Nachruf auf Peter Kauf: Unternehmer und Förderer

Peter Kauf, der Mann mit dem Hemden-Know-how, ist 91-jährig in Ebnat-Kappel verstorben.

Ruben Schönenberger
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Peter Kauf (11. Mai 1928 bis 29. April 2020)

Peter Kauf (11. Mai 1928 bis 29. April 2020)

Bild: PD

Am 29. April verstarb Peter Kauf, Unternehmer und Förderer, wenige Tage vor seinem 92. Geburtstag. Dass er in Ebnat-Kappel einen so grossen Fussabdruck hinterlassen würde, war zu seiner Geburt noch nicht abzusehen.

Als er am 11. Mai 1928 als Sohn von Anna und Otto Kauf auf die Welt kam, wohnte und arbeitete die Familie in Wangen bei Olten. Dort war auch ein zweites Unternehmen in der Textilbranche angesiedelt. Mit dieser Firma, Kleider Frey, pflegten die Kaufs ein freundschaftliches Verhältnis, das auf die Gründerinnen Wilhelmine Kauf und Agnes Frey zurückging. Ein Sohn von Agnes war gar Peter Kaufs Götti.

Für beide Unternehmen war jedoch kein Platz, weshalb die Firma Kauf nach Ebnat-Kappel umsiedelte. Als die Familie ins Toggenburg zügelte, war Peter Kauf schon da. Nachdem man bei ihm in der Primarschulzeit eine Kinderlähmung diagnostiziert hatte, wurde er zur Erholung ins Schulheim Johanneum geschickt. Im Knabeninternat besuchte er anschliessend die Schule bis zur sechsten Klasse.

In Ebnat-Kappel wurde die Familie anfänglich mit Skepsis aufgenommen. Das änderte sich mit der Zeit. Emil Brunner vom damaligen Schuhhaus Brunner soll einst gesagt haben, dass «die Kaufs wie ander Lüt waren».

Peter Kaufs weiterer Ausbildungsweg führte an die Ebnater Sekundarschule, das Gymnasium des Kollegiums in Sarnen und zur Ecole de Commerce in Neuchâtel, wo er die Matura abschloss. Dort wurden vor allem seine rechnerischen Fähigkeiten ausgebildet.

Dass er im Umgang mit Zahlen und Geld geschickt war, zeigte sich indes schon früher. Sein erstes Geld verdiente er noch zu Schulzeiten, indem er am Ebnater Jahrmarkt Einkäufe an den Bahnhof transportierte. Ein Onkel soll einst gar bemerkt haben, dass bei Peter Kauf sogar «der Schittertotz kalbern könne», weil er alles zu Geld machen konnte.

Den Einstieg ins Unternehmen wollte Peter Kauf mit dem Besuch der Höheren Fachschule für Textilindustrie im deutschen Mönchengladbach vorbereiten. Doch nach vier Semestern wurde er vom Vater nach Hause beordert. Die Chefposition in der Zuschneiderei war vakant.

Peter Kauf wurde drei Monate eingearbeitet und war fortan der «Mann mit dem Hemden-Know-how». Der Zuschnitt und die Schnitte waren auch als Betriebsleiter sein Steckenpferd. Er entwickelte den patentierten Libero-Schnitt und verhalf dem Unternehmen zusammen mit seinem Bruder Urs zum Durchbruch.

Neben seiner betrieblichen Tätigkeit unterstütze Peter Kauf zahlreiche Organisationen und Institutionen. Er war Mitglied des Verwaltungsrats der Buchdruckerei Wattwil AG (Buwag), präsidierte das Toggenburger Gaswerk, war Gründungsmitglied der Buslinie Lichtensteig-Wattwil-Ebnat-Kappel und Gründungspräsident der Arbeitgebervereinigung der Region Toggenburg. Er engagierte sich im Rotary Club und als Präsident des Behindertenheimes Johanneum. Er half mit, Weltcup-Skirennen an den Girlenhang zu bringen, und sass im Gemeinderat.

Trotz aller Engagements kam die Familie nicht zu kurz. Mit seiner Frau Sonja Pozzi hatte er drei Söhne, die er insbesondere in der Pfadfinderbewegung unterstützte. Sie lebten, wie die Söhne sagen, das Familienmodell des letzten Jahrhunderts. Die Mutter managte die Familie und engagierte sich sozial, der Vater stand in der Öffentlichkeit und führte die Firma.

Trotz des Verlusts eines Sohnes, der tödlich verunglückte, verlor Peter Kauf sein Lachen nicht. Ab dem 80. Altersjahr litt Peter Kauf zunehmend an Altersdemenz. Das Wichtigste, sein gütiges Wesen, blieb aber erhalten bis zu seinem Tod am 29. April, an dem ein bewegtes Leben seinen Abschluss fand.