Neckertals Wasserwart Harry Graf ist auch für Notsituationen gewappnet: «Ich bin auf alles gefasst»

Nach zwei Monaten im Amt als Wasserwart zieht Harry Graf ein erstes Fazit. Seit er sich beruflich mit Trinkwasser beschäftigt, hat sich seine Sicht auf den Umgang damit geändert.

Urs M. Hemm
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Harry Graf hat sich im Mehrzweckgebäude Haselacker in Brunnadern eingerichtet. (Bild: Urs M. Hemm)

Harry Graf hat sich im Mehrzweckgebäude Haselacker in Brunnadern eingerichtet. (Bild: Urs M. Hemm)

Seit Januar versieht Harry Graf die Arbeit als Wasserwart der Wasserkorporation Neckertal. Davor absolvierte er eine sechs Monate dauernde Einführung durch seinen Vorgänger Walter Rutz, der während 38 Jahren als Wasserwart im Neckertal amtete. «Es gibt wohl keinen Meter Leitung auf dem Gebiet der Wasserkorporation Neckertal, den Walter nicht kennt», sagt Harry Graf über seinen Vorgänger.

Die Einarbeitung sei intensiv, aber sehr lehrreich gewesen. «Ich hatte immer mein Tablet dabei und habe mir alles aufgeschrieben und fotografiert. Mittlerweile habe ich mit meinen Dokumenten bereits einen halben Ordner gefüllt. Aber so weiss ich immer, wo ich nötigenfalls nachsehen kann», sagt der gelernte Automechaniker. Dennoch sei er froh, dass ihm Walter Rutz − vor allem noch in der ersten Zeit − mit Rat und Tat beiseite stehe, falls es zu unvorhersehbaren Situationen komme.

Stelle neu mit Wasserwart-Stellvertreter

Harry Graf lebt in Dicken und arbeitet seit 2014 für das Bauamt der Gemeinde Neckertal. «Ich begann dort gerade etwa zu der Zeit, als Walter Rutz beim Bauamt aufhörte», sagt der 37-Jährige. Walter Rutz habe ihm alles beim Bauamt gezeigt. Gleichzeitig habe er so auch viel von der Arbeit des Wasserwarts mitbekommen. «Da sich die Kombination Bauamtsmitarbeiter und Wasserwart in den letzten Jahren bewährt hatte, hat mich die Wasserkorporation schliesslich angefragt, ob ich die frei werdende Stelle übernehmen würde, was mich sehr gereizt hat.»

Er habe aber vor Stellenantritt klar gesagt, dass er nicht an 365 Tagen während 24 Stunden bereitstehen würde. «Im Sommer mache ich mit meiner Frau gerne Motorradtouren und kann nicht auf Notfälle reagieren, wenn ich beispielsweise gerade auf der Grimsel-Passhöhe bin», sagt er. So wurden für Werner Rutz, Wasserwart für Wald-St. Peterzell, und für Harry Graf zusätzlich Reto Raschle und Matthias Näf in die Aufgaben als Wasserwart eingeführt und als Stellvertreter bestimmt, welche die beiden ordentlichen Wasserwarte entlasten.

«Wenn das Wasser einmal aus den Hahnen draussen ist, kann ich es nicht mehr zurückholen und einen Fehler wiedergutmachen.»

In seinen ersten zwei Monaten im Amt sei es noch zu keinen Überraschungen gekommen. «Ich bin aber auf alles gefasst», sagt Harry Graf. Denn er habe Respekt vor seiner Aufgabe, etwas in einer Notsituation nicht zu wissen oder vor Fehlmanipulationen, die leider immer passieren könnten. «Diesbezüglich bin ich eher ein vorsichtiger Mensch. Wenn ich mir meiner Sache nicht ganz sicher bin, frage ich lieber einmal zu viel nach», sagt Harry Graf. Dies vor allem deshalb, weil sich Fehler als Wasserwart nicht rückgängig machen lassen.

«Gut gerüstet für qualitativ hochstehendes Wasser»

Die Infrastruktur, die er bei seiner Übernahme angetroffen habe, sei in tadellosem Zustand und die meisten Sanierungs- oder Erneuerungsarbeiten wurden in den vergangenen Jahren durchgeführt. Was jetzt noch anstehe, sei die Sanierung des Reservoirs Obere Steig, das 1905 erbaut und 1984 letztmals saniert wurde. Die Pläne dafür würden aber schon bereitliegen. «Danach, so denke ich, sind wir gut gerüstet und liefern qualitativ hochstehendes, völlig unbedenkliches Wasser», sagt Harry Graf. Dennoch: «Würden wir alles umsetzen und befolgen, was uns an Kursen gelehrt wird, würden wir alle gegen uns aufbringen und das Wasser würde unbezahlbar.» Es gäbe immer etwas zu verbessern, aber am Schluss müsse es für einen selbst als Verantwortlichen, für die Korporation und für die Konsumenten stimmen.

Wasser als knappes Gut

«Die Bedeutung des Wassers ist für mich ohnehin deutlich gestiegen, seitdem ich mich so intensiv damit beschäftige», sagt Harry Graf. «Ich versuche, wo immer es geht, sparsam mit Wasser umzugehen. So dusche ich beispielsweise auch im Winter nicht so lange, bis ich warm habe, sondern einfach nur so lange, bis ich sauber bin.»

Er hoffe, dass diese Einstellung möglichst viele Nachahmer findet. «Wenn wir noch häufiger solche Sommer wie den letzten haben, wird Wasser irgendwann einmal zu einem knappen Gut und nur noch diejenigen, die es sich leisten können, werden genügend Wasser haben», befürchtet Harry Graf.