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«Muss zuerst an toten Füssen üben» – Oberhelfenschwiler ist einer von nur 14 Hufschmied-Lernenden seines Jahrgangs

Für den 17-jährigen Marc Roth ist Hufschmied ein Traumberuf. Auch wenn er zuerst an toten Pferdefüssen üben muss.
Michael Hug
Marc Roth ist im zweiten Lehrjahr zum Hufschmied. (Bild: Michael Hug)Marc Roth ist im zweiten Lehrjahr zum Hufschmied. (Bild: Michael Hug)
Noch beschlägt der Chef das Pferd: Hufschmied Beni Scherrer und Vater Sandro Scherrer (stehend). (Bild: Michael Hug)Noch beschlägt der Chef das Pferd: Hufschmied Beni Scherrer und Vater Sandro Scherrer (stehend). (Bild: Michael Hug)
Worauf es ankommt: Der Hufeisennagel muss genau die weisse Linie treffen. (Bild: Michael Hug)Worauf es ankommt: Der Hufeisennagel muss genau die weisse Linie treffen. (Bild: Michael Hug)
Das Schmieden vom Flachstahl bis zum Hufeisen wird geübt. (Bild: Michael Hug)Das Schmieden vom Flachstahl bis zum Hufeisen wird geübt. (Bild: Michael Hug)
Prüfender Blick des Meisters: Kutschenpferd Figaro mit Marc Roth bei der Schlusskontrolle. (Bild: Michael Hug)Prüfender Blick des Meisters: Kutschenpferd Figaro mit Marc Roth bei der Schlusskontrolle. (Bild: Michael Hug)
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So sieht die Arbeit eines Hufschmieds aus

Ende des letzten Jahres lebten rund 80'000 Pferde in der Schweiz. Sie müssen alle sechs bis zehn Wochen neu beschlagen werden. Viel Arbeit für die Schweizer Hufschmiede. Trotzdem gibt es pro Jahr nur ein gutes Dutzend neu gelernte Hufschmiede. Ihnen bleibt die Wahl zwischen Selbstständigkeit und einer Anstellung bei einem Hufschmied oder einem Gehöft.

Marc Roth aus Oberhelfenschwil ist einer von nur 14 Lernenden im zweiten Lehrjahr in der Schweiz. «Ein Traumberuf», sagt der junge Toggenburger. Welche Wahl er nach der Lehrabschlussprüfung trifft, weiss er noch nicht. Aber das scheint ihm im Moment auch noch nicht wichtig.

Hartnäckigkeit verhilft zur Lehrstelle

Dass der 17-jährige Marc Roth Hufschmied werden wollte, war ihm ziemlich schnell klar. Doch zu Beginn war das für ihn und seine Familie trotzdem eine Überraschung:

«Eigentlich interessierten mich Pferde früher nicht.»

Dies, obwohl er auf einem Bauernhof aufgewachsen war, auf dem nebst Milchkühen auch drei Pferde gehalten werden. Aber dann kam der Zukunftstag in der Schule, wo es darum ging, ob und welche Lehre in Frage kam. Marc Roth fokussierte sich schnell auf drei Berufe: Zimmermann, Hufschmied und Landmaschinenmechaniker. Nicht in der Auswahl war der Beruf des Landwirts, und das hat wiederum mit Pferden zu tun:

«In der Schnupperlehre beim Hufschmied merkte ich, dass mir Pferde mehr zusagen als Kühe.»

Marc Roth machte seine persönliche Triage. Landmaschinenmechaniker: ständig in der Werkstatt. Zimmermann: Immer nur Holz. Hufschmied: man hat mit Tieren und Menschen zu tun und kommt viel herum. «Der Kontakt mit den Kunden gefällt mir sehr. Als Landwirt hast du das nicht», unterstreicht Roth. Dass der junge Schulabgänger in die Lehre zu Hufschmied Bernhard «Beni» Scherrer in Dietfurt kam, war seiner Hartnäckigkeit zu verdanken. Beni Scherrer, der vorher keine Lehrlinge ausgebildet hatte, erinnert sich: «Er wollte unbedingt zu mir. Das war für mich etwas ganz Neues und ich musste mich damit befassen.» Marc Roth sagt: «Es hat mir in der Schnupperlehre bei ihm einfach gut gefallen. Ich habe auch an anderen Orten geschnuppert, aber bei Beni wars am besten.»

