Nesslau: Willi Valotti und seine Suche nach dem verlorenen Akkordeon

Der Volksmusiker Willi Valotti wollte ein Handorgelmodell, dessen Bau eingestellt wurde, nachkonstruieren. Dazu reiste er in die Hochburg des Akkordeonbaus.

Flurina Lüchinger
Drucken
Teilen
Willi Valotti in seiner Werkstatt. Impressionen während dem Stimmen einer  seiner nachgebauten Cardinal. (Bild: Flurina Lüchinger)

Willi Valotti in seiner Werkstatt. Impressionen während dem Stimmen einer seiner nachgebauten Cardinal. (Bild: Flurina Lüchinger)

Mit fünf Jahren bekam Willi Valotti sein erstes «Örgeli». Sein Onkel Ernst Zweifel hatte es ihm geschenkt. In den ersten vier Tagen schepperte es jedoch einige Male die Treppe hinunter und die Akkordeonkarriere wurde noch einmal für ein Jahr stillgelegt. Im nächsten Jahr schenkte derselbe Onkel dem kleinen Willi wiederum ein Örgeli und diesmal konnte man den Bub vom Instrument überzeugen. Mittlerweile gilt er als einer der berühmtesten Volksmusiker der Schweiz.

Durch Walter Grob die Cardinal kennen gelernt

Lange hat Valotti mit Akkordeons der Marke Hohner gespielt. Auch seine ersten beiden Handorgeln waren Modelle dieser Marke. In den 60er-Jahren traf Valotti den Volksmusiker Walter Grob. So lernte er die zwar unbekannte, aber qualitativ hochwertige Ziehharmonika Cardinal kennen.

Walter Grob hat 1959 die Kapelle Heirassa gegründet. Zehn Jahre nach der Gründung wurde Walter Grob von Willi Valotti abgelöst. Bis das Instrument von seinem Vorgänger ihn jedoch wirklich überzeugt hat und er selber auf die Cardinal umgestiegen ist, hat es eine Weile gedauert. Grob hat auch einen Toggenburger Ursprung. Er ist in Lichtensteig geboren. Grob und Valotti haben zwar in der Kapelle Heirassa nie miteinander gespielt, doch die beiden sind während knapp 20 Jahren immer wieder als Duo aufgetreten.

Stetig ist Valotti durch ebendieses Zusammenspiel mit Walter Grob der Cardinal begegnet. Doch erst als Grob ihm das Instrument zum Stimmen überliess, ist der Funke endgültig übergesprungen. Valotti hatte das Instrument etwa drei Wochen bei sich, und während dieser Zeit hat er gemerkt, dass «es schon passt und ein schönes Instrument ist», sagt er. Valotti hat darauf eine Occasion desselben Modells, wie Grob eines hatte, erworben.

Leute zeigten Interesse für die Cardinal

Als Volksmusiker habe er schon eine gewisse Reichweite, sagt er. So sei es gekommen, dass immer mehr Leute nach dem Modell gefragt hätten, Interesse gezeigt hätten oder mitunter wirklich eine Cardinal kaufen wollten. Valotti ist den vielen Nachfragen nach der Jahrtausendwende nachgegangen und musste feststellen, dass die Produktion der Cardinal eingestellt wurde. Ihn hat es aber gepackt mit der Idee. So begann die Reise hin zum Nachbau der Cardinal mit einem Besuch in Castelfidardo in Italien. Castelfidardo ist berühmt für seine Akkordeonbaufirmen. In der Blütezeit des Akkordeonbaus gab es bis zu 100 Hersteller. Heute sind es noch etwa 20. Früher waren viele der Akkordeonhersteller sogenannte Ein-Mann-Betriebe. Diese Ein-Mann-Betriebe sind jedoch grösstenteils verschwunden, weil sie ökonomisch nicht rentieren.

Der Volksmusiker Willi Valotti mit Blick gegen die Churfirsten. Das Lachen auf seinem Gesicht ist der Bergkette zu verdanken. (Bild: Flurina Lüchinger)

Der Volksmusiker Willi Valotti mit Blick gegen die Churfirsten. Das Lachen auf seinem Gesicht ist der Bergkette zu verdanken. (Bild: Flurina Lüchinger)

Valotti kannte den Namen der Firma, die die Cardinal ursprünglich hergestellt hat. Sie heisst 07, italienisch ausgesprochen «zero sette». Inzwischen gab es bei 07 aber ein Wechsel der Geschäftsleitung und nur noch ein älterer Mitarbeiter konnte sich so richtig an die Cardinal erinnern. Die anderen Mitarbeitenden kannten das Instrument nur noch vom Hörensagen. Valotti hat sich also mit der neuen Geschäftsleitung zusammengesetzt. Es wurden Vorschläge und Gegenvorschläge diskutiert. Zwischenzeitlich wollte Valotti die Cardinal sogar doch bei einer anderen Firma nachbauen lassen, kehrte aber schlussendlich zu 07 zurück. Die originale Cardinal wurde mehrmals in der Firma Castelfidardo gelassen, damit die Nachbauer das Original vor Augen hatten. Die Kommunikation mit der Firma habe mal besser und mal schlechter funktioniert, sagt Valotti. Der Inhaber kann Deutsch, aber um mit den Arbeitern zu reden, hat Valotti jeweils einen Freund, der Italienisch kann, mitgenommen. «Durch meine Tätigkeit als Stimmer kenne ich das Instrument sehr gut. Das hilft, damit man nicht übers Ohr gehauen wird», sagt Valotti.

Der erste Prototyp der neuen Cardinal sei sehr zufriedenstellend gewesen. Für Valotti war auch klar, dass er das Modell wieder Cardinal nennen würde, wie das ursprüngliche Instrument. Woher dieses den Namen hat, ist aber bis heute nicht genau bekannt.

Zwölf Modelle der Cardinal Nummer zwei wurden bis heute verkauft. «Das Instrument hat einen sehr satten Klang. Dies macht die Leute an meinen Konzerten aufmerksam auf die Cardinal», sagt Valotti. Es seien aber schon grösstenteils Freunde und Bekannte von ihm, die das Instrument spielen. Valotti steht laufend im Kontakt mit 07 und auf Anfrage werden noch einige Modelle der Cardinal Akkordeonisten und Akkordeonistinnen erfreuen.