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Toggenburger Macher für Bern – der Nesslauer Gemeindepräsident Kilian Looser kandidiert für den Nationalrat

Er habe «Xunde-Menscheverstand», sagt Kilian Looser über sich. Damit will er künftig im Nationalrat politisieren.
Sabine Camedda
Seit über acht Jahren ist Kilian Looser Gemeindepräsident von Nesslau. (Bild: Sabine Camedda)

Seit über acht Jahren ist Kilian Looser Gemeindepräsident von Nesslau. (Bild: Sabine Camedda)

«Ein Wahnsinn.» Mit diesem Stichwort beschreibt Kilian Looser den Aufwand, den einige Nationalratskandidaten für den Wahlkampf betreiben. Hunderttausende von Franken würden diese aufwenden. Nicht so Kilian Looser. Er verschickt einige Wahlflyer, dazu säumen Plakate die Strassen – vorab im Toggenburg.

«Ich gebe für den Wahlkampf nicht sehr viel Geld aus. Ich will mir kein Mandat erkaufen», lautet seine Begründung. Seine Haltung unterstreicht er mit seiner Unterschrift auf dem «St.Galler Wahlmanifest für unbestechliche Politik». Damit ist er verpflichtet, nach den Wahlen keine neuen Mandate von Unternehmen, Verbänden und Organisationen anzunehmen.

Gerade neu gewählten Nationalräten würden lukrative Mandate angeboten. Im Gegenzug werde von ihnen verlangt, sich für die Anliegen dieser Unternehmen einzusetzen. «Sie verkaufen ihre Seele. Das ist in der Politik aber komplett daneben», erklärt Kilian Looser.

«Man muss doch Politik wegen der Sache machen – weder wegen des eigenen Egos noch wegen des Geldes.»

Das ganze System muss im Gleichgewicht sein

Die politischen Abläufe hat Kilian Looser sowohl als Gemeindepräsident als auch als Kantonsrat kennen gelernt. Welche Rolle zieht er vor? «Ich bin ein Macher», antwortet er. Etwas bewegen, sich für die Sache einsetzen und die Gemeinde, den Kanton oder die Schweiz voranbringen, das ist es, was ihn an den Ämtern reizt.

Kilian Looser bezeichnet sich als einen «bodenständigen und authentischen Menschen». Dies befähige ihn für ein Amt in einem Parlament. Und sein «Xunde-Menscheverstand», abgekürzt «XMV». «Würde jeder Politiker mit gesundem Menschenverstand agieren und bei der Sache bleiben, gäbe es mehr gute Lösungen», ist er überzeugt. Darum brauche es zwingend einen Toggenburger im Nationalrat, der würde eben diesen «XMV» mitbringen.

Das Toggenburg käme nicht zu kurz

Kilian Looser ist sich bewusst, dass er von den Wahlberechtigten in der Region Toggenburg unterstützt wird. Sollte er gewählt werden, müsste er für das Wohl und die Interessen des ganzen Kantons schauen. «Das Toggenburg käme trotzdem nicht zu kurz», verspricht er. Genau darin sieht er Parallelen zu seiner Aufgabe als Kantonsrat. Würde er dort nur das Interesse seines Wohnorts Stein vertreten, dann hätte er sein Amt falsch verstanden.

«Das ganze System muss austariert sein, sei es nun im Kanton oder in der Schweiz», findet Kilian Looser und führt aus: «Es darf nicht sein, dass einer alles hat. Nur wenn es allen gut geht, geht es auch dem gut und das ist letztlich das Wichtigste», sagt er. Von seinem Amt im Kantonsrat weiss Kilian Looser auch um die Wichtigkeit der Vernetzung, und zwar über die Parteigrenzen hinaus. In vielen Fragen stünden die Toggenburger nicht allein da. Andere Regionen hätten dieselben Interessen. Diese gelte es zu bündeln, sagt er.

