad, den Schaltknüppel und den Türgriff und machen Plastikschoner dran. Damit schützen wir unsere Arbeiter und Kunden», erklärt Schulthess. Mit der Aktion wolle man die Reifen-Saison, die jetzt anlaufen würde, retten und die drohende Kurzarbeit abwenden. Darum wird sie auch vom Wirtschaftsportal Ost auf Social Media beworben.

Papeterie hat ein Selbstbedienungsgestell eingerichtet

Bereits Kurzarbeit angemeldet hat die Papeterie Zwingli in Nesslau. Allerdings betrifft das nur eine Angestellte. Geschäftsführerin Manuela Schell hat vor dem Laden ein Selbstbedienungsgestell mit Bastel- und Schulmaterialien, Geburtstags- und Trauerkarten eingerichtet. «Es gibt da einfach alles, was man im Alltag braucht.»

Bisher verkaufte sie noch nicht viel. «Aber das wird noch kommen», ist sich Schell sicher. Grössere Bestellungen nimmt sie per E-Mail oder Telefon auf und stellt sie neben dem Laden zum Abholen bereit. «Wenn jemand eine Heimlieferung wünscht, wäre auch das kein Problem.»

Stilberatung per Telefonanruf

Das sieht Luzia Leuenberger, Inhaberin des Modeladens Vabene an der Oberen Bahnhofstrasse in Wil genauso. Sie bietet ihren Kunden per Telefon, E-Mail oder Whatsapp eine Beratung beim Kleiderkauf an. «Die Kunden schildern mir ihre Vorstellungen für ihre Bekleidung und ich unterbreite ihnen meine Vorschläge mit Foto», schildert die pensionierte Unternehmerin. Die Bestellung legt sie den Leuten dann vor die Haustüre.

Diese Woche hat sie so immerhin schon drei Bestellungen an Land gezogen. «Wenn meinen Kunden etwas nicht passt, können sie es wieder zurückschicken oder ich schalte mich per Face-Time ein. So können wir zu lange Ärmel oder zu weite Hosen zurechtschneidern», erklärt Leuenberger. Sie bietet diesen Service in Eigenregie an. Ihr Personal musste sie nach Hause schicken und Kurzarbeit anmelden.

Apotheken haben viel zu tun

Ganz anders ein paar Meter weiter in der Löwen Apotheke. «Wir stossen an die Grenzen unserer Kapazitäten», sagt die verantwortliche Apothekerin Joëlle Kenel. Die Apotheke beliefert Risikopersonen bis vor die Haustüre  – ab einer Bestellung von 100 Franken sogar gratis. An der Haustüre ist Abstandhalten angesagt. «Aber wir müssen die Menschen immer sehen, damit wir auch sicher das richtige Medikament abliefern», erklärt Kenel. Um das Geschäft sorgt sie sich nicht, aber um Hamsterkäufe. Die Apothekerin appelliert an die Vernunft:

«Wenn sich alle mässigen, ist die medizinische Versorgung jederzeit gewährleistet.»

Für kurze Tage zu Hause sorgt die gemeinschaftliche Bibliothek Ludothek in Degersheim. Marianne Helg und sieben Kolleginnen liefern die nächsten vier Dienstage Bücher, Spiele und DVDs direkt vor die Haustüre. Das Angebot stösst auf Interesse, denn die Kinder haben trotz Hausaufgaben viel freie Zeit zu Hause: «Innerhalb kürzester Zeit zählten wir Reservationen aus 40 Haushalten», berichtet Helg.

Pro Haushalt sind maximal 30 Artikel zugelassen. Für Biblio-Abonnementen ist dieser Dienst gratis. In der Region ist für das seelische und körperliche Wohl also auch während der nationalen Notlage gut gesorgt.

Haben Sie auch Spezialangebote?

Wer als Gewerbetreibender auf seine neuen Online- und Hauslieferdienstleistungen aufmerksam machen will, kann sich via E-Mail (redaktion-toggenburgmedien@chmedia.ch) melden.