Nicht nur der Lieferant sein, sondern die Veredelung selbst in die Hand nehmen: In Brunnadern soll eine Heizzentrale entstehen

Wegen des tiefen Holzpreises planen Brunnödliger Waldbesitzer eine eigene Heizzentrale im Dorf. Um den Betrieb langfristig zu sichern, ist die Gründung einer Fernwärme AG geplant.

Urs M. Hemm
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Am oberen Ende der Steigstrasse in Brunnadern, auf dem Boden eines der Initianten, soll die Heizzentrale gebaut werden. Geplant ist ein Anbau an den Stall, wo jetzt noch die Bäume stehen. Im Vordergrund links verläuft die Wasserfluhstrasse.

Am oberen Ende der Steigstrasse in Brunnadern, auf dem Boden eines der Initianten, soll die Heizzentrale gebaut werden. Geplant ist ein Anbau an den Stall, wo jetzt noch die Bäume stehen. Im Vordergrund links verläuft die Wasserfluhstrasse.

Bild: Urs M. Hemm

Während in Alt St. Johann die Eröffnung ihrer neuen Heizzentrale gefeiert wird, ist eine Gruppe in Brunnadern mitten in den Abklärungsarbeiten, um eben ein solches Projekt bei ihnen im Dorf realisieren zu können. Diese Gruppe – dazu gehören Rolf Mock, Res Näf, Werner Scherrer und Bruno Schweizer – hat sich zum ehrgeizigen Ziel gesetzt, im Sommer 2022 im Rahmen eines Wärmeverbundes eine Heizzentrale in Brunnadern in Betrieb nehmen zu können. Geplant ist die Gründung einer Fernwärme AG.

Bei jedem Holzen Geld draufbezahlen

Der Antrieb für das Projekt kommt nicht von ungefähr. Die Projekt-Initianten sagen dazu:

«Wir alle sind Waldbesitzer und mussten bereits seit längerem feststellen, dass wir unser Energieholz, also Holz, das nicht für den Verkauf an Sägereien geeignet ist und das Schnittholz von Hecken, eigentlich verschenken.»

Die entsprechenden Preise seien zurzeit derart tief, dass bei jedem Holzen eher Geld draufbezahlt werden müsse, als dass damit etwas verdient würde. «So wuchs die Idee, nicht nur mehr Holzlieferant zu sein, sondern die Veredelung selbst in die Hand zu nehmen.»

In diesem Fall heisst das, nicht mehr nur die Holzschnitzel, sondern die daraus gewonnene Wärme zu verkaufen. Die Heizzentrale soll eine Leistung von 700 Kilowatt erbringen und kann somit jährlich rund 2700 Megawattstunden Heizenergie erzeugen.

Kosten sind noch nicht bezifferbar

Aktuell gibt es Interessenten für rund 1450 Megawattstunden, einige Anfragen sind jedoch noch ausstehend. Zudem brauche es eine gewisse Reserve, um Spitzen abfedern zu können, wenn die Aussentemperatur über mehrere Tage deutlich unter null Grad sei.

Die Initianten der geplanten Heizzentrale Brunnadern (von links): Res Näf, Werner Scherrer, Bruno Schweizer und Rolf Mock.

Die Initianten der geplanten Heizzentrale Brunnadern (von links): Res Näf, Werner Scherrer, Bruno Schweizer und Rolf Mock.

Bild: PD

Die Kosten für eine Heizzentrale liessen sich im jetzigen Planungsstadium noch nicht beziffern.

«Um für uns und die zukünftigen Abnehmer die beste Art der Wärmeerzeugung zu finden, lassen wir zurzeit zwei Varianten prüfen.»

Die einfachere – und die im Toggenburg die meist angewandte – ist die herkömmliche Holzschnitzelheizung. «Der Vorteil an diesem Modell ist, dass es sich bereits hundertfach bewährt hat, die Technik, die Zahlen und die Erfahrungswerte existieren und die Berechnungen für unser Projekt entsprechend einfach sind», sagen die Initianten.

150'000 Liter Heizöl sparen

Die zweite Variante, die Pyrolyseanlage, ist weit weniger verbreitet, sodass nicht einfach Modellrechnungen aus der Schublade gezogen werden können. Bei der Pyrolyse wird aus Energieholz Kohle hergestellt. Die Initianten erläutern:

«Während mit der Abwärme aus diesem Verfahren das Fernwärmenetz betrieben wird, kann die so gewonnene Kohle im Gartenbau und in der Landwirtschaft als Bodenverbesserer eingesetzt werden.»

So könne neben der Energie auch die Kohle verkauft und ein zusätzlicher Mehrwert geschaffen werden.

Die Pyrolyse sei im Vergleich zur Holzschnitzelheizung in der Endabrechnung ökologischer. «Einerseits brauchen wir zur Herstellung der Kohle mehr Hackschnitzel, was wir durch regionale Lieferanten mehr als ausreichend abdecken können.» Andererseits werde bei der Pyrolyse im Vergleich zur Holzschnitzelheizung nicht nur CO2 eingespart, sondern durch die Herstellung von Kohle zusätzlich eingelagert.

«Eine geplante Leistung von 700 Kilowatt ergibt eine Heizöleinsparung von jährlich etwa 150'000 Liter. Bei einer Holzschnitzelheizung würde dies einer Verminderung der CO2-Produktion von rund 440 Tonnen entsprechen.

Mit dem Pyrolyse-Verfahren würden zusätzlich dazu noch einmal 750 Tonnen CO2 in der Kohle eingelagert», rechnen die Initianten vor. Welche Variante aber am Ende die wirtschaftlich und ökologisch bessere sei, müssten die laufenden Abklärungen ergeben.

Dorf von Emissionen freihalten

Bezüglich des möglichen Standorts der Heizzentrale wurden bereits verschiedene Varianten geprüft. In Frage kamen unter anderem eine Parzelle an der Gewerbestrasse und ein Teil des Fabrikgebäudes der Brunaplast. Schliesslich habe sich aber der Standort bei der Familie Werner Scherrer am oberen Ende der Steigstrasse als ideal erwiesen. Dort könnten die Heizzentrale und die Schnitzelbunker direkt an das bestehende Betriebsgebäude angebaut werden.

Zudem würde das Dorfzentrum von Emissionen gänzlich ausgenommen. Die Initianten erläutern:

«Der Nachteil ist zwar, dass es längere Leitungen braucht. Die Vorteile, vor allem in Bezug auf den Verkehr bei der Anlieferung von Holzschnitzeln und je nach Variante beim Abtransport der Kohle, sprechen eindeutig für diesen Standort.»

Da dieser Standort in der Landwirtschaftszone liegt, hätten bereits erste Sondierungsgespräche mit den zuständigen Ämtern des Kantons stattgefunden, die, obwohl natürlich noch keine Bewilligung vorliege, grünes Licht für die weitere Planung gegeben haben.

Die definitive Bewilligung wäre an diverse Auflagen geknüpft, wie beispielsweise eine Beschränkung der Lieferwege. «Damit hätten wir jedoch keine Probleme, weil der ökologische Gedanke voll und ganz unserem Verständnis und unserer Philosophie entspricht», versichern die Initianten.