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Interview

Nach 20 Jahren kommt Sina wieder nach Kirchberg – und beantwortet dem gleichen Journalisten die gleichen Fragen

1999 sang die Walliser Musikerin Sina in der «Eintracht» in Kirchberg. 20 Jahre später tut sie das wieder – und stellt sich denselben Interviewfragen wie damals. In den Antworten bleibt sie sich treu, genauso dem Wunsch, Sängerin zu sein.
Ruben Schönenberger
Die Walliser Sängerin Sina trat im Rahmen ihrer «Emma»-Tour in der Kirchberger «Eintracht» auf. (Bild: Seraina Hess)

Die Walliser Sängerin Sina trat im Rahmen ihrer «Emma»-Tour in der Kirchberger «Eintracht» auf. (Bild: Seraina Hess)

«Hundertfünfzig Zuschauer, darunter überraschend viele ältere Menschen, wollten sich die Gelegenheit, Sina einmal im Toggenburg zu sehen, nicht entgehen lassen.» Im Dezember 1999 hatte das in der Kirchberger Schülerzeitung «Heiss-Cool Taims» gestanden. Fast 20 Jahre später kam Sina am Samstag erneut nach Kirchberg, den Satz hätte man ähnlich wieder verwenden können. Die «Eintracht» war mit 250 Gästen gar ausverkauft.

Sina, mit bürgerlichem Namen Ursula Bellwald, ist mit ihrem neusten Album «Emma» angereist, das im Februar direkt auf Platz 1 in die Charts eingestiegen war. Ein weiterer Erfolg in der Karriere der Sängerin, die Anfang Jahr an den Swiss Music Awards eine Auszeichnung für ihr Lebenswerk entgegen nehmen durfte.

Das Cover der Schülerzeitung «Heiss-Cool Taims» im Dezember 1999. (Bild: PD)

Das Cover der Schülerzeitung «Heiss-Cool Taims» im Dezember 1999. (Bild: PD)

Das Kirchberger Publikum fand Gefallen an den neuen Liedern. Vielleicht auch, weil Sina nicht plötzlich alles anders macht als bisher. Mit Absicht. «Nie klang Sina mehr nach Sina», steht in der Pressemappe zur neusten Veröffentlichung. Sowieso hat sich Sina über die 20 Jahre nicht grundsätzlich verändert. Das zeigt auch das nachfolgende Interview. Der Nachwuchsjournalist der erwähnten Schülerzeitung interviewte die Sängerin damals. Er – nun Redaktionsleiter des «Toggenburger Tagblatts» – tat das auch diesen Samstag, 20 Jahre später. Mit genau den gleichen Fragen. Und veröffentlicht das kombinierte Interview am heutigen 28. Mai, an Sinas und an seinem Geburtstag.

Schreiben Sie Ihre Lieder selbst?

1999: Einen grossen Teil, und wenn nicht, dann mit jemandem anderen zusammen. Ich kann ja nicht Gitarre spielen, deshalb brauche ich manchmal einen Musiker.

2019: Seit dem ersten Album tragen die Songs meine Handschrift. Ob ich mit einem Mitkomponisten arbeite oder alleine, es sind immer meine Themen und meine musikalischen Vorstellungen, die ich umsetze.

Woher haben Sie die Ideen?

1999: Da geht es mir ähnlich wie euch, man schaut, ob man jemanden interviewen kann. So komme ich auf Ideen für meine Lieder.

2019: Ich habe mich in den letzten Jahren immer wieder gefragt, ob mir nach 13 Alben nicht irgendwann die Themen ausgehen. Aber die Angst ist unbegründet, weil man sich in neue Situationen begibt; mit neuen Erfahrungen oder mit Fragen, die das Leben stellt, wieder völlig neue Ideen für Songs aufkommen. Das Leben gibt mir ganz viele Ideen.

Wie lange machen Sie schon Musik?

1999: Seit meiner Kindheit. Ich war in allen möglichen Chören meines Heimatdorfs.

2019: Wenn man mich als Sechsjährige, die bei Geburtstagen oder Müttervereinen singt, mitzählt, dann seit damals.

Den ersten eigenen Song habe ich mit elf Jahren geschrieben.

Hatten Sie als Kind schon den Wunsch, Sängerin zu werden?

1999: Ja, ich wollte schon immer Sängerin werden. Wenn man in der Schule auf einem Fragebogen den Berufswunsch angeben musste, schrieb ich immer Sängerin. Als ich dann 16 war, lachten mich meine Mitschüler und Lehrer aus, das sei ja sowieso nicht möglich. Ich solle doch Krankenschwester werden. Darum schrieb ich von da an immer Krankenschwester, wollte aber immer noch Sängerin werden.

2019: Ich hatte nur einen einzigen Wunsch: Sängerin werden. Bei allem anderen war ich relativ unsicher und das hat sich auch verändert. Es war wohl mehr als ein Wunsch. Es war ein Bedürfnis, diese Passion umzusetzen, damit es mir seelisch und körperlich gut geht.

