Nicht mal jedes zehnte Bett ist belegt: Notstand bringt Hoteliers aus der Region in Notlage

Zurzeit hüten sich alle zuhause vor dem Coronavirus. Hotels in der Region bekommen das zu spüren.

Fabio Giger
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Wegen dem Coronavirus gibt es in der ganzen Schweiz viele freie Betten, wie hier im Gästehaus Sonne.

Wegen dem Coronavirus gibt es in der ganzen Schweiz viele freie Betten, wie hier im Gästehaus Sonne.

Die Schweiz steht weitestgehend still. Alle sind angehalten, sich nicht weiter zu bewegen als unbedingt nötig. Folglich geht derzeit kaum jemand auf Geschäftsreise oder in die Ferien. Auch Tagungen oder Seminare werden verschoben. Schweizer Hotels dürfen weiter geöffnet haben, ihre Betten bleiben aber kalt.

Laut einer Umfrage von Hotelleriesuisse, dem Unternehmerverband der Schweizer Beherbergungsbranche, wurde landesweit fast jede zweite Buchung für März und April storniert. Neun von zehn Hotelliers haben bei Neubuchungen herbe Rückgänge zu verkraften.

Die Umsatzeinbussen wegen Corona werden sich bis Ende März allein in der Hotellerie auf bis zu 450 Millionen Franken summieren. Davon bleiben auch die Region Wil und das Toggenburg nicht verschont.

Rössli wäre ausgebucht gewesen

Das Hotel Schwanen in Wil.

Das Hotel Schwanen in Wil.

Fabio Giger

«Aufgrund des Bundesratsentscheids vom 16. März, bleibt unser Hotel und Restaurant bis am 18. April 2020 geschlossen», heisst es auf dem Telefon-Band des Hotel Schwanen in Wil. «In den letzten 14 Tagen kam eine Stornierung nach der anderen», sagt Georges Amstutz, Inhaber des Hotels am Schwanen-Kreisel.

Einzig ein Pärchen aus dem Kosovo hatte er letzte Woche noch beherbergt. Sie steckten in der Schweiz fest und konnten nicht nach Hause reisen. Mittlerweile sind sie aber in einem anderen Hotel. Seine 22 Angestellten, darunter drei Lehrlinge, musste Amstutz heimschicken und Kurzarbeit anmelden.

Noch nicht komplett geschlossen, aber derzeit ohne einen einzigen Gast ist das Hotel Rössli in Tufertschwil, oberhalb von Lütisburg. Gastgeberin Estehr Thalmann: «Dabei wäre das Hotel letzte Woche an zwei Tagen komplett ausgebucht gewesen». Aber diverse Tagungen wurden abgesagt und Gäste aus dem Ausland trauen sich nicht mehr auf Schweizer Boden.

Schnelle Besserung ist nicht in Sicht

Aufgetischt im Rössli Tufertschtwil

Aufgetischt im Rössli Tufertschtwil

Mareycke Frehner

«Zehn Tage lang arbeitete ich nur, um Stornierungen entgegenzunehmen», sagt Thalmann. Die Gastgeber geben sich aber kulant: «Wir wollen, dass Stammgäste in den nächsten Jahren wieder zu uns kommen.» Das Personal versuchte man so lange wie möglich mit anderen Arbeiten zu beschäftigten. Aber eben: «Geputzt hatten wir im Winter schon. Irgendwann ist alles sauber.»

Das Gästehaus Sonne in Bütschwil kommt ohnehin mit wenig Personal aus: Empfangen wird man, ganz futuristisch, von einem Computer-Automaten direkt neben dem Eingang. Eingecheckt wurde da auch schon häufiger als in diesem Monat. «Wir beherbergen noch einige Bauarbeiter der Umfahrungen Bütschwil und Wattwil», sagt Brigitte Widmer.

Büetzer aus dem Ausland kommen derzeit aber fast keine mehr. Besserung ist so bald nicht in Sicht: Für die «Sonne» wichtige Wochenenden wie das internationale Seilziehfest in Mosnang oder diverse Hochzeiten im Frühsommer könnten auf der Kippe stehen.

Lehrlinge halten den Betrieb aufrecht

Roland Stump

Roland Stump

Mareycke Frehner

Für die Gäste im Stump’s Alpenrose, so hält der Besitzer Roland Stump fest, ist eine Übernachtung mit reduziertem Frühstücksbuffet buchbar. Das Mittagessen erfolgt im Take-Away-Stil, das Nachtessen dafür normal. Nur «Social Distancing» gilt es einzuhalten.

Um das Infektionsrisiko zu minimieren, arbeitet und isst sein verbliebenes Personal gestaffelt. Dieses besteht zum grössten Teil aus Lernenden. «Wir haben die Verpflichtung sie auszubilden und kommen dem auch nach», informiert Stump. Er schätzt, dass ihm wegen dem nationalen Notstand insgesamt 130'000 Franken entgehen.

Gratis-Übernachtungen für Pflegepersonal

Auch Direktor René Meier vom Hotel Uzwil lässt Zahlen für sich sprechen: «Wir hätten im März eine Auslastung von 70 Prozent gehabt, jetzt sind es noch acht bis 10 Prozent. Das Viersternehotel bleibt von Montag bis Freitag trotzdem geöffnet – für Ärzte, Mitarbeitende aus dem Gesundheitswesen und Hilfstruppen sogar kostenlos. Meier sagt:

«Es ist wichtig, dass sich die Leute, die in Spitälern und Praxen im Dauereinsatz sind, optimal erholen können».

Das Restaurant ist zwar geschlossen, die Hotel-Gäste werden aber wie gewohnt verpflegt. Damit sich der Küchenbetrieb rechnet, richtete Meier zusätzlich einen Heimlieferdienst ein. «Wir wollen so unseren Beitrag zur Bewältigung dieser Situation leisten», erklärt Meier. Zudem kann er so immerhin einen Teil seiner 27 Angestellten beschäftigen. Kurzarbeit musste der Hoteldirektor, so wie die meisten seiner Branchen-Kollegen, trotzdem anmelden.

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