Nachhilfe in Appenzeller Dialekt in Schönengrund: «Hond ond nüd Hund»

Zu einer Lesestunde-Matinee lud der «Asselkeller». Philipp Langenegger las aus «Chemifeger Bodemaa». Dabei gab es eine Unterweisung im Ausserrhoder Dialekt.

Michael Hug
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Philipp Langenegger las und unterhielt am Sonntagmorgen im «Asselkeller». (Bild: Michael Hug)

Philipp Langenegger las und unterhielt am Sonntagmorgen im «Asselkeller». (Bild: Michael Hug)

Im «Asselkeller» in Wald-Schönengrund wurde es so kurz vor Weihnachten wieder mal gemütlich. Keine Musik, auch nicht leise oder laute, unterhielt das Publikum am Sonntagmorgen. Kein zappliger Komiker aus dem Unterland, der seine neuesten Spässe loswerden wollte.

Es war einer aus ganz von der Nähe, aus dem Hinterland, der Schauspieler Philipp Langenegger aus Urnäsch, zu Gast «im Henderhamm». Und wie man Langenegger kennt aus einigen Leseprogrammen, die er schon gemacht hat und damit auch da und dort im Hinterland, im Unterland und im Toggenburg unterwegs war, las er nicht nur rührige und krude Geschichten aus vergangenen Jahrhunderten, sondern er gab auch eine Lehrstunde in seinem sympathischen, aber ebenso kruden Ausserrhoder Dialekt: «Bi üüs isches eso, en u ischen o, drom säätmer Hond ond nöd Hund.» Kinder sind «Goofe», Nadeln sind «Glofe», gesund ist «xsond», eine Wähe ist ein Fladen «ond en Flade ischen Ruusch bis in Hag abe!»

Chemifeger Bodemaa und dessen Nachlass

Nach der amüsanten Sprachunterweisung wandte sich Philipp Langenegger seinem eigentlichen Thema zu, den Lebensgeschichten des Appenzeller Schriftstellers Jakob Hartmann (1876-1956) alias «Chemifeger Bodemaa». Mit den Geschichten aus dessen Nachlass tourt der Urnäscher schon einige Zeit durchs Land. Nun aber habe er, wie er verriet, neue literarische Hinterlassenschaften des Vorderländers entdeckt und Extrakte aus diesen – wohlbemerkt noch nie veröffentlichten Tagebüchern – wolle er nun dem Schönengründler Publikum erstmals und exklusiv erzählen.

Schon bei der ersten Geschichte, die Hartmann während des Aktivdienstes schrieb, wurde klar: dieser «Chemifeger Bodemaa» hat es ganz dick hinter den Ohren. Desgleichen aber auch Schauspieler Langenegger. Kongeniale Brüder im Geiste sind sie sozusagen.

Eine Matinee, die auch eine Generalprobe war

Rund eine Stunde lang unterhielt Langenegger sein Publikum im Asselkeller. Er schweifte mit Witzchen ab, kokettierte mit sich selbst und seiner Herkunft, schäkerte mit den Vordersten in der Sitzreihe und erzählte Anekdoten aus dem Leben des genannten Literaten. Es gäbe viele Gründe, warum einige Werke dieses Schriftstellers nie an die Öffentlichkeit gekommen seien, entweder habe sie Hartmann für private Auftraggeber geschrieben oder sie seien von Verlagen abgelehnt worden. Vieles aus dem Nachlass sei darum einfach auf dem Dachboden verstaubt – da wo Hartmanns Tochter ihn dann aufgestöbert und der Kantonsbibliothek Trogen übergeben hat. Die wiederum Langenegger 2017 zur Auswertung beigezogen hätte. Noch sei nicht alles gesichtet worden, meinte Langenegger, doch bereits hat sich nach dem ersten Leseprogramm ein zweites namens «Chemifeger Bodemaa 2» ergeben, dessen Premiere er drei Stunden später in der Alten Stuhlfabrik feierte. Die Matinee im Asselkeller war also eigentlich eine Generalprobe. Eine unterhaltsame Generalprobe notabene.