Neue Vereinbarung für das Seniorenzentrum in Bütschwil: Solino will ambulantes Angebot ausbauen

Das Seniorenzentrum in Bütschwil revidiert die Vereinbarung des Zweckverbands nach dem Austritt von Oberhelfenschwil. Ambulante Angebote und die Spitex sollen ausgebaut werden.

Dinah Hauser
Drucken
Teilen
Das Seniorenzentrum Solino in Bütschwil ist ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer Toggenburger Gemeinden.

Das Seniorenzentrum Solino in Bütschwil ist ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer Toggenburger Gemeinden.

Bild: PD

Das Seniorenzentrum Solino in Bütschwil steht im Umbruch. Nach dem Austritt von Oberhelfenschwil aus dem Zweckverband und dem zwischenzeitlich im Raum stehenden Austritt von Mosnang hat der Verwaltungsrat die Vereinbarung einer Totalrevision unterzogen. Wenn eine Gemeinde aus dem Zweckverband austritt, dann brauche es sowieso eine Revision, sagt Markus Brändle, Leiter des Seniorenzentrums und Vertreter der Geschäftsleitung im Verwaltungsrat.

Die neue Vereinbarung habe der Verband im vergangenen Jahr mit den verbleibenden Trägergemeinden Bütschwil-Ganterschwil, Lichtensteig, Lütisburg, Wattwil und Mosnang erarbeitet. Eine Auflösung des Zweckverbandes respektive die Gründung einer neuen Trägerschaft stand nicht zur Debatte. Brändle sagt:

«Mit den verbleibenden Gemeinden ist man zum Schluss gekommen, dass sich die Rechtsform Zweckverband für die Trägerschaft bewährt hat.»

«Somit waren die Voraussetzungen gegeben, die Zweckverbandsvereinbarung von 2003 einer Totalrevision zu unterziehen und den zukünftigen Bedürfnissen anzupassen.»

Ziel sei, dass auch das Solino vorgelagerte durchlässige Angebote anbieten könne. Nebst dem bestehenden stationären Dienstleistungen sollen Angebote für das Wohnen im Alter, Wohnen mit Serviceleistungen, betreutes Wohnen und für Spitexleistungen geschaffen werden – alles aus einer Hand, sagt Brändle. Wo nötig kann dies auch im Rahmen von Kooperationen mit anderen Organisationen und Institutionen im Bereich Alter und Gesundheit geschehen, wie der versandten Medienmitteilung zu entnehmen ist. Brändle erklärt die Vorteile des angestrebten Dienstleistungsmodells: «Eine betagte Person muss nicht mehr den Wohnort beziehungsweise die Wohnung wechseln und die Betreuung bis zum vollständigen Pflegefall ist gewährleistet.»

Geschichte des Solino

Der Zweckverband zum Betrieb eines Alters- und Pflegeheims wurde am 11. April 1973 gegründet, 1979 wurde das Seniorenzentrum eröffnet. Anfangs waren acht Gemeinden beteiligt: Bütschwil, Ganterschwil, Mosnang, Lichtensteig, Wattwil, Krinau, Lütisburg und Oberhelfenschwil. Durch die Fusion der Gemeinden Bütschwil und Ganterschwil sowie Krinau und Wattwil wurden die Vertragsüpartner auf sechs reduziert.

Im Sommer 2018 kommunizierte der Verwaltungsrat des Zweckverbandes eine umfassende Sanierung und Erweiterung des Seniorenzentrums Solino. Im selben Sommer kündigte Oberhelfenschwil den Austritt aus dem Verband an. Auch in der Gemeinde Mosnang wurde daraufhin über einen möglichen Austritt diskutiert. Die Bürger hatten aber den Gemeinderat im vergangenen Dezember an der Bürgerversammlung zurückgepfiffen. Markus Brändle, Leiter des Seniorenzentrums sagte damals, dass ein möglicher Austritt der Gemeinde Mosnang viel mehr ins Gewicht gefallen wäre als derjenige von Oberhelfenschwil. Die Gemeinde Mosnang halte eine Beteiligungsquote von 14 Prozent, die Gemeinde Oberhelfenschwil eine solche von 2 Prozent. Er zeigte sich erfreut über das Bekenntnis von Mosnang zum Gemeinschaftswerk Solino. (dh)

Grundlage für künftige Projekte

Bei der Revision sei vor allem der Zweckartikel angepasst worden. Bisher war das Angebot des Solino beschränkt auf stationäre Aufenthalte sowie einige externe Dienstleistungen wie etwa den Mahlzeitendienst. Brändle sagt:

«Langfristig ist aber ein rein stationäres Angebot nicht mehr zielführend.»

Zudem schafft sich der Verband mit der neuen Vereinbarung die Grundlage für die geplante Strategie «Solino 2025+». Diese ist bereits im Sommer 2018 angekündigt worden. Demnach soll unter anderem ein neuer Trakt entstehen und mit dem bestehenden Gebäude über eine Passerelle verbunden werden. Den erforderlichen Projektierungskredit wird der Delegiertenversammlung am 2. April 2020 beantragt, wie von Brändle zu erfahren ist.

Im Rahmen der Überarbeitung der Zweckverbandsvereinbarung wurde auch die Zusammensetzung des Verwaltungsrats sowie der Kontrollkommission diskutiert. Neu soll jede Verbandsgemeinde Anrecht auf je einen Sitz im Verwaltungsrat sowie in der Kontrollkommission erhalten – unabhängig von der Beteiligung, heisst es in der Mitteilung. Damit werde ein grösstmögliches Mitspracherecht aller Verbandsgemeinden sichergestellt.

Das Präsidium bleibt auch künftig in der Standortgemeinde Bütschwil-Ganterschwil, welche mit 59 Prozent die grösste Beteiligungsquote aufweist. Auch die Zusammensetzung der Delegiertenversammlung bleibt ohne Veränderung: die 20 Sitze werden entsprechend der Höhe der Beteiligung der Verbandsgemeinden verteilt. Die von der Gemeinde Oberhelfenschwil freiwerdende Beteiligungsquote von 2 Prozent wird an die Gemeinde Lichtensteig übergehen.

Gemeinderäte und Kanton müssen noch zustimmen

Der Verwaltungsrat des Solino hat die neue Zweckverbandsvereinbarung nach zwei Vernehmlassungsverfahren bei den zuständigen Behörden der beteiligten Verbandsgemeinden und der Vorprüfung durch das zuständige kantonale Amt bereits bereinigt und verabschiedet. Die Vereinbarung bedarf aber noch der Zustimmung der Gemeinderäte der fünf Zweckverbandsgemeinden und muss dem fakultativen Referendum unterstellt werden. Erst mit der abschliessenden Genehmigung durch den Kanton wird die neue Zweckverbandsvereinbarung rechtskräftig. Der Verwaltungsrat geht daher davon aus, dass für die ordentliche Delegiertenversammlung vom 2. April noch die bisherige Zweckverbandsvereinbarung zur Anwendung kommt.