Politik nicht nur getreu des Parteibüchleins

Angesprochen auf seine Grundhaltung, verweist Kilian Looser auf die drei Buchstaben seiner Partei. «Ich bin in der FDP, das sollte genug aussagen», ist er der Meinung, nur um gleich nachzuschiessen: «Ich politisiere aber nicht nur getreu des Parteibüchleins.»

Einige seiner Ansichten unterscheiden sich von der Parteilinie. So will Kilian Looser, dass die Wirtschaft funktioniert und die Schweiz nicht nur als Sozialstaat funktioniert. Einer der wichtigsten Grundpfeiler dafür sei das Bildungswesen. «Dieses ist in der Schweiz sehr gut und funktioniert auch bestens», ist Kilian Looser überzeugt.

Mit dem Hintergrund einer guten Bildung kann der Schweizer Bürger Eigenverantwortung übernehmen, ein weiteres Schlagwort im politischen Verständnis des Nesslauer Gemeindepräsidenten. Unter diesem Gesichtspunkt sieht er die aktuelle Debatte um die Klimapolitik.

«Wie oft wird einem gesagt, was man sollte? Doch wer ist ‹man›? Hier muss jeder selbst ansetzen und Verantwortung übernehmen.»

Er ist überzeugt, dass in Forschung und Entwicklung noch viel Potenzial steckt. Es werde zwar schon vieles gemacht, aber letztlich müsse jeder sich überlegen, was er selbst zum Klimaschutz beitragen könne. «Beim Einkaufen und beim Reisen kann jeder Eigenverantwortung übernehmen», nennt er zwei Beispiele.

Die Krankenkassenprämien sind zu hoch

Eigenverantwortung könnte auch das Rezept in der Gesundheitspolitik sein. «Jeder hat es selbst in der Hand, sich und seinem Körper etwas Gutes zu tun», sagt Kilian Looser. Die Krankenkassenprämien findet er zu hoch, gerade für Familien seien diese eine grosse finanzielle Belastung. «Warum muss eine Krankenkasse überhaupt Gewinn machen?», fragt er.

Er glaubt nicht, dass der Nationalrat derzeit gute Lösungen in der Gesundheitspolitik finden könne, denn viele würden ein Interesse vertreten. Das Gesundheitswesen habe noch mehr Lobbyisten in Bern als die Bauern, sagt Kilian Looser. Er sähe durchaus Möglichkeiten für eine Senkung der Gesundheitskosten. Beispielsweise wenn die Kantone in ihrer Spitalpolitik weniger den Kantönligeist verfolgen würden.

Wobei wir bei der kantonalen Politik gelandet wären. Diese liegt ihm sehr am Herzen und darum werden die Wahlplakate auch im kommenden Frühjahr für Kilian Looser werben. «Es ist ein spezielles Gefühl, wenn ich mein Porträt auf den Plakaten sehe», gibt er zu. Aber derzeit kennt er keine effizientere Lösung für den Wahlkampf.

Zur Person

Der 50-jährige Kilian Looser ist gelernter Wirtschaftsinformatiker. Er war zehn Jahre lang selbständig tätig, dann arbeitete er als Führungskraft bei einer Grossbank. Im Jahr 2011 wurde er zum Gemeindepräsidenten von Nesslau gewählt. Seit 2015 ist er Kantonsrat. Er lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Stein.

Welche Fahne würden Sie sich vor das Haus hängen?
Die Schweizer Fahne mit dem Kreuz ist ein starkes Symbol und die Toggenburger Fahne gefällt mir gut. Ich würde aber keinen Fahnenmast vor mein Haus stellen, das würde nicht passen.

Welches Buch nehmen Sie auf eine einsame Insel mit?
Die Bücher von Gisbert Haefs über Alexander den Grossen. Der Autor schreibt nachvollziehbar, wie Geschichte stattgefunden hat und wie aus Landschaften und Heeren die heutigen Staaten entstanden sind.

Was sagt Ihre Frau, wenn Sie gewählt werden?
«Du hast das gewollt.» (sas)

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