Neu St.Johanner Konzerte gehen trotz Corona weiter: Der grosse Besucherandrang blieb jedoch aus

Am Sonntag spielte Michael Risch auf beiden Orgeln der Klosterkirche. Um die 25 Besucherinnen und Besucher liessen sich vom Spiel des Hauptorganisten der Seelsorgeeinheit Oberes Toggenburg beeindrucken.

Cecilia Hess-Lombriser
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Michael Risch, Hauptorganist in der Seelsorgeeinheit Oberes Toggenburg an der Chororgel.

Michael Risch, Hauptorganist in der Seelsorgeeinheit Oberes Toggenburg an der Chororgel.

Bild: Cecilia Hess-Lombriser

Annelise Bolt und Käthi Gutgsell übernahmen vor der vergangenen Saison die Organisation der Neu St. Johanner Konzerte. Sie starteten erfolgreich – auch wenn das letzte und vierte Konzert im Frühling der Pandemie zum Opfer fiel. Es sollte als Auftakt zur neuen Saison nachgeholt werden, doch dieses Mal war eine Musikerin erkrankt.

Michael Risch, seit über fünf Jahren hauptamtlicher Organist der Seelsorgeeinheit Oberes Toggenburg, sprang in die Bresche. Er frischte einige Werke in seinem Repertoire auf und bot ein gehörfälliges, abwechslungsreiches Orgelkonzert.

Einstieg auf der über 300 Jahre alten Orgel

Die beiden Organisatorinnen zeigten sich flexibel und initiativ. «Es ist uns wichtig, in dieser Zeit etwas anbieten zu können», sagten sie am Sonntagabend vor dem Konzert. Sie hatten alle Vorkehrungen getroffen und darum gebeten, sich für das Konzert anzumelden. Die Teilnehmerzahl war, vorschriftsgemäss, auf 50 Personen beschränkt. Halb so viele wurden schliesslich gezählt. Die treuen Konzertbesucherinnen und -besucher erschienen mit Maske. Und weil Michael Risch nicht mit Mund-Nasen-Schutz spielen konnte, verzichtete er auf einen Registrateur. So wurde er auch zum Handwerker, wenn er unter Geklapper die Registerzüge herauszog. Und die Noten hatte er so zusammengeklebt, dass er wenig blättern musste.

Michael Risch begann sein Konzert auf der Chororgel. Der Klang war damit etwas weiter weg für die Zuhörenden. Er spielte alte Meister. Werke von Johann Caspar Ferdinand Fischer und Dietrich Buxtehude. «Buxtehude wollte ich unbedingt auf der Chororgel spielen, weil er zur Zeit des Baus dieser Orgel lebte. Ihr Klang passt dazu», verriet der Organist.

Orgel in Neu St. Johann vor Kathedrale St. Gallen

Die Tastatur der 1691 gebauten Orgel ist kurz, die Anordnung der weissen und schwarzen entsprechend der damaligen Zeit. Eine Herausforderung für den Organisten. Und aus diesen wenigen Tasten und den Pedalen holte er Erstaunliches heraus. Die Töne schafften Weite, verströmten Tröstendes. Liebliches und Bewegtes in warmen Tönen nahm die Zuhörenden in die Resonanz hinein. Musik kann verändern.

Annelise Bolt (links) und Käthi Gutgsell organisieren die Neu St. Johanner Konzerte in ihrer zweiten Saison.

Annelise Bolt (links) und Käthi Gutgsell organisieren die Neu St. Johanner Konzerte in ihrer zweiten Saison.

Bild: Cecilia Hess-Lombriser

Gut möglich, dass sich Musik entsprechend der jeweiligen gesellschaftlichen Lage verändert, dass sie anders gehört wird, anders verstanden. In Neu St. Johann tat sie auf jeden Fall gut. Für den grösseren Konzertteil wechselte Michael Risch auf die grosse Orgel, die in der ursprünglichen Form 1779/1780 von Michael Grass und Johannes Wirthensohn aus Vorarlberg gebaut wurde. Damals hatte nicht einmal die Kathedrale St. Gallen eine Emporenorgel. Inzwischen ist das Orgelwerk mehrmals verändert und restauriert worden; letztmals 1988. Der Anlass für die Gründung der Neu St. Johanner Konzerte.

