Nachruf
Ein Leben für die Schule

Der Toggenburger Lehrer Werner Faust-Tschumper ist Ende 2020 gestorben. Ein Nachruf.

Daniel Klingenberg
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Werner Faust-Tschumper: 2. Februar 1930–28. Dezember 2020.

Werner Faust-Tschumper: 2. Februar 1930–28. Dezember 2020.

Bild: PD

«Ich wurde als zweites Kind der Eheleute Theodor und Hedwig Faust-Pfister in Zürich geboren.» So beginnt der Lebenslauf, den Werner Faust im Jahr 2012 handschriftlich verfasst. Er ist in schöner «Schnürlischrift» geschrieben, die fünf A4-Seiten geben ein regelmässiges Bild ab. Der Textaufbau ist logisch, die Sätze sind nicht zu lang, der Sinn gut verständlich.

Die Art des Lebenslaufes sagt etwas aus über Werner Faust. Als Lehrer hat er so geschrieben und geredet, dass die Schülerinnen und Schüler ihm folgen können. Er tat dies zugleich in einer vorbildhaften Art. «Sein Wirken beschränkte sich nicht auf das Unterrichten, er war in verschiedenen Funktionen eine tragende Säule des Dorfes», sagt ein Weggefährte über seine Zeit in Krinau. Werner Faust war einer der letzten Dorfschullehrer dieser Art.

Erste Stelle in Brunnadern

Zürich und Basel sind die Stationen von Werner Fausts Kindheit und Jugend. Der Umzug ans Rheinknie erfolgt aufgrund des Stellenwechsels seines Vaters. Er wird Verwaltungschef der Basler Mission. Eine reformierte Frömmigkeit ist auch in der Ausbildung von Werner Faust sichtbar. Nach dem Gymnasium in Basel wird er im Lehrerseminar Schiers zum Primarlehrer ausgebildet, wo im Prättigau bis heute evangelischer Bildungsgeist atmet. Werner Faust sagt von sich selber, in Schiers habe er «dä Chnopf uuftue». Freundschaften aus dieser Zeit begleiten ihn durch das ganze Leben. Ein Ferienhaus auf dem Stelserberg oberhalb Schiers ist später willkommener Erholungsort.

Die erste Stelle tritt er 1952 in Brunnadern an. Im Lebenslauf folgen an dieser Stelle zwei seiner grossen Leidenschaften, die er als Lehrer mit seinen besonderen Fähigkeiten im Unterricht und der ehrenamtlichen Tätigkeit sein Leben lang einsetzt. «Ich liebte den dreistimmigen Gesang und das Theaterspielen.» Werner Faust leitet im Laufe seines Lebens eine ganze Reihe von Chören. Darunter ist auch der Männerchor Krinau, dessen Mitglieder ihm beim Rücktritt eine Kutschenfahrt über den Gotthardpass schenken werden.

Hochzeit in Wattwil

Die nächste Station seines Lehrerlebens ist ab 1958 der Schmidberg in Wattwil. Im Herbst dieses Jahres heiratete er Annarösli Tschumper. Dem Ehepaar werden in den folgenden Jahren vier Kinder geschenkt. Werner Faust geht im Berufsleben auf:

«Ich liebte die ganzheitliche Form der Gesamtschule mit allen Klassen und allen Fächern.»

In Wattwil wird er auch Kirchenvorsteher und erlebt den Umbau der Kubly-Kirche zum reformierten Gotteshaus und 1970 die Einweihung.

Krinauer Dorfschullehrer bis zu seiner Pensionierung

1975 folgt für Werner Faust nochmals eine neue berufliche Herausforderung: die Gesamtschule Krinau. Die Familie zieht ins «Bergdorf» im Seitental der Thur, er bleibt Dorfschullehrer bis zu seiner Pensionierung 1994. Er musiziert und spielt Theater mit seinen Schülerinnen und Schülern.

Ein Bild zeigt ihn mit der ganzen Klasse wie mit einem Orchester: Der Lehrer mit der Geige, Kinder mit Instrumenten vom Hackbrett über Flöte bis zur Gitarre. Er führt Weihnachtsspiele auf, mehrmals «Die heiligen drei Könige im Bergschulhaus» mit der Musik von Albert Edelmann. In die «Krinauer Zeit» fällt auch die Gründung der «Genossenschaft Rössli». Als bekannt wird, dass eine religiöse Sondergruppe das «Rössli» kaufen will, schliessen sich tatkräftige Krinauer zusammen. Unter ihnen Werner Faust: Sie kaufen die Liegenschaft mit dem Zweck der «Weiterführung der Gaststube als Treffpunkt der einheimischen Bevölkerung».

Ein tragischer Unfall

Die Familie erlebt aber auch einen traurigen Abschied: Bei einem Unfall stirbt ein Sohn.

Die Musik und deren Brauchtum sind Werner Faust zeitlebens sehr wichtig. Er ist verbunden mit dem Ackerhaus in Ebnat-Kappel, das diese Tradition pflegt. In seiner Werkstatt baut er eigenhändig Halszithern, auch Instrumente wie Hackbrett und Cello entstehen. Und sogar eine Hausorgel.

2009 zieht das Ehepaar von Krinau nach Wattwil in eine Alterssiedlung.

«Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, so muss ich eingestehen, es ist uns gut gegangen.»