Lehrmeister absolvierte extra für ihn eine Weiterbildung

Beni Scherrer entschied sich für den Lehrling, machte die Weiterbildung zum qualifizierten Hufschmied und den Berufsbildnerkurs. Im August vergangenen Jahres ging es dann los: Marc Roth trat zum ersten Arbeitstag seiner vierjährigen Lehre an. Am Anfang ist viel Übung. Eisenstücke schmieden, schleifen, feilen, Hufe pflegen, zurückschneiden, raspeln. Das Üben am Pferdefuss erfolgt im ersten Jahr an toten Hufen vom Pferdemetzger. «Ein komisches Gefühl, aber man gewöhnt sich dran», sagt Marc Roth. Das Üben am toten Fuss geht fliessend über zum lebenden Tier. Beni Scherrer sagt: «Es braucht viel Augenmass für unsere Arbeit. Darum muss soviel geübt werden.» Bei toten Füssen kann man auch mal daneben hauen und missratene Hufeisen können eingeschmolzen werden.

Beni Scherrer: «Hufeisen werden heutzutage maschinell hergestellt. Darum wird auch das traditionelle Schmieden vom Flachstahl bis zum fertigen Hufeisen geübt und gelernt.» Marc Roth übt ein bis zwei Mal pro Woche und stellt dabei ein Paar handgeschmiedete Hufeisen her. Sein Lehrmeister erklärt: «Das lehrt ihm Hammerführung, Augenmass, Fingerfertigkeit und trainiert ihm Kraft für die Arbeit im Alltag.»

Auch ohne Eisen am Fuss braucht es Pflege

Doch auch Barfussgeher, sogenannte «Barhufer», müssen gepflegt werden. Sandro Scherrer, Landwirt und Fuhrmann sowie Vater von Beni Scherrer, pflichtet bei: «Hufe wachsen wie Fingernägel. Deshalb muss man auch Barfüsser pflegen.» Das wird Marc Roths nächster Ausbildungsschritt sein: Hufe am lebenden Tier schneiden. Sein Lehrmeister erläutert dazu: «Dazu braucht es wiederum ein gutes Auge und viel Erfahrung.» Mit scharfen Messern und Raspeln schneidet er die vier Hufe des vierzehnjährigen Kutschenpferds Figaro zurecht. Der wiederum hält seine Füsse hin, ohne aufzumucken.

Etwa alle sechs bis zehn Wochen müssen Hufe gepflegt werden. Dazu müssen die alten Eisen weg und je nach Abnützung neue an die Hufe. Beni Scherrer: «Der Besitzer sieht, wann es Zeit ist. Wenn das Pferd stolpert oder wenn das Eisen nicht mehr sitzt, dann ist es sicher Zeit.» Ein Hufbeschlag für vier Hufe koste um die 200 Franken, sagt Hufschmied Scherrer, und die Arbeit dauere rund eine Stunde. Im Winter wachsen die Hufe weniger schnell, weiss Marc Roth, und Barhufe wie auch beschlagene Hufe werden im Schnee weniger abgenützt. Für den Lehrling kommt dann die Zeit des Übens in der Werkstatt. Doch: «Wir haben eigentlich keine Werkstatt. Unsere Werkstatt ist das Fahrzeug.» Marc Roth muss regelmässig zu einem befreundeten Schmied, um auch das traditionelle Schmieden an der Esse zu lernen.

Fahrende Werkstatt selber entworfen

Beni Scherrer hat seine fahrende Werkstatt mit Allradantrieb selber entworfen: «Da ist alles drin, was es braucht.» Lehrling und Meister arbeiten meistens im Freien, aber das ist auch, was dem Lehrling so gefällt: «Man ist immer draussen, wenn es heiss ist oder kalt, bei Sturm oder Regen.» Der Beruf sei streng, so der Lehrmeister, «trotzdem gibt es auch Mädchen, die ihn lernen.»

Die Hufschmiedlehre dauert vier Jahre. In der Schweiz gibt es nur zwei Gewerbeschulen, die Hufschmiede in der Theorie ausbilden. Eine in der Romandie, eine in Olten. Marc Roth fährt jeden Montag mit dem Zug nach Olten: «Um 5.30 Uhr gehe ich in Oberhelfenschwil auf den Bus und bin um 8 Uhr pünktlich in der Schule.» Das sei ein «Seich», aber nun mal nicht zu ändern.

Der Chef bezahlt jeweils den Zmittag

Nur elf Hufschmied-Lernende gibt es im zweiten Lehrjahr in der Deutschschweiz, dazu drei in der Romandie. Kein Traumberuf wohl, doch für Marc Roth ist es genau das. Er verdient 750 Franken im Monat: «Und der Chef bezahlt den Zmittag!» Im Restaurant, wenn sie unterwegs seien, oder bei Beni Scherrers Eltern in Dietfurt, wenn sie im unteren Toggenburg zu tun haben.

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