Naturschutz
Waldbiodiversität: Jetzt auch in der Region Wil ein grosses Thema

Zum St.Galler Tag des Waldes trafen sich Vertreter der Regierung sowie Fachpersonen auf dem Henauer Areal Gill.

Christoph Heer
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Regionalförster Raphael Lüchinger (links) erklärt das A und O des Waldes in Sachen Biodiversität.

Regionalförster Raphael Lüchinger (links) erklärt das A und O des Waldes in Sachen Biodiversität.

Bild: Christoph Heer

Der St.Galler Tag des Waldes steht in diesem Jahr unter dem Motto «Im Zeichen der Waldbiodiversität». Das Kantonsforstamt nimmt diesen Tag jeweils zum Anlass, eine spezielle Leistung des Waldes in den Fokus zu stellen, so wird heuer der Waldbiodiversität eine zentrale Rolle zugesprochen. Auf dem Henauer Areal Gill trafen sich Regierungsvertreter, Revierförster, Regionalförster, Amphibienspezialisten und viele weitere Fachpersonen; das Ziel, Lebewesen und Lebensraum schützen und fördern.

Der Wald als Rückzugsort

Areal Gill, ein bekanntes Naherholungsgebiet der Thur entlang. Insbesondere an warmen Sommertagen tummeln sich viele Personen in der Thur, am Ufer der Thur, oder grillieren an einem schattigen Platz. Das hinterlässt Spuren an Fauna und Flora. Die Waldregion 1 – insgesamt hat der Kanton St.Gallen fünf Waldregionen – bezieht sich unter anderem auf die Forstreviere im Einzugsgebiet der «Wiler Zeitung». Kirchberg, Magdenau, Flawil, Oberbüren, Uzwil und Wil machen hierbei einen grossen Teil dieses Reviers, welches sich bis nach Rorschach und St.Gallen ausweitet, aus.

Auch Zuzwils Gemeindepräsident Roland Hardegger lässt sich am Mittwochmittag über die Biodiversität in «seinen» Wäldern aufklären.

Auch Zuzwils Gemeindepräsident Roland Hardegger lässt sich am Mittwochmittag über die Biodiversität in «seinen» Wäldern aufklären.

Bild: Christoph Heer

Als Regionalförster der Waldregion 1 amtet Raphael Lüchinger. Er weist auf die grosse Bedeutung des hiesigen Waldes und deren Biodiversität hin. «Ein bewirtschafteter Wald weist meistens eine höhere Artenvielfalt auf, als ein unbehandelter Wald. Bezüglich unseren Biodiversitätszielen sind wir auf gutem Weg.» Lüchinger weiss, dass auch besagte Waldflächen der Region Wil von grosser Bedeutung sind. «Mehr als 40 Prozent der vorkommenden Tiere und Pflanzen sind auf den Wald als Lebensraum angewiesen, das sind rund 30'000 Arten.

Zudem gilt der Wald als einer der letzten naturnahen Rückzugsorte in unserer Kulturlandschaft. Mehr als ein Drittel des Waldes weist ein hohes ökologisches Potenzial auf, davon sind mehr als die Hälfte schützenswert; dies gemäss Natur- und Heimatschutzgesetz», sagt Lüchinger.

Und was wird genau unternommen?

In den Revieren der Waldregion 1 werden zeitnah einige Massnahmen umgesetzt. Raphael Lüchinger erklärt, dass der Fokus dabei auf naturnahen Waldbau auf der ganzen Fläche gelegt wird.

«Im Detail bedeutet das, dass wir die Waldränder pflegen, Waldreservate ausscheiden, Altholzinseln vereinbaren, Totholz und seltene Baumarten fördern, geschützte Waldstandorte aufwerten, lichte Waldstrukturen aufwerten, nadelholzdominierter Wald in Laubmischwälder umwandeln und Neophyten bekämpfen.»

August Ammann ist Kantonsoberförster und begrüsste die rund 40-köpfige Schar zum Tag des Waldes, am Standort Gill in Henau.

August Ammann ist Kantonsoberförster und begrüsste die rund 40-köpfige Schar zum Tag des Waldes, am Standort Gill in Henau.

Bild: Christoph Heer

Rund 40 Personen sind am gestrigen Morgen mit dabei, bewegen sich von Standort zu Standort und erfahren viele Wichtigkeiten zu Natur und Wald. Erhebungen der Vogelwarte Sempach weisen zudem darauf hin, dass sich die Artenvielfalt im Wald an sich stabilisiert; zum Teil sogar verbessert. Doch auf den Lorbeeren ausruhen gilt nicht, so weisen die Fachpersonen darauf hin, weitere Anstrengungen vorzunehmen, um noch besseren Lebensraum für Tier und Natur erschaffen zu können.

Das Schwierige dabei ist sicherlich auch, dass der Mensch oftmals ein Problem darstellt. An exponierten Stellen an der Thur verbringen viele Freizeit-Naturfreunde ihren Feierabend oder ihr Wochenende – dies jedoch nicht immer ganz naturkonform.

Der Regierungsrat meint

Für den St.Galler Regierungsrat Beat Tinner, Vorsitzender des Volkswirtschaftsdepartements, ist es ein persönliches Anliegen, dass der Kanton St.Gallen nicht nur ein innovativer und wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort ist, sondern auch ein lebenswerter Wohnstandort. «Unserem Wald kommt beim Erhalt und bei der Förderung der Biodiversität eine besondere Bedeutung zu.

Der Wald ist ein absoluter Hotspot der Biodiversität und diese ist eine Verbundaufgabe von Bund, Kanton und Gemeinden.» Tinner weiss, dass im Kanton St.Gallen die gesamte Waldrandlänge rund 14'000 Kilometer beträgt. «Entsprechend ist das Potenzial für ökologische Aufwertungen fast unerschöpflich», so der Regierungsrat. (che)

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