Nachdem er den eigenen Bruder mit Schlagstock verprügelt hat: Angeklagter zu 23 Monaten Haft verurteilt

Ein Schweizer musste sich vor dem Kreisgericht Toggenburg in Lichtensteig wegen versuchter schwerer Körperverletzung verantworten. Er hatte nach einem Streit seinen Bruder mit einem Teleskop-Schlagstock sowie mit Fäusten und Füssen angegriffen. 

Martin Knoepfel
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Der Eingang des Massnahmenzentrums Uitikon (MZU) bei Zürich. Der Angeklagte war dort im vorzeitigen Massnahmenvollzug, lehnte aber später eine Rückkehr aus dem Gefängnis Gossau ins MZU  ab. (Bild: Amt für Justizvollzug ZH)

Der Eingang des Massnahmenzentrums Uitikon (MZU) bei Zürich. Der Angeklagte war dort im vorzeitigen Massnahmenvollzug, lehnte aber später eine Rückkehr aus dem Gefängnis Gossau ins MZU  ab. (Bild: Amt für Justizvollzug ZH)

In rund vier Monaten kommt der Angeklagte frei. Das Kreisgericht Toggenburg hat zwar eine Gefängnisstrafe von 23 Monaten verhängt, aber der Angeklagte hat mit Untersuchungshaft sowie vorzeitigem Massnahmen- und Strafvollzug rund 19 Monate hinter Gittern verbracht. Vor Gericht hatte er erklärt, die Zeit sei ihm wie 20 Jahre vorgekommen. 

Zugeschlagen, bis der Stock brach

Am Mittwoch vor Auffahrt befasste sich das Kreisgericht Toggenburg mit einem Familienstreit im Neckertal. Der Angeklagte hatte im Oktober 2017 in der Familienwohnung seinen Bruder mit einem Teleskop-Schlagstock, den er schwarz gekauft hatte, angegriffen.

Dabei schlug er so heftig zu, dass der Stock brach. Unter anderem trafen Hiebe Kopf- und Halspartien des Opfers. Dieses konnte jedoch die Schläge teilweise abwehren.

Nur die rechtliche Würdigung der Tat war umstritten

Der Angeklagte, ein Schweizer mit Jahrgang 1999, konsumierte sodann Haschisch. Zum Zeitpunkt des Angriffs war der Mann stark betrunken. Vor Gericht hatte der Staatsanwalt eine leicht verminderte Zurechnungsfähigkeit konzediert.

Die Verletzungen des Bruders waren nicht lebensgefährlich. Dennoch war das Opfer mehr als zwei Wochen arbeitsunfähig.

In der Gerichtsverhandlung ging es nur darum, ob es sich um versuchte schwere oder um qualifizierte leichte Körperverletzung handle und ob eine stationäre oder eine ambulante oder gar keine Massnahme angeordnet werden solle.

Freiheits- und Geldstrafe sowie Busse verhängt

Nun liegt das Urteil vor. Das Gericht spricht den Angeklagten der versuchten schweren Körperverletzung, des Vergehens gegen das Waffengesetz und der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes schuldig.

Es verhängt eine Freiheitsstrafe von 23 Monaten. Dazu kommt eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen à zehn Franken. Inbegriffen ist dabei der Vollzug einer bedingten Geldstrafe von 1500 Franken, die der Angeklagte im September 2017 erhalten hatte.

Gericht bleibt unter dem Antrag des Staatsanwalts

Der Staatsanwalt hatte 24 Monate und der Verteidiger maximal 15 Monaten Gefängnis beantragt. Der Angeklagte hat die Kindheit und die Jugend in einem Dutzend Pflegefamilien oder Jugendheimen verbracht, mit häufigen Wechseln.

2016 hatte er einem Kontrahenten mit einem Schlagring Verletzungen zugefügt. Die Fotos sähen schlimm aus, hatte der Richter in der Verhandlung gesagt. Diese Tat fiel noch unters Jugendstrafrecht. Der Angeklagte hat schon als Jugendlicher mehrfach gegen das Gesetz verstossen. 

  Gericht folgt dem Rat des Gutachters

Weiter verfügt das Gericht eine ambulante psychiatrische und Suchtbehandlung. Damit folgt es dem Rat des psychiatrischen Gutachters, der die Erfolgschancen einer ambulanten Massnahme allerdings als bescheiden eingestuft hat.

Eine stationäre Massnahme ist hingegen nach Ansicht des Gutachter in solchen Fällen aussichtslos. Während der Behandlung darf der Angeklagte weder Alkohol noch Drogen konsumieren. Regelmässige Kontrollen sollen sicherstellen, dass er die Auflagen einhält. 

Urteil noch nicht rechtskräftig

Schliesslich muss der Angeklagte 500 Franken Busse sowie die Verfahrenskosten von 40'635 Franken bezahlen. Der Angeklagte ist Maurer, aber momentan arbeitslos. Seine Schulden hatte er vor Gericht auf 10'000 bis 12'000 Franken geschätzt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger konnte heute noch nicht sagen, ob sein Mandant das Urteil ans Kantonsgericht weiterziehen wird.