Neuer Heimleiter des «Hofwis» in Mosnang: Nach Schicksalsschlag in den Sozialbereich gewechselt

Daniel Gehrig hat am 1. Februar die Stelle als Leiter des Alters- und Pflegeheims Hofwis im Mosnang angetreten. Er fühlt sich bereits wohl, hat aber auch Respekt vor der Verantwortung. Trotz eines schweren Unfalls als Zimmermann ist der Wiler fit und will oft mit dem Velo zur Arbeit.

Timon Kobelt
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Daniel Gehrig, der neue Heimleiter des Pflegeheims Hofwis in Mosnang, ist ob seiner verantwortungsvollen Stelle zwar nervös, kalte Füsse bekommt er aber nicht. Hier steht der 52-Jährige inmitten des verschneiten Demenzgartens des Heims. (Bild: Timon Kobelt)

Daniel Gehrig, der neue Heimleiter des Pflegeheims Hofwis in Mosnang, ist ob seiner verantwortungsvollen Stelle zwar nervös, kalte Füsse bekommt er aber nicht. Hier steht der 52-Jährige inmitten des verschneiten Demenzgartens des Heims. (Bild: Timon Kobelt)

Das Alters- und Pflegeheim Hofwis steht in dieser Woche seelenruhig inmitten der verschneiten Landschaft Mosnangs. In Kombination mit dem Sonnenschein und den neuen, hellen Fluren gibt sie ein eindrückliches Bild ab. Noch neuer als die hellen Flure, die Ende Mai 2018 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurden, ist die Besetzung des Büros mit der Anschrift Heimleitung

Seit dem 1. Februar hat der Wiler Daniel Gehrig die Stelle des Heimleiters inne, die er von Johny Wehrli übernommen hat. Davor hatte er einige Einführungstage im Hofwis absolviert. Obwohl er offiziell erst eine knappe Woche hier arbeitet, fühlt er sich bereits sehr wohl. Einerseits, weil ihn sowohl das Team als auch die Betriebskommission des Pflegeheims sehr herzlich empfangen hätten. Andererseits wegen der beschriebenen Umbauten. «Ich muss sagen, der Um- und Ausbau des Heims ist wirklich gelungen. Es ist gemütlich, aber nicht altbacken», sagt der 52-Jährige. Ausserdem sei das Haus modern und mit der neusten Technik ausgestattet.

Die Möglichkeiten besser nach aussen tragen

Daniel Gehrig hatte noch keine Zeit, mit allen Mitarbeitenden detaillierte Gespräche zu führen. Und doch spüre er seit seiner Ankunft bereits ein Anliegen heraus. «Ich glaube, es besteht ein Bedürfnis, dass wir uns noch mehr zeigen. Jetzt, da dieses Haus ausgebaut und renoviert ist, können wir uns in der Öffentlichkeit anders vermarkten und noch besser aufzeigen, was wir für Möglichkeiten haben und unsere Qualitäten und Kompetenzen nach aussen tragen», sagt Gehrig.

Damit ist man sofort beim Thema angelangt, dass der Gemeinderat von Mosnang aus dem Zweckverband Solino aussteigen will. Ausserdem wurden im Dorf jüngst Stimmen laut, welche die Qualität des Mosnanger Alters- und Pflegeheims anzweifeln. Daniel Gehrig möchte kein politisches Statement abgeben. Er sagt so viel: «Als ich die Zusage für die Stelle erhielt, war die Diskussion noch nicht auf dem Tapet. Aber es wäre für mich kein Grund gewesen, abzusagen.» Das Hofwis als Institution und Mosnang als Ortschaft hätten ihn überzeugt. Er möge das Ländliche sehr. Nochmals auf die Debatte bezüglich Wirtschaftlichkeit und Qualität des Hofwis angesprochen, antwortet Gehrig, dass gerade die Wirtschaftlichkeit für die meisten kleineren Pflegeheime eine Herausforderung sei.