Von Bach bis Toggenburger Hausorgeltänze

Hüpfend, springend und verspielt war der Auftakt mit der «Fantasia in G-Dur» von Johann Sebastian Bach. Dieses Werk gehört zu seinen bekanntesten und meistgespielten Orgelwerken und besteht aus drei Teilen mit unterschiedlichem Charakter. Ein Brausen folgte der Verspieltheit. Die Orgelklänge füllten den Raum. Variantenreich setzte sich das Werk fort. Michael Risch liess ihm zwei weitere von Bach folgen: «Meine Seele erhebet den Herrn» (BWV 648) und «Kommst du nun, Jesu vom Himmel herunter» (BWV 650). Hell klingende Töne, himmlische Klänge zauberte der Organist hervor. Es folgte das schöne und tragende «Präludium und Fuge in C-Moll, op. 37/1» von Felix Mendelssohn-Bartholdy und das «Präludium in As-Dur, op. 76/3» von Joseph Bernhard Schiedermayr.

Und etwas Toggenburger Hausorgeltanzmusik musste auch noch sein. Elsbeth Forrer schreib das «Feststück in C-Dur» 1855. Unbeschwerte Musik. Erinnerungen an sich drehende Figuren und «Chilbi». Kräftig und temperamentvoll endete das Konzert. Mit dem kurzen Titel «Sonata in La Maggiora» hat Giacomo Puccini ebenfalls etwas Tänzerisches und Fröhliches geschaffen. Und Michael Risch entliess damit eine kleine, zufriedene Zuhörerschaft in die Herausforderungen der Zeit.

«Konzerte sind jetzt Lichtblicke»

Anneliese Bolt hat seit der Saison 2019/20 die musikalische Leitung der Neu St. Johanner Konzerte inne. Ihr zur Seite steht Käthi Gutgsell für das Administrative. Ihre Tochter, Jahanna Gutgsell, pflegt die Website.

Aus dem Hause Gutgsell stammt die Idee zu den jährlichen Konzerten. Hansjürg Gutgsell, ehemaliger Hauptorganist der katholischen Pfarrei Neu St. Johann rief sie 1988 ins Leben, als die grosse Orgel fertig restauriert worden war. Während 25 Jahren hatte er das Programm organisiert. Annelise Bolt und Käthi Gutgsell übernahmen die Leitung von Markus Meier und Stefan Hug. «Wir wollten, dass die Konzerte weiterleben», sagten sie vor dem ersten Konzert in ihrer zweiten Saison.

Sie bleiben der Tradition der klassischen, sakralen und volkstümlichen Musik treu. «Es darf auch mal unterhaltend sein, wie dies sicher beim nächsten Konzert vom 17. Januar mit dem Trio Pegasus der Fall sein wird. Das gibt es Perlen der Volksmusik, wehmütige Klänge aus dem Balkan, feurige Tangos aus Argentinien und, zum Teil unbekannte, eigens für das Trio eingerichtete Werke aus der Klassik. Die Musikinstrumente sind Violine, Hackbrett und Orgel und Akkordeon.»

Annelise Bolt ist Dirigentin von Kirchenchören, Chorsängerin, Soranistin und erteilte während 25 Jahre im Obertoggenburg Musikalische Grundschule, Blockflöte und Xylofon. Sie bekommt teilweise Anfragen für Konzerte, sie hat selber viele Kontakte oder andere Leute geben einen Tipp. Ohne finanzielle Unterstützung wären die Konzerte unmöglich. Die katholische Kirchgemeinde Neu St. Johann unterstützt sie, Kultur Toggenburg und die Raiffeisenbank Obertoggenburg auch. Es gibt zudem viele treue Konzertbesucherinnen und -besucher. «Darüber sind wir sehr froh.» Unter der verordneten Auflage, höchstens 50 Personen einzulassen, wird die Organisation erschwert. «Die Finanzen trifft es eindeutig. Wir müssen die Konzerte einfach durchstehen. Für die nächste Saison haben wir auf jeden Fall bereits zwei Zusagen», freuen sich die Frauen und sind grundsätzlich zuversichtlich. «Konzerte sind jetzt Lichtblicke.» (hlo)