Das neue Jahr bringt für den Verein Zentrum Wattwil alte Herausforderungen

Der Verein Zentrum Wattwil hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Ruhiger wird es 2019 nicht. Mitte Jahr sind die ersten Baustellen im Zentrum zu erwarten. Der Verein denkt auch bereits wieder an Weihnachten.

Ruben Schönenberger
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Das Wattwiler Zentrum wird sich in der nächsten Zeit verändern, auch diese Kreuzung wird nach der Umgestaltung anders aussehen. (Bild: Ruben Schönenberger)

Das Wattwiler Zentrum wird sich in der nächsten Zeit verändern, auch diese Kreuzung wird nach der Umgestaltung anders aussehen. (Bild: Ruben Schönenberger)

Vor Wattwil liege «ein vollgepacktes Jahr mit einigen Herausforderungen», nachdem man gerade erst ein ereignisreiches Jahr mit einem «Schicksalstag» hinter sich gebracht habe. Marc Bohnenblust, Geschäftsführer des Vereins Zentrum Wattwil, machte schon einleitend zum Zentrum-Znüni am Freitagmorgen im «Thurpark» klar, dass es entscheidende Zeiten für die Toggenburger Zentrumsgemeinde sind.

Der Schicksalstag, den Bohnenblust anspricht, war der Abstimmungssonntag am 25. November. Damals sagten 55,5 Prozent der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger Ja zur Umgestaltung der Bahnhof- und der Poststrasse im Wattwiler Zentrum. Durch die attraktivere Gestaltung soll die Zentrumsgemeinde auch dann noch zum Besuch locken, wenn die zweite Etappe der Umfahrung abgeschlossen ist und Wattwil komplett umfahren werden kann.

Erste Baustelle schon in diesem Jahr

Die ersten Schritte hin zu einem attraktiveren Zentrum könnten schon dieses Jahr ausgeführt werden, wenn Vorarbeiten an der Kanalisation durchgeführt werden sollen. Gemäss Bohnenblust ist der Zeitraum von Mai bis Juli dafür vorgesehen. «Es gibt dann eine Baustelle mit Ampelregime», sagte er. Die Ebnater­strasse sei dann aber befahrbar und könne als Entlastung dienen.

Während der Bauarbeiten will der Verein Zentrum Wattwil die in der eventuellen Sommerhitze wartenden Autofahrer mit Gratis-Wasser versorgen. Für die Anwohnerinnen und Anwohner ist eine Baustellen-Zeitung zu Informationszwecken angedacht.

Teil- und Vollerfolge im vergangenen Jahr

Die Umgestaltung der zentralen Strassen war jedoch nicht das einzige Thema des Rück- und Ausblicks. Offen schilderte Bohnenblust, was im vergangenen Jahr geglückt ist und was weniger. So bezeichnete er beispielsweise die Aktion «Pimp dein Haus» als halben Erfolg. Damit sollten Hausbesitzer mittels eines Zustupfs ermuntert werden, ihre Fassaden aufzufrischen. «Es gab immerhin siebeneinhalb Anfragen», sagte Bohnenblust. «Und drei Vergabungen.»

Ebenfalls als Teilerfolg bezeichnete er die Hauptversammlung mit Sommerfest. Während die Hauptversammlung gut über die Bühne gegangen sei, sei das Sommerfest «etwas männerlastig» gewesen. Die Idee des Vereins, dass die Mitglieder mit Partnerin oder Partner an der HV beziehungsweise am Fest danach teilnehmen, sei nicht aufgegangen. «So gross werden wir nächstes Jahr nicht mehr auffahren», folgerte Bohnenblust.

Nachtverkauf war eine «geglückte Operation»

Als vollständig «geglückte Operation» bezeichnete der Geschäftsführer des Vereins den Nachtverkauf im Frühling. Der Verein habe im Vorfeld ein Rahmenprogramm gesucht, das als Dach dienen kann und das auch auswärtige Gäste anzuziehen vermag. Das habe man mit dem Beachvolleyball-Turnier geschafft. «Die Zusammenarbeit mit Volley Toggenburg hat gut geklappt», zeigte sich Bohnenblust erfreut. In diesem Jahr soll der Nachtverkauf mit einer Live-Modenschau und einem Oldtimer-Defilee über die Bühne gehen.

Ebenso als geglückt bezeichnete er die RockXmas, den erstmals in dieser Art durchgeführten Weihnachtsmarkt. «Das war für uns eine Riesenkiste, in die wir viel Energie und Geld gesteckt haben», sagte Bohnenblust. Es sei ein guter Anlass gewesen, der Verein habe viele gute Rückmeldungen erhalten, «trotz des sehr bescheidenen Wetters». Entsprechend wolle man auch 2019 eine RockXmas durchführen. Bohnenblust sagte dazu mit einem Schmunzeln:

«Singing in the rain ist es dann hoffentlich nicht mehr.»

Auch sonst könnte es zu einigen kleineren Korrekturen kommen. Denn auch kritische Voten seien nach der diesjährigen Austragung zum Verein gelangt. Diese hätten beispielsweise die Strassensperrungen oder die Lautstärke sowie die Auswahl der Musik betroffen. Der Verein wolle den Anlass aber weiterhin nutzen, um Wattwil im Toggenburg und der weiteren Region ins Bewusstsein zu bringen. Im Verdrängungswettbewerb sei es umso wichtiger, als regionales Zentrum gesehen zu werden. Man müsse die Leute neugierig machen, nach Wattwil holen und dann verwöhnen. Bohnenblust beschrieb den nötigen Effort für die Zentrumsgemeinde so:

«Es ist wie eine Eishockey-Playoff-Runde, die wir aber mit einem Lächeln bestreiten.»

Neben den grossen Aktionen will der Verein auch weiterhin viel Kleinarbeit leisten, so zum Beispiel in der Vernetzung der Mitglieder. Dafür nötig ist indes ein beachtliches Budget. Angedacht sind Ausgaben von rund 200'000 Franken, wovon 20'000 noch aufzutreiben seien. Folglich ist die Stärkung der finanziellen Basis eines der Jahresziele des Vereins. Sollte das nicht gelingen, müsste man eine Verzichtsplanung ins Auge fassen.

Nutzen einer Mitgliedschaft besser aufzeigen

Zum Abschluss der morgendlichen Veranstaltung wollte Bohnenblust im Namen des Vereinsvorstands von den anwesenden Mitgliedern Anregungen, Lob und Kritik abholen. Der Vorstand sei oft in einer Art Vakuum unterwegs, weil die Rückmeldungen fehlten. In der Diskussion zeigte sich aber schnell, dass die geleistete Arbeit geschätzt wird. «Man spürt, dass etwas geht», fasste es einer der Teilnehmenden zusammen. Verbesserungspotenzial sehen die Mitglieder in der Wahrnehmung. So sei zum Beispiel auch die Gegend auf der anderen Seite des Rickens interessant und könnte für die Bewerbung besser berücksichtigt werden.

Vermehrt war zudem zu hören, dass der Verein besser aufzeigen sollte, wo der Nutzen einer Mitgliedschaft liegt. Eine Variante dazu könnte eine Karte der im Verein vertretenen Geschäfte sein. Eine solche könnte auch dazu führen, dass jene Geschäfte besser frequentiert werden, die eine periphere Lage aufweisen. Denn schliesslich stehe das «Zentrum» im Vereinsnamen für das regionale Zentrum Wattwil und nicht bloss für das Zentrum des Dorfs.

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Ruben Schönenberger