In seinem Team habe er in der kurzen Zeit bereits festgestellt, dass es einen sehr kollegialen Umgang pflegt. «Es sind alle mit sehr viel Herzblut bei der Sache, was auch unsere Bewohnerinnen und Bewohner spüren und zu ihrem Wohlbefinden beiträgt», sagt Gehrig. Die Voraussetzungen, den Menschen im höheren Alter nochmals ein Zuhause zu bieten, seien gegeben.

Schwerer Unfall als Zimmermann

Auch bei Daniel Gehrig selbst sind die Voraussetzungen vorhanden, um das hiesige Alters- und Pflegeheim erfolgreich zu leiten. Zuvor arbeitete der 52-Jährige während 17 Jahren in der Therapeutischen Wohngemeinschaft Hofberg Wil unter anderem als Leiter Tagesstruktur und stellvertretender Heimleiter. Vor drei Jahren schloss er die Führungsausbildung «Institutionsleitung» bei Curaviva Schweiz erfolgreich ab. Er wisse zwar, dass er das nötige Rüstzeug mitbringe, «trotzdem war ich recht nervös». Seine Verantwortung sei in Mosnang höher, da er hier für rund 40 Mitarbeitende verantwortlich sei. In Wil waren es elf.

Dass Daniel Gehrig heute im Sozialbereich tätig ist, hat mit einer «schicksalhaften Fügung» zu tun, wie er sagt. Der gelernte Hochbauzeichner schloss später eine Zusatzausbildung als Zimmermann ab. Während dieser Tätigkeit stürzte er vom Dach und verletzte sich schwer am linken Bein, oder, wie er selbst es ausdrückt:

«Alle Bänder im Bein, die reissen können, waren auch gerissen.»

Zudem trug Gehrig Knochen- und Knorpelschäden davon. «Es gab nicht mehr wirklich eine Verbindung, die in meinem Bein etwas zusammengehalten hat», sagt er.

Neuer Start im Sozialwesen

Aufgrund des Unfalls musste er das Arbeiten rund zwei Jahre sein lassen. Er war sogar eine Zeit lang gehbehindert. Während dieser zwei Jahre war er als Hausmann tätig. «Das Positive an der Situation war, dass ich viel Zeit mit meinen Kindern verbringen konnte, die damals noch nicht schulpflichtig waren», sagt er. Da eine Weiterführung seiner Arbeit auf dem Bau unmöglich war – einst befürchtete Daniel Gehrig gar, er müsse von der IV leben – machte er sich Gedanken über seine Zukunft.

«Das Sozialwesen hat mich schon immer interessiert und während der zwei Jahre als Hausmann hat sich der Wunsch, in diese Branche zu wechseln, verstärkt», erzählt Gehrig. 1998, im Alter von 31 Jahren, begann er mit der Ausbildung zum Pflegefachmann Psychiatrie HF. «Ich war nicht einmal der Älteste in der Klasse», sagt er schmunzelnd.

Mit dem E-Bike von Wil nach Mosnang

Der 52-jährige Familienvater, der geschieden ist und nun in einer festen Partnerschaft lebt, freut sich auf seine weitere Arbeit in Mosnang. Mit seinen inzwischen erwachsenen Kindern Anouk und Jan hat er schon an den verschiedensten Orten gewohnt, «die teilweise noch ländlicher waren als Mosnang».

Aufgewachsen ist Daniel Gehrig in Wil, wo er auch heute wieder zu Hause ist. In seiner Freizeit kocht der Wiler gerne, wobei er immer wieder Neues ausprobiere. Ausserdem macht er gerne Sport, sofern es das Bein zulässt. Velofahren, Joggen und Laufen gingen wieder recht gut. Das trifft sich gut, denn sobald es wärmer wird und weniger Schnee liegt, will er den Arbeitsweg nach Mosnang mit dem E-Bike zurücklegen.

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