Nesslau erarbeitet sich mit dem Raumkonzept eine Idee von der Ortsplanung

Der Gemeinderat stellt ein Raumkonzept für die Gemeinde Nesslau vor. Dieses dient als Grundlage für weitere Instrumente der Raumplanung. Die Bevölkerung kann sich dazu äussern.

Sabine Camedda
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Am Beispiel des Bühls wird sichtbar: Die äusserste Häuserzeile legt den Rand des Siedlungsgebiets fest und grenzt dieses klar ab. (Bild: Sabine Camedda)

Am Beispiel des Bühls wird sichtbar: Die äusserste Häuserzeile legt den Rand des Siedlungsgebiets fest und grenzt dieses klar ab. (Bild: Sabine Camedda)

Der Ball liegt bei den Gemeinden. Ihre Aufgabe ist es, die Bestimmungen des eidgenössischen Raumplanungsgesetzes (RPG) und des kantonalen Planungs- und Baugesetzes umzusetzen. Nesslau hat diese Arbeit aufgenommen und in einem ersten Schritt ein Raumkonzept erstellt.

«Das gibt uns eine Vorstellung, wie die weiteren Instrumente wie der Richtplan, der Zonenplan und das Baureglement aussehen könnten», erklärte Gemeindepräsident Kilian Looser an der Vorstellung des Raumkonzepts am Dienstag.

Das Raumkonzept beinhaltet verschiedene Themen. Für jedes Dorf und für einige Gegenden wurde das Siedlungsgebiet definiert. Die Abgrenzung sei durch die äusserste Häuserzeile klar vorgegeben, sagte Raumplaner Balz Bodenmann. Für die zukünftige Entwicklung gebe es verschiedene Strategien.

Vier Strategien für die Innenentwicklung

Die Innenentwicklung in den Siedlungen ist an vielen Orten ein Thema. So soll in den bestehenden Bauzonen mehr Wohnraum geschaffen werden. Raumplaner Balz Bodenmann führte vier Strategien aus, mit denen diese sogenannte Innenentwicklung erreicht werden kann.

Unter Bewahren (Strategie 1) verstehen Raumplaner, dass die Strukturen einer Siedlung erhalten werden. Mit Umbauten und Erneuerungen kann Wohnraum aufgewertet und erweitert werden.

Von Aufwerten (Strategie 2) wird gesprochen, wenn bestehende Gebäude aufgestockt oder mit einem Anbau erweitert werden. Auch das Füllen von Baulücken fällt in diese Strategie.

Die Weiterentwicklung (Strategie 3) ist eine andere Option für den Siedlungsraum. Darunter verstehen Raumplaner beispielsweise Erweiterungen unter Einbezug von bestehenden Gebäuden.

Der massivste Eingriff ist das Umstrukturieren (Strategie 4). Dabei werden bestehende Liegenschaften komplett abgebrochen und an deren Stelle entstehen Neubauten. 

Eine leichte Verdichtung durch Aufwertung ist überall möglich, sagte er. «Im Raumkonzept wurde nun definiert, wo wir bewahren wollen und wo eine Weiterentwicklung oder eine Umstrukturierung möglich und sinnvoll ist.»

Grün ums Haus herum soll bleiben

Am meisten Entwicklungsmöglichkeiten sieht der Gemeinderat in Nesslau-Neu St.Johann. Gerade beim Bahnhof könne eine Innenentwicklung stattfinden. Dennoch sollen Einfamilienhausquartiere, wie es sie heute gibt, bewahrt werden.

In Krummenau soll der alte Ortsteil ebenfalls bewahrt werden. Rund um den Bahnhof gebe es aber Potenzial fürs Umstrukturieren, sagte Balz Bodenmann.

In Stein soll der schöne Dorfkern bewahrt bleiben. Das Raumkonzept sehe aber vor, die Haltestellen des öffentlichen Verkehrs zentraler zu legen. In Rietbad und in Ennetbühl, wo das Ortsbild unter Schutz steht, sollen wenig verändert werden können.

Im Bühl schliesslich sieht der Gemeinderat die Möglichkeit, den öffentlichen Aussenraum zu stärken, indem er besser zugänglich und verschönert wird. «Wir können und wollen nicht überall verdichten», fasste Kilian Looser zusammen.

«Wir sind uns gewohnt, dass wir rund ums Haus etwas Grünes haben. Das ist Wohnqualität.»

Auszonung kommt erst im nächsten Schritt

In der Diskussion ging es vordergründig um das Thema Auszonung. Gemäss den Vorgaben des RPG muss die Gemeinde Nesslau acht Hektaren Bauland auszonen. Es werde erst im zweiten Schritt, beim kommunalen Richtplan, darum gehen, die Parzellen zu definieren, die ausgezont werden müssen, erklärte Kilian Looser.

Mit dem Raumkonzept sei aber der Siedlungsraum klar definiert worden. «Was ausserhalb von diesem ist, wird wohl zuerst zurückfallen», sagt er. Dass es zu Härtefällen kommen wird, glaubt der Gemeindepräsident nicht.

«Wir wollen die Rückzonung so verträglich wie möglich machen und mit gesundem Menschenverstand abwickeln.»

Hinweis

Das Raumkonzept ist bis Ende September im dritten Stock des Gemeindehauses Nesslau einzusehen. Rückmeldungen nimmt Gemeindepräsident Kilian Looser entgegen.