Musterstrecke für Thursanierung beim Rickenhof in Wattwil – Fische wurden vor dem Baubeginn evakuiert

In diesen Tagen fahren Baumaschinen beim Rickenhof in Wattwil auf, wo ein Stück des Thurufers saniert und neu gestaltet wird. Als Vorbereitung für diese Arbeiten wurden vergangene Woche die Fische umgesiedelt.

Sabine Camedda
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Weil die Thur eine Rechtskurve beschreibt, halten sich die Fische vor allem im Uferbereich unter den Steinen auf. (Bild: Sabine Camedda)

Weil die Thur eine Rechtskurve beschreibt, halten sich die Fische vor allem im Uferbereich unter den Steinen auf. (Bild: Sabine Camedda)

Das Projekt der Thursanierung zwischen Ulisbach und Flooz ist noch nicht spruchreif. Dennoch beginnen in diesen Tagen Bauarbeiten am Ufer im Bereich Rickenhof. Der Kanton St. Gallen, Bauherr der Thursanierung, nutzt Synergien, die durch die Erneuerung der Grundwasserfassung Rickenhof durch die Thurwerke AG sowie den Neubau der SOB-Brücke entstehen.

Der Uferbereich in diesem Gebiet sei hoch beansprucht und der Zustand der bestehenden Uferverbauung zwinge dazu, Massnahmen zu ergreifen, heisst es beim Kanton.

Erddamm in der Thur während den Bauarbeiten

Während des Sommers wird eine neue Uferverbauung realisiert. Wie Felix Raschle, der zuständige Bauführer der Firma Pozzi, ausführt, wird in der Mitte des Flussbetts ein Erddamm aufgeschüttet, damit die Arbeiten an der Uferzone möglichst im Trockenen ausgeführt werden können. Um den Uferbereich zu stärken, werden zwei Reihen aus schweren Steinblöcken aufgeschichtet.

Gemäss Felix Raschle wird nebst bisher verwendeten Steinen zusätzlich 4000 Tonnen Alpenkalk-Fels benötigt. Diese Uferverbauung wird ohne Beton realisiert, jedoch mit Erde und später mit einer Bepflanzung befestigt. Somit wird sie sich mit der Zeit optisch nur wenig von der aktuellen Situation unterscheiden.

Das Besondere an diesem Bauplatz sei nicht nur, dass die Arbeiten im fliessenden Wasser ausgeführt werden müssen, sagt Felix Raschle, sondern auch, dass die Baustelle innerhalb einer Grundwasserschutzzone liege. Dies verlange zusätzliche Sorgfalt der Bauarbeiter.

Angepasster Lebensraum für die Fische

Unter dem Wasserspiegel wird es für die Fische massive Veränderungen geben. «Durch die Verwendung der grossen Steine entsteht ein wertvoller Lebensraum für die Fische mit Unterständen und verschiedenen Strömungszonen», erklärt Christoph Birrer, Abteilungsleiter Fischerei beim kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF). Es sei ein Anliegen der Fischerei gewesen, das ganze Thursanierungsprojekt fischereibiologisch zu begleiten.

«Nun können wir im Bereich Rickenhof eine Art Musterstrecke realisieren und überprüfen, wie die Fische diesen neuen Lebensraum annehmen werden.»

Wird dies durch weitere Beobachtungen und das folgende Monitoring in den kommenden Jahren bejaht, werden noch weitere Uferstrecken in ähnlichem Stil saniert und renaturiert. Während der Bauzeit, die voraussichtlich bis Ende August dauert, sollten aber möglichst keine Fische im Baustellenbereich vorhanden sein.

Fische werden umgesiedelt

Um dies zu erreichen, wurden die Fische Ende vergangener Woche mit Hilfe eines Schlauchbootes elektrisch abgefischt. In geeigneten Behältern wurden die gefangenen Bachforellen und Groppen anschliessend thurabwärts transportiert und wieder eingesetzt. «Wir nahmen das Abfischen zudem zum Anlass für eine Bestandeserhebung», sagte Christoph Birrer.

Auch wenn die Fische vor dem Baubeginn abgefischt wurden, geht Christoph Birrer davon aus, dass an dieser Gewässerstrecke schon bald wieder Fische leben werden. «Die Natur ist dynamisch, freie Lebensräume werden umgehend wieder besiedelt. Daher wird der kantonale Fischereiaufseher Christoph Mehr während des Baueingriffs situativ weitere Fische umsiedeln.»

Hinweis

Weitere Informationen über die Thursanierung sind im Internet über www.thursanierung-wattwil.ch zu finden.