Dieses Bild zeichnete Sina 1999 für die Schülerzeitung. Noch heute könne sie nichts anderes zeichnen, sagte Sina 20 Jahre später. (Bild: PD)

Dieses Bild zeichnete Sina 1999 für die Schülerzeitung. Noch heute könne sie nichts anderes zeichnen, sagte Sina 20 Jahre später. (Bild: PD)

Wie kamen Sie auf den Namen «Sina»?

1999: Ich heisse Ursula – Ursina – Sina. Das ist eine Ableitung meines Vornamens.

2019: Ich heisse Ursula. Mit dem Namen hatte ich immer Mühe. Die Musik gab mir die Möglichkeit, ihn zu ändern. Über Ursina kam ich zu Sina.

Heute treten Sie in der Eintracht auf, wo spielen Sie lieber, in kleinen Clubs oder grossen Hallen?

1999: In kleineren Clubs ist die Atmosphäre sehr gut, man ist sehr nahe bei den Zuschauern. Natürlich ist es auch schön, wenn man zum Beispiel bei einem Openair vor 10'000 Leuten spielen kann.

2019: Ich habe es total gerne, wenn ich die Leute rieche. Das ist an solchen Orten natürlich eher der Fall. Aber wenn ich sage, dass ich es nicht schätzen würde, vor 20'000 Leuten am Openair Gampel aufzutreten, dann wäre das sicher auch nicht korrekt. Am Schluss macht es die Mischung aus.

Wie lange arbeiten Sie, bis Sie ein Album fertig gestellt haben?

1999: Ich brauche etwa ein bis eineinhalb Jahre. Ich kann nicht wie manche Bands ein Album in zwei Monaten fertig stellen. Darum klingen meine Alben auch so verschieden.

2019: In den Anfängen habe ich fast jedes Jahr eines gemacht, danach noch alle zwei Jahre. Vom letzten Album bis zu «Emma» waren es nun vier Jahre. Aber ich hatte in der Zwischenzeit andere Projekte.

Könnten Sie sich mit drei Wörtern beschreiben?

1999: mittelalt – dynamisch – erfolgreich.

2019: zäh – Durchhaltewille – demütig.

Was denken Sie über die Schule und Lehrer?

1999: Ich selber ging nie gerne in die Schule. Ich war auch nur eine mittelmässige Schülerin. Vor allem in Mathematik war ich nicht so besonders gut.

2019: Der Lehrerberuf ist sehr herausfordernd. Er hat sich auch wahnsinnig geändert. Die Ansprüche der Eltern und der Kinder sind gross. Ich würde den Beruf selber nie wählen. Meine Kernkompetenzen liegen anders.

Verstehen Sie uns Ostschweizer gut?

1999: Ich habe eigentlich keine Probleme mit eurem Dialekt.

2019: Meine erste Band bestand ausschliesslich aus Wilern. Ich mochte den Dialekt von Anfang an, weil er von Menschen gesprochen wurde, mit denen ich gerne zu tun hatte. Vermutlich würde ich ihn aber auch verstehen, wenn ich nicht mit Musikern aus dieser Gegend gearbeitet hätte.

Wovor haben Sie am meisten Angst?

1999: Vor Spinnen. Das ist wahrscheinlich eine typische Frauenkrankheit.

2019: Nicht mehr vor Spinnen.

Ich bin die Panik über die Jahre losgeworden. Kleine Spinnen rette ich mittlerweile, es sind ja Lebewesen.

Heute habe ich am meisten Angst davor, Menschen zu verlieren, die mir sehr wichtig sind.

Was würden Sie sich wünschen, wenn Sie drei Wünsche frei hätten?

1999: 1. Dass ich immer gesund bleibe, denn wenn man krank ist, kann man nicht viel machen. 2. Eine Weltreise zu machen, bei der ich aber jede Nacht wieder in meinem Bett schlafen könnte. 3. Einen Zauberstab, damit ich mir weitere Wünsche erfüllen kann.

2019: 1. Dass die Voraussetzungen, um diesen Beruf zu machen, bestehen bleiben. Einerseits in wirtschaftlicher Hinsicht, aber in Bezug auf meine persönlichen Möglichkeiten und Wünsche. 2. Dass die Leute rund um mich von Unglück verschont bleiben und mit mir den Weg weitergehen wie bis jetzt. 3. Dass ich gesund bleibe.

Auch der Interviewer verändert sich in 20 Jahren

Beim ersten Interview war der Schreibende 13 Jahre alt. Deshalb liess Sina die erste Frage damals wie heute durchgehen. Es nervt sie aber immer noch, dass einer Frau nicht zugetraut werde, eigene Botschaften zu formulieren und musikalisch auf den Punkt zu bringen. «Ich glaube nicht, dass Büne Huber oft gefragt wird, ob er seine Songs selber schreibe», sagte sie in einem früheren Interview. Sie habe deshalb eine Vorbildfunktion.

In diesem Geist ist auch ihr neustes Album entstanden, benannt nach ihrer Grossmutter. «Sie und zwei Tanten, bei denen ich teilweise aufgewachsen bin, waren wahnsinnig emanzipiert.» Gesellschaftlich hätte man das aber nicht akzeptiert.

«Sie haben mir vorgelebt, meine Ziele erreichen zu können, wenn ich daran arbeite und daran glaube.»

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