Nach zehn Jahre fürs Kulturforum der Sonntagsgesellschaft Wattwil: Edy Schmid tritt als Präsident ab

An der 190. Hauptversammlung des SGW Kulturforums übergab Edy Schmid die Präsidentschaft an Paul Vestner.

Sascha Erni
Merken
Drucken
Teilen
Edy Schmid (links) übergab das Präsidium des SGW Kulturforums nach zehn Jahren an Paul Vestner. Bild: Sascha Erni

Edy Schmid (links) übergab das Präsidium des SGW Kulturforums nach zehn Jahren an Paul Vestner. Bild: Sascha Erni

«Mein Sohn fragte mich einmal, ob denn die Sonntagsgesellschaft eine Sekte sei. Also änderte ich den Namen zu SGW Kulturforum», sagt Edy Schmid und lacht.

Der abtretende Präsident des ältesten Wattwiler Vereins ist bester Laune. Am Mittwochabend legt er im Kino Passerelle anlässlich der Hauptversammlung sein Amt nach zehn Jahren nieder. Der Nachfolger ist Paul Vestner aus Wattwil. Dieser erscheint am 21. August im Anzug, die Krawatte hat er abgenommen. Er habe keine Zeit gehabt, sich nach der Verhandlung umzuziehen, scherzt er.

Menschen verheiratet und wieder geschieden

Als Gemeindemitarbeiter hatte Paul Vestner das Wattwiler Standesamt unter sich. Seit seiner Pensionierung arbeitet er weiter nebenamtlich als Familien- und Einzelrichter am Bezirksgericht.

«Man sagt mir nach, dass ich vielleicht der einzige Mensch in der Schweiz bin, der Leute scheidet, die er selbst verheiratet hat.»

Beim SGW Kulturforum wird er sich kaum mit Streitigkeiten auseinandersetzen müssen. «Ich plane keine grossen Änderungen an Edys Konzept», betont er. Denn das habe sich als äusserst erfolgreich erwiesen. Die 53 anwesenden Vereinsmitglieder werden Paul Vestner später einstimmig als Edy Schmids Nachfolger bestätigen.

Von der Swissair via Risi zur Sonntagsgesellschaft

Edy Schmid lebt seit 1971 im Toggenburg, den grössten Teil des Zeitraums wohnt er in Wattwil. Der 74-Jährige hatte bei der Swissair Karriere gemacht und später ins Management der Risi gewechselt. Mit der Pensionierung kam dann auch die Anfrage des Vereinsvorstands, ob er nicht die Präsidentschaft übernehmen wolle?

Bei der damaligen Sonntagsgesellschaft sagte er gerne zu, denn der Aufwand beschränkte sich auf ein Treffen im Monat. Edy Schmid konnte also seine humanitären Projekte weiterführen. Fünfzehn, sechzehn davon habe er seither gehabt, von Mittel- und Südamerika über Afrika und die Ukraine bis nach Nepal brachten ihn seine Auslandseinsätze.

Referenten dank Netzwerk und Spontananfragen

Auch beim SGW Kulturforum leistete Schmid viel. 2014 überarbeitete er mit dem Vorstand die Statuten und nahm die Namensänderung vor. 2015 übergab er das Ortsarchiv an die Gemeinde. Als Verein, der bereits vor Gründung des modernen Bundesstaats wirkte, hatte die Sonntagsgesellschaft seit 1828 das Archiv geführt. Es sei damals Zeit geworden, es abzugeben, sagte Edy Schmid.

In bester Erinnerung bleiben wird er mit den hochkarätigen Referenten, die er für die Vorträge des Kulturforums gewinnen konnte. Im Durchschnitt hätten diese jeweils 80 bis 100 Interessierte angezogen, sagte er. Aber als Edy Schmid 2011 den Nahost-Experten Ulrich Tilgner nach Wattwil locken konnte, liessen über 600 Gäste den Thurpark aus allen Nähten platzen. «Das war wirklich ein Highlight», erinnert sich Edy Schmid. Nur wenige der mehr als 50 Referentinnen und Referenten, die er in den letzten zehn Jahren eingeladen hat, kannte er zuvor persönlich, er kam indirekt durch sein weites Netzwerk an die Kontakte. Und oft fragte er interessante Menschen auch einfach spontan an, gleich vor Ort – meistens mit Erfolg, wie er sagt.

Gewohnt grosse Themenvielfalt

Wie die Jahre zuvor zeigt sich Edy Schmid auch in seiner letzten Saison thematisch vielfältig. Mit SRF-Nahost-Korrespondent Pascal Weber lädt das SGW Kulturforum am 13. November einen ehemaligen Schüler der Kanti Wattwil ein, unter anderem stehen aber auch Nordkorea, der Klimawandel, die Toggenburger Pflanzenwelt und Berggorillas in Uganda auf dem Jahresprogramm.

Weitere Informationen

Das ganze Programm und weitere Informationen zum Kulturforum sind unter www.sgw-kultur.ch zu finden.

Den Ausflug vom 6. Juni 2020 zur Vogelwarte Sempach und zum Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil hat Edy Schmid bereits zusammen mit Paul Vestner aufgegleist. Und was gibt er seinem Nachfolger mit auf den Weg? «Ich freue mich schon, wenn du das 200-Jahr-Jubiläum organisieren musst», sagt er grinsend, und beide